Graumann würdigt "Tapferkeit und beispielhaften Mut" Ehepaar aus Jamel mit Preis für Zivilcourage ausgezeichnet

Für ihr beherztes Engagement gegen Rechtsextremismus und für Freiheit und Toleranz hat das Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer aus Jamel am Donnerstag den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage erhalten. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, überreichte die Auszeichnung während eines Festaktes im Schweriner Schloss.

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Ehepaar aus Jamel mit Preis für Zivilcourage ausgezeichnet

Schwerin (dapd). Für ihr beherztes Engagement gegen Rechtsextremismus und für Freiheit und Toleranz hat das Künstlerehepaar Birgit und Horst Lohmeyer aus Jamel am Donnerstag den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage erhalten. Dieter Graumann, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, überreichte die Auszeichnung während eines Festaktes im Schweriner Schloss. Graumann lobte das Ehepaar, das 2004 von Hamburg ins westmecklenburgische Jamel gezogen war, für seine Tapferkeit und beispielhaften Mut, sich der rechtsextremen Szene in ihrem Dorf täglich entgegen zu setzen.

Die Buchautorin und der Musiker seien "Helden des Lebens", die aller Einschüchterungsversuche und Drangsalierungen zum Trotz ein wichtiges Signal setzten, sagte Graumann. Ein Ort wie Jamel, das bei Neonazis als "national befreite Zone" gelte, sei ein "unhaltbarer Zustand, eine Zumutung und ein Skandal", mit dem sich niemand in Deutschland jemals abfinden dürfe.

Dem Künstlerehepaar sei es zu verdanken, dass Jamel seit einiger Zeit auch ein Symbol für Zivilcourage sei, sagte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) in seiner Laudatio. Es gehöre ungeheurer Mut dazu, sich nicht wegzuducken und alle Hetze an sich abprallen zu lassen. Mit dem jährlichen Rockfestival "Jamel rockt den Förster" sowie weiteren Kulturveranstaltungen auf ihrem Gelände ihres Forsthofs leisteten Lohmeyers Widerstand mit ihren ganz eigenen Mitteln.

Sellering bekräftigte erneut seine Forderung nach einem Verbot der rechtsextremen NPD. Dies ändere zwar nichts am Gedankengut in den Köpfen, sei aber ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Preisträgerin Birgit Lohmeyer bedauerte in ihrer Dankesrede die gerade in Ostdeutschland verbreitete Demokratiemüdigkeit und Staatsverdrossenheit. Es sei schmerzlich zu erfahren, wie gerade auch bei jungen Menschen unter 20 Jahren "der Einschüchterungsterror der Rechtsextremen" umfassend wirke und keiner zu protestieren wage. Es liege aber in der Verantwortung jedes Einzelnen, zu verhindern, dass "auf deutschem Boden die dritte Diktatur innerhalb eines Jahrhunderts entsteht", betonte die 52-Jährige.

Der mit 5.000 Euro dotierte Paul-Spiegel-Preis des Zentralrats der Juden wurde zum zweiten Mal vergeben. 2009 erhielt der sächsische Polizeipräsident Bernd Merbitz die Auszeichnung.

dapd