Unter den zahlreichen Ausstellern der IHM befinden sich auch die Uhrmacher. Auf wenigen Quadratmetern werden Uhren und Zeitmesser unterschiedlicher Formen gezeigt und Besucher umfassend und kompetent rund ums Thema der tickenden kleinen Schätze beraten. Allerdings beklagt das Handwerk den Lehrlingsmangel der Branche.
Christoph Ledder

Zu übersehen und überhören sind sie nicht: Den Stand des deutschen Uhrmacherhandwerks schmückt ein vier Meter hoher Uhrenturm. Konzipiert wurde die "mobile Turmuhr" von Restaurator und Uhrmachermeister Christian Schmeller. Stolz präsentiert er sein Werk, das eine Höhe von 5 Metern und ein Gewicht von knapp 600 kg auf die Waage bringt. Seit 1993 ist er Uhrmachermeister und betreibt eine zertifizierte Meisterwerkstätte in Bad Tölz mit über 60jähriger Tradition für aktuelle und antike Uhren. Die älteren Modelle haben es ihm besonders angetan. Schmeller ist nicht nur seit 20 Jahren Uhrmachermeister sondern seit 2011 auch geprüfter Restaurator im Uhrmacherhandwerk. Von der Armbanduhr bis zur Turmuhr - für Schmeller ist die Beschäftigung mit Uhren mehr als nur ein Hobby. Es ist seine Leidenschaft.
Doch Leidenschaft ist nicht alles. Schmeller und viele seiner Kollegen beklagen das Desinteresse junger Leute an ihrem Beruf. "Über viele Jahre hinweg ist die Ausbildung in der Branche totgesprochen worden. Viele Jugendliche absolvieren zwar ein Praktikum in einem Reperatur- oder Restaurationsbetrieb, doch entscheiden sich dann schnell wieder um", so Schmeller. Dabei sind die Zukunftsperspektiven für Uhrmacher sehr positiv. "Reparaturbedarf an Uhren ist immer vorhanden und da es immer mehr ältere Uhrmacher gibt, braucht unser Handwerk dringend Nachwuchs. Auch die Ausbildung zum Uhrmacher ist sehr spannend", betont Schmeller. Die Kehrseite des Ganzen ist, dass nur sehr wenige Betriebe eine Ausbildung anbieten. "Hier muss in den nächsten Jahren noch einiges getan werden", so Schmeller weiter und eilt zu einem Interessenten an seinem Stand.
Uhrmacher sind Allrounder
Neben Christian Schmeller vertritt Hubert Nold das Uhrmacherhandwerk auf der IHM. Genau wie bei seinem Kollegen sieht man ihm die Leidenschaft für das Handwerk an. Auch er legt viel Wert auf eine saubere und exakte Handarbeit. Um das Handwerk jedoch perfekt zu beherrschen braucht es jedoch weit mehr als nur Geduld und Fingerspitzengefühl. "Der Beruf ist sehr vielseitig. Nicht nur Schreiner- und Elektronikkenntisse sind gefragt, sondern auch kaufmännisches Know How. Natürlich müssen unsere Lehrlingen dann auch EDV-Wissen haben", so Nold. Dass er die Allrounder-Mentalität gut vermitteln kann, sieht er am Beispiel eines ehemaligen Lehrlings von ihm. "Die Ausbildung hat er schon vor einiger Zeit in meinem Betrieb absolviert. Nun ist er für die Formel 1 tätig. Das will schon etwas heißen", betont Nold. Auf die Frage nach dem Mangel an Auszubildenden antwortet er: "Unser Handwerk braucht mehr Unterstützung seitens der Politik."
Trend zur Mechanik
Ähnlich wie sein Innungskollege Christian Schmeller hat sich Nold auf die Remontage von Uhren spezialisiert. Aus zumeist neuen Teilen setzt er seine Uhren zusammen. Seine Exponate zeugen von exzellenter Handwerkskunst, da bei den Uhren, die seinen Namen tragen, von der Mechanik bis hin zum Ziffernblatt alles aufs Perfekteste abgestimmt ist. Zum Mechanischen geht auch der Trend beim Uhrenkauf. So erzählt Nold begeistert: "Nach der Quarzuhren-Zeit, die vor ca. 20 Jahren geht der Kauftrend verstärkt zur Mechanik. Sowohl bei der Quarztechnik als auch bei der Mechanik werden Spezialisten gebraucht", so Nold abschließend.
Sowohl die Arbeiten von Schmeller als auch von Nold zeugen von Individualität und ganz eigenem Charme. Ohne das Uhrmacherhandwerk würde der Halle B1 der IHM ein wichtiges Element fehlen. Doch das ist Gott sei Dank nicht der Fall. Viel schöner ist es zu sehen, dass die Besucher der Internationalen Handwerksmesse am Stand verweilen und sich kompetent zum Thema Uhren und Zeitmessung beraten lassen.