Christian Wulff tritt ab - endlich. Als nächstes wollen wir einen richtigen Staatsmann.
Burkhard Riering
Burkhard RieringDer Rücktritt war überfällig. Über Monate hatte sich Christian Wulff trotzig gegeben, frei dem Motto „Ich halte durch, ich bin ein Kämpfer, und ich habe rechtlich nichts falsch gemacht“. Doch durch die Aufnahme von Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ist auch dieses letzte Totschlagargument Makulatur geworden - auch wenn natürlich weiter die Unschuldsvermutung gilt.
Denn moralisch hat Christian Wulff längst alles verloren. In der Bevölkerung gilt Wulff als "Freund" reicher Unternehmer, der sich gern mal was spendieren lässt. Kein gutes Image für einen Bundespräsidenten. Das Amt scheint ihm zu groß. Für die „Süddeutsche Zeitung“ liegt Wulff auf dem Niveau „Landrat von Osnabrück“. Noch nie wurde so über einen Bundespräsidenten derart öffentlich hergezogen. Wulff hat das Amt des Bundespräsidenten immens beschädigt. Die Bürger haben jeglichen Respekt verloren.
Eine politische Idee konnte Wulff ebenfalls nicht vermitteln. Mit dem Thema Integration hat er es versucht, allerdings undifferenziert. Die „wichtigen Impulse“, von denen die Bundeskanzlerin spricht, gab es nicht. Es wird nichts bleiben - außer die Geschichte vom Affärenpräsidenten.
Wulff war von Anfang an nicht authentisch. Es war ein Fehler, ihn zum Bundespräsidenten zu machen. Merkel aber wollte ihn unbedingt, weil sie einen harmlosen, dankbaren Parteipolitiker brauchte, der ihr ja nicht im Wege stehe oder gar die Schau stehle. Mit dem damaligen Kandidaten Gauck, einem unabhängigen Charaktertyp mit einer Idee von Freiheit und Verantwortung, wäre die Tragödie um das höchste Staatsamt nicht geschehen.
Nun muss die Kanzlerin schnell einen dritten Amtsträger – nach Horst Köhler und Christian Wulff – aus dem Hut zaubern. Und dieses Mal möchten wir keinen Landespolitiker - sondern einen richtigen Staatsmann.
