Automatisches Notrufsystem 2018: eCall für neue Pkw und Transporter zur Pflicht

Neue Pkw-Modelle müssen ab März 2018 an mit einem automatischen Notrufsystem ausgerüstet sein. Der so genannte eCall wird europaweit vorgeschrieben. Das EU-Parlament stimmte am Dienstag abschließend für das neue System, mit dem nach Schätzungen der EU-Kommission die Zahl der Unfalltoten um zehn Prozent verringert werden könnte.

Das automatische Notrufsystem eCall soll nach dem Willen der EU-Staaten in wenigen Jahren zur Pflicht werden. - © Foto: chris-m/Fotolia

Im Fall eines schweren Unfalls alarmiert eCall über die Rufnummer 112 automatisch den Rettungsdienst und übermittelt die Position des Autos sowie die letzte Fahrtrichtung an die Rettungsleitstelle. Ab dem 31. März 2018 sollen Autobauer alle neuen Modelle mit der nötigen Technologie ausrüsten.

Bei einem Unfall soll eCall automatisch den einheitlichen europäischen 112-Notruf auslösen. So sollen Helfer schneller zum Unfallort geführt werden – auch wenn der Fahrer bewusstlos ist. Nach Schätzungen der EU-Kommission gab es 2014 mehr als 25.000 Tote bei Verkehrsunfällen.

Datenschutz verbessert

Die Entscheidung war nicht unumstritten. Vor allem Datenschützer fürchteten, dass die Automobilhersteller die Daten für ihre Kundenwerbung missbrauchen könnten. Geplant ist allerdings die Schaffung einer standardisierten, sicheren und diskriminierungsfrei zugänglichen Schnittstelle für den Austausch von Kfz-Daten. Dabei soll das System nur bestimmte Daten weitergeben, darunter Ort und Zeitpunkt des Unfalls. Um einen Missbrauch der Daten zu verhindern, soll eCall ungenutzte Informationen kontinuierlich löschen.

Die Schnittstelle soll es Autofahrern künftig ermöglichen, selbst zu entscheiden, welchen Dienstleister sie bei der Nutzung von eCall und weiteren Zusatzdiensten bevorzugen. Über eine solche Schnittstelle kann laut ADAC ein unabhängiger Anbieter – genauso wie der jeweilige Fahrzeughersteller – die notwendige Technik verbauen.

Dadurch würden die Wahlfreiheit und die Sicherstellung des Wettbewerbs gewährleistet, um ein drohendes Datenmonopol der Automobilhersteller zu verhindern. Telematische Dienstleistungen können zum Beispiel auch zur schnellen Hilfe bei einer Panne oder bei der Ortung des Fahrzeugs nach einem Diebstahl eingesetzt werden.

Bereits seit dem 1. Oktober 2017 steht technische Infrastruktur für den eCall-Dienst bereit. Einige Autohersteller bieten bereits eigene eCall-Systeme an. Verbraucher können selbst entscheiden, ob sie diese weiterhin nutzen. Jedoch soll das auf dem 112-Notruf basierende System nicht beeinträchtigt werden.

So funktioniert eCall

Die Abkürzung eCall steht für "emergency call", ein elektronisches Notrufsystem für Kraftfahrzeuge. Der eCall erkennt mithilfe von Sensoren einen schweren Unfall und löst automatisch und unverzüglich einen Notruf aus. Dazu greift das Fahrzeug auf eingebaute Ortungs- und Telekommunikationstechnik zurück.

Das Auto sendet den Unfallort an die zuständige Rettungsleitstelle und baut gleichzeitig eine Sprechverbindung auf. Bei leichteren Unfällen bzw. in jeder Notsituation können die Fahrzeuginsassen den eCall auch manuell auslösen.

Durch eCall ist die Rettungsleitstelle in der Lage, den Zeitraum zwischen dem Unfall und dem Eintreffen der Rettungskräfte auf ein Minimum zu reduzieren. Die EU-Kommission hofft, insbesondere in ländlichen Regionen diesen Zeitraum um bis zu 50 Prozent zu verkürzen. Das sei wichtig, weil die Folgen von Unfallverletzungen umso stärker abgemildert werden können, je früher die Versorgung am Unfallort beginnt. Durch rechtzeitiges Eintreffen der Rettungskräfte will die EU europaweit jährlich bis zu 2.500 Menschenleben retten und die Zahl der schweren Verletzungen deutlich reduzieren.

Von April 2018 an sollen nur noch solche neuen Modelle von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen eine Typgenehmigung erhalten, die mit dem 112-eCall ausgerüstet sind. ste/dpa