Kommentar E10 - Gar nicht super

Erst im Januar ist in Deutschland das Biobenzin E10 eingeführt worden, um das Projekt nun, keine drei Monate später, wieder auf Eis zu legen. Politik und Industrie geben sich kurz vor dem "Benzin"-Gipfel gegenseitig die Schuld für die missglückte Einführung. Und beide haben auch noch Recht damit.

Burkhard Riering

E10 - Gar nicht super

Was gut gemeint ist, ist nicht immer gut gemacht. Anfangs waren alle von der Vorstellung beeindruckt, dass unsere Autos in der nahen Zukunft mit Biokraftstoff fahren könnten. Doch die Einführung von E10 hat gezeigt, wie viel man dabei doch falsch machen kann. Denn kaum einer tankt wirklich das neue Bioethanol. Nicht Begeisterung herrscht also, sondern Erregung. Und jeder schiebt dem anderen den Schwarzen Peter zu.

Die Politik macht die Mineralölkonzerne dafür verantwortlich, dass kaum einer weiß, was E10 überhaupt ist. Es wurde versäumt, in der Kommunikation aufzuklären. Die Ölkonzerne sehen dagegen in den missglückten, staatlich verordneten Regelungen durch die Politik den Grundfehler. Und die Autofahrer, die die Dummen sind, schimpfen auf alles, denn sie müssen seit der E10-Einführung auch noch mehr für konventionelles Benzin zahlen.

Weniger grün als gedacht

Wenn all das wenigstens helfen würde. Doch die Ökobilanz von Biosprit soll gar nicht so grün sein wie immer behauptet. Zunächst einmal verbraucht das Auto mit mehr Ethanol auch mehr als mit "normalem" Superbenzin. Zudem wird Bioethanol aus Nahrungsmitteln gewonnen, was bedeutet: Weizen oder Mais werden nicht mehr angebaut, um Menschen zu ernähren, sondern um Sprit zu produzieren. Das kann zu neuen Hungersnöten in ärmeren Ländern führen, aber auch zu verstärkter Rodung der Regenwälder. Wenn diese Produkte von den Deutschen importiert werden, sieht die Ökobilanz von E10 nicht mehr so rosig aus.

Zudem ist Biosprit kein Allheilmittel für den Klimaschutz. Es gibt Alternativen. Vor allem das Elektroauto hätte hier einen großen Dienst erweisen können, doch dieses Thema wurde in Deutschland vernachlässigt. Erst von der Industrie, dann von der Politik. Und die Bundesregierung ist noch immer nicht gewillt, den Autobau bei der Entwicklung von Elektroautos maßgeblich zu unterstützen. Stattdessen gibt es hohe Subventionen für den Biosprit.

Noch ist E10 nicht gänzlich am Ende. Der "Benzin"-Gipfel am morgigen Dienstag soll Lösungen erarbeiten, alle Beteiligten sollen nun aufklären und informieren. Denn wenn der Verbraucherboykott nicht endet, wird die Einführung gestoppt. Im besten Falle machen die Konzerne das Biobenzin noch deutlich preiswerter. Dann kann sich auch der Autofahrer wieder freuen.