Automatisches Notrufsystem eCall: Karosseriehandwerk befürchtet Nachteile durch Auto-Notruf

Das automatische Notrufsystem eCall für neue Autos soll 2015 kommen. Die Karosseriewerkstätten befürchten allerdings Nachteile. Davon profitieren würde eine andere Branche.

Durch den automatischen Notruf in Autos eCall wird der Rettungsdienst schnell alarmiert. Das soll Zeit sparen und Leben retten. Das Karosseriehandwerk befürchtet Nachteile, da Vertragswerkstätten der Autohersteller davon profitieren. - © Foto: benjaminnolte/fotolia

Neuwagen sollen nach dem Willen der EU-Staaten künftig mit dem automatischen Notrufsystem eCall ausgestattet werden. Allerdings müssen sich noch die Vertreter der EU-Länder und des Europaparlaments darauf einigen, was noch einige Monate in Anspruch nehmen kann.

Autohersteller beziehen alle Daten

Bei schweren Unfällen löst das System einen Notruf aus. Somit wird der Rettungsdienst alarmiert, auch wenn der Fahrer bewusstlos ist. Das soll im Ernstfall Zeit sparen und Leben retten. Für den Zentralverband für Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) könnte das automatische Notrufsystem allerdings zu einem erheblichen Wandel in der Branche führen. Künftig werde ein Autohersteller alle fahrzeugbezogenen Daten auch nach einem Unfall bekommen und entsprechend eingreifen können, sagt Klaus Weichtmann, Hauptgeschäftsführer des ZKF.

Darüber hinaus gehe es laut Weichtmann in der Unfallbranche um Schnelligkeit. Derjenige, der als erster am Unfallort ist, könne in vielen Fällen den weiteren Ablauf lenken. Ob Abschleppunternehmen, Kfz-Werkstatt oder Autohersteller – bei einem Unfall würden verschiedene Interessen eine Rolle spielen.

"Wenn bei diesen unterschiedlichen Interessen der Fahrzeughersteller durch den automatischen Notruf eCall als erster Kenntnis nach dem Aufprall erhält, dann ist er Herr des Verfahrens – und dies dürfte in vielen Fällen zum Nachteil der anderen am Unfall beteiligten Kreise gehen", so Weichtmann.

Freie Werkstätten bleiben durch eCall außen vor

Die freien Betriebe im Karosseriehandwerk befürchten, dass die Hersteller einen Unfallfahrer in die eigenen Werkstätten lenken werden, freie Werkstätten blieben außen vor. Auf diese Problematik sowie auf die des Wettbewerbserhalts zwischen freien Werkstätten und Vertragswerkstätten weist das Karosseriehandwerk in Brüssel und Berlin immer wieder hin.

"Eine Marktverengung kann nicht im Sinne der Entscheidungsfreiheit der Verbraucher sein. So lebensrettend eCall sein kann, über die Zusatzdienste muss der Autofahrer aktiv entscheiden können", so Weichtmann.

Die freien Karosseriewerkstätten reparieren und lackieren Fahrzeuge aller Hersteller, insbesondere nach Unfallschäden. Die Vertragswerkstätten der Autohersteller dagegen haben ihren Schwerpunkt im Fahrzeughandel sowie der Kfz-Reparatur. Laut Weichtmann wären in diesen nur selten auch eine eigene Karosserie- und Lackierabteilung angegliedert.   cle