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Versicherungen für Handwerker – Teil 1 Versicherungen für Selbstständige: Eigene Arbeitskraft im Fokus

Wer sich als selbstständiger Handwerker privat richtig versicheren will, muss bei der Absicherung vor allem an die Familie und die eigene Erwerbsfähigkeit denken.

Selbstständige haben im Vergleich zu Arbeitnehmern einen anderen Versicherungsbedarf. Das betrifft nicht nur die betrieblichen, sondern auch einen Teil der privaten Versicherungen. Während bei einigen Policen wie der Kfz- oder Hausratversicherung der berufliche Status meist keine Rolle spielt, sollten selbstständig tätige Handwerker bei der Absicherung ihrer Familie und ihrer Arbeitskraft anders kalkulieren als jemand, der abhängig beschäftigt ist.

So ist es sinnvoll, mit dem Abschluss einer Risikolebensversicherung die Familie finanziell gegen den Tod des Hauptverdieners abzusichern. Dabei sollte die Versicherungssumme so bemessen sein, dass eine vollständige Tilgung bestehender Schulden möglich ist. Für Inhaber von Handwerksbetrieben bedeutet dies, dass mit der Risikolebensversicherung auch betriebliche Kredite abgedeckt sein sollten.

Ein weiterer Knackpunkt ist der Ausfall wegen Krankheit: Während Arbeitnehmer im Krankheitsfall automatisch zuerst Lohnfortzahlung und später Krankengeld erhalten, müssen sich selbstständige Handwerker selbst um ihre finanzielle Absicherung kümmern. Hier kommt es darauf an, ob eine Mitgliedschaft in der gesetzlichen Krankenkasse besteht oder ob der Handwerker privat krankenversichert ist.

Essenziell: Finanzieller Schutz bei Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit

Gesetzlich Versicherte erhalten ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit Krankengeld, wenn sie den regulären Beitrag zahlen. Alternativ lässt sich mit einem teureren Wahltarif die Krankengeldzahlung schon auf den Beginn der dritten oder vierten Woche ab Krankheitsbeginn vorverlegen. Bei der privaten Krankenversicherung ist kein Krankengeld vorgesehen. Allerdings können Selbstständige die Lücke mit einer Krankentagegeldversicherung schließen.

Wichtiger als die Versicherungsleistung im Krankheitsfall ist der finanzielle Schutz für den Fall der dauerhaften Berufs- oder Erwerbsunfähigkeit – diese bedeutet für selbstständig tätige Handwerker nicht nur das Karriereende, sondern meist auch die Abwicklung oder den verlustreichen Notverkauf des Betriebs.

Die gesetzliche Rentenversicherung bietet ihren Mitgliedern nur eine recht niedrige Rente für den Fall der teilweisen oder kompletten Erwerbsunfähigkeit. „Die gesetzliche Erwerbsminderungsrente reicht jedoch bei Weitem nicht aus, um ein sicheres Einkommen zu erhalten“, warnt Vorstandschef Rainer Reitzler von der Münchener Verein Versicherungsgruppe. Überhaupt nicht abgedeckt ist der Fall, dass ein Handwerker seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, jedoch zumindest theoretisch umschulen und in einen Bürojob wechseln könnte.

Suche nach adäquatem Schutz oft langwierig

Umfassenden Schutz bietet in solchen Fällen nur eine private Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) – allerdings mit einer für Handwerker wichtigen Einschränkung: Je nach Berufsgruppe verlangen die Versicherer unterschiedlich hohe Prämien, wobei Angehörige von Handwerksberufen oft die teuersten Tarife zahlen müssen. Grund dafür sind die hohen Gesundheitsrisiken in körperlich anspruchsvollen Berufen wie beispielsweise Dachdecker oder Maurer.

Die Suche nach einem bezahlbaren Anbieter für die Berufsunfähigkeitsversicherung ist damit für Handwerker langwieriger als für Büroangestellte oder Akademiker. Sind bereits gesundheitliche Beeinträchtigungen wie beispielsweise ein Bandscheibenvorfall vorhanden, droht unter Umständen sogar die Ablehnung des Antrags auf eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. Der Münchener Verein hat im vergangenen Jahr eine speziell auf Handwerker ausgerichtete BU auf den Markt gebracht.

Wer sich den finanziellen Schutz vor Berufsunfähigkeit nicht leisten kann, findet mit alternativen Versicherungsmodellen zumindest einen Basisschutz:
  • Die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung zahlt ähnlich wie die gesetzliche Rentenversicherung eine Rente beim Verlust der Arbeitskraft.
  • Die Dread-Disease-Versicherung deckt bestimmte schwere Krankheiten wie beispielsweise Herzinfarkt oder Schlaganfall ab, leistet jedoch nicht, wenn die Berufsunfähigkeit aufgrund einer nicht im Vertrag aufgeführten Krankheit eintritt.
  • Die Grundfähigkeits-Versicherung gewährt die Rentenzahlung, wenn grundlegende körperliche Fähigkeiten wie etwa Sehen, Hören, Sprechen oder Sitzen nicht mehr vorhanden sind.
Ausgaben für Versicherungen

So wirbt etwa die DEVK damit, dass ihre Grundfähigkeits-Versicherung im Vergleich zur klassischen Berufsunfähigkeitsversicherung für Handwerker nur einen Bruchteil kostet. Während ein Dachdecker für die vollständige Absicherung gegen Berufsunfähigkeit rund 16 Prozent des Nettoeinkommens zahlen müsse, liege der Beitrag für die Grundfähigkeits-Versicherung nur bei 2,4 Prozent, rechnet der Versicherer vor.

Allerdings bleiben bei den preisgünstigeren Policen Lücken. So leistet die private Erwerbsunfähigkeitsversicherung nicht, wenn das Umsatteln auf einen weniger qualifizierten Beruf möglich ist, und bei der Grundfähigkeits-Versicherung sind psychische Krankheiten oder Allergien zumeist nicht im Leistungskatalog enthalten. Für die Experten der Stiftung Warentest bleibt daher die Berufsunfähigkeitsversicherung erste Wahl. Ihr Rat: "Alternative Versicherungsmodelle sind kein gleichwertiger Ersatz und nur zu empfehlen, wenn aus Budget- oder Gesundheitsgründen kein anderer Schutz möglich ist."

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