Der 27. Bundesliga-Spieltag im Check von deutsche-handwerks-zeitung.de Ein Coach drückt demnächst die Schulbank, ein anderer bangt um seine Abfindung

So langsam aber sicher prischt sich der VfB Stuttgart an die Tabellenspitze. Dennoch sieht der DFB VfB-Trainer Markus Babbel nur als Lehrling und verlangt eine Ausbildung. Beim FC Bayern München hat man da ganz andere Sorgen. Bundesliga-Kolumne von Stefan Galler

Ein Coach drückt demnächst die Schulbank, ein anderer bangt um seine Abfindung

Meisterbetrieb: Zweiter Bildungsweg ohne Hitzefrei

Man kennt das ja aus der eigenen Biographie: Gerne in die Schule ging man nur am Wandertag oder wenn die Wahrscheinlichkeit groß war, dass es hitzefrei geben würde. Da diese beiden Dinge beim Trainerlehrgang an der Sporthochschule in Köln wohl kaum vorgesehen sind, ist es also durchaus verständlich, dass nicht nur Stuttgarts Teamchef Markus Babbel bislang wenig Lust zeigte, sein Diplom als Fußballlehrer abzulegen. Zumal es ja auch ohne die Pappe ganz gut läuft: Seit Armin Vehs Entlassung im Spätherbst kassierte der VfB unter Babbels Regie nur eine Bundesliga-Niederlage, gewann dagegen von 13 Spielen deren neun, zuletzt am Sonntag gegen den HSV durch ein Last-Minute-Tor von Mario Gomez.

Vor jener Partie hatte sich Babbel nun doch breitschlagen lassen, demnächst die Schulbank zu drücken, er verlängerte seinen Vertrag bei den Stuttgartern um ein Jahr und trug sich in die Lehrgangsliste an Fußball-Uni ein – Ausbildungsbeginn im Juni. Für zehn Monate pendelt der 51-fache Nationalspieler dann zwischen Schwaben- und Rheinland, weilt immer von Montagmorgen bis Mittwochabend im Balltreter-Internat, verpasst an seinem eigentlichen Arbeitsplatz damit aber jeweils die halbe Trainingswoche. Das könnte kompliziert werden, denn der VfB ist ja nun wieder voll im Geschäft um die internationalen Plätze. Und sollte es tatsächlich noch klappen mit der Qualifikation für die Champions League, dann müsste sich Markus Babbel wohl etwas einfallen lassen, um es bei einem Dienstagspiel auf die Trainerbank zu schaffen. Auf Hitzefrei sollte er sich da nicht verlassen.

Gesellenstück: Gedränge auf der Trainerbank

Acht Spiele, sieben Siege und ein Unentschieden – die Karriere-Bilanz der Schalker Michael Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck als verantwortliches Trainertrio ist wahrlich phänomenal. Seit Fred Ruttens Entlassung gab es nun gegen den KSC den zweiten Dreier in Folge, schon nach Mirko Slomkas Demission 2008 hatten die drei keine Partie verloren. Und deshalb ist nun durchaus möglich, dass man die Aushilfen demnächst zur Dauerlösung macht. Die Spieler haben nun schon mal Partei ergriffen für die kumpelhafte Triplespitze. Würde ja auch durchaus Sinn machen, Büskens, Mulder und Reck zu installieren. Denn eine auf den ersten Blick milchmädchenhafte Rechnung scheint beim Chaos-Klub tatsächlich aufzugehen: Je mehr verantwortliche Trainer man auf die Bank setzt, desto größer die Punkteausbeute. Keine Rede davon, dass sich zu viele Köche auch mal beim Salz vertun könnten. Wenn das so weitergeht, werden sie auf Schalke womöglich noch die Trainerbank verlängern, schließlich findet sich bestimmt noch der ein oder andere, der da gerne zusätzlich mitmischen will. Eines sei den Königsblauen aber mit noch auf den Weg gegeben: Mehr als drei Punkte gibt es nicht für einen Sieg, ganz egal wie viele Trainer draußen sitzen.

Erstes Lehrjahr: Sparsamer Bayern-Vorstand

Das passte doch irgendwie zu Ostern: Nach der Demontage in Barcelona hatten sie alle den gescheiterten Heiland ans Kreuz genagelt, anstelle der drei Frauen am Grab war es Trainerveteran Udo Lattek, der bittere Tränen vergoss. Doch wie im Neuen Testament folgte die Auferstehung am dritten Tage: Jürgen Klinsmann und der FC Bayern meldeten sich nach der Champions-League-Klatsche mit einem 4:0 im eigenen Stadion gegen Frankfurt zurück. Nun mag der neutrale Beobachter zurecht feststellen, dass die beiden Gegner nicht miteinander zu vergleichen sind, schließlich kombinieren die Stars des FC Barcelona schneller als ihre Schatten, während für die hessische Delegation der Name Eintracht Valium passend gewesen wäre. Schlafwagenfußball zeigten die Frankfurter, die sich schon nach dem ersten Volltreffer von Ribéry in ihr Schicksal fügten, an diesem Nachmittag nur ein Aufbaugegner zu sein.

Dass sich Klinsmanns Gesichtszüge bis zum Ende kaum entspannten, dürfte daran liegen, dass plötzlich seine üppige Abfindung wieder in Gefahr geraten ist. Man munkelt nämlich, dass ausschließlich die fällige Vergütung eines vorzeitigen Abflugs des Trainers heim nach Kalifornien die Bayern-Verantwortlichen bislang von einer Entlassung abhielt. Dabei hatten die Münchner die Knete doch extra beiseite gelegt und deshalb im Winter auf die eigentlich unbedingt notwendige Verpflichtung eines Außenverteidigers und eines Stürmers verzichtet. Bleibt abzuwarten, ob die Bayern-Verantwortlichen mit ihrer Geiz-ist-geil-Haltung am Ende Recht behalten oder ob sich Klinsi vielleicht doch noch vor dem Saisonende über eine stattliche Überweisung freuen darf.

Die Meisterfrage: Wer wird Deutscher Fußballmeister? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!