Dass auch mit einem Qualifizierten Hauptschulabschluss der Weg zum Meisterbrief möglich ist, zeigt das Beispiel von Michael Kaden aus Seiffen. Der Elektrotechnikermeister hatte während seiner Schulzeit Schwierigkeiten in Mathematik und Physik – und ist heute ein ermutigendes Beispiel dafür, dass beruflicher Erfolg auch auf Umwegen erreichbar ist.

In der Schule fiel es Michael Kaden als Kind und Jugendlichen nie leicht. In der 9. Klasse verließ er sie mit dem Qualifizierten Hauptschulabschluss. Gerade Mathematik und Physik waren ihm ein Graus. Froh war er damals, dass die Schule vorbei war. In der Berufsausbildung zum Elektrotechniker wurde er wieder nicht zu knapp mit den beiden naturwissenschaftlichen Fächern konfrontiert. Aber er hat sich durchgekämpft und seinen Gesellenbrief in der Tasche.
Privater Kredit für die Weiterbildung
In diesem Beruf arbeitete er insgesamt 16 Jahre als Angestellter. Kleininstallationen und Reparaturen vor allem im Bereich der Steuerungstechnik liegen ihm am meisten. Damit machte er sich auch 2016 selbständig. Wieder packte ihn der Ehrgeiz. Der Meisterbrief sollte her. Von 2017 an besuchte er den Lehrgang an der Handwerkskammer Chemnitz in Vollzeit. "Das ging damals nur mit einem privaten Kredit", so der Seiffener. Die Gebühren für den Lehrgang beliefen sich auf etwa 12.000 Euro. Allerdings musste er ja auch von etwas leben. Vollzeit bedeutet kein Einkommen.
Erfolg im zweiten Anlauf
Trotzdem hat er diesen Schritt nicht bereut. "Ich habe so viel gelernt. Das kann mir keiner mehr nehmen", erklärt Michael Kaden. Der Lehrstoff hatte es in sich. Wieder viel Mathe, viel Physik und zwischenmenschlich lief es auch nicht immer optimal. So schaffte er die Meisterprüfung auch erst im zweiten Anlauf. Und der Lehrgang hat eines bestätigt. Sein Steckenpferd ist und bleibt der Bereich Steuerung und Schaltpläne. Hier ist sein Wissen auch in seiner aktuellen Firma gefragt. Er liebt es, Fehler aufzuspüren und diese zu beheben. Sein Geschäft hat er mittlerweile nur noch im Nebengewerbe. Der 44-Jährige ist der angestellte Meister der Haustein Elektro GmbH. Hier bildet er selbst Lehrlinge aus. Insgesamt sechs junge Leute hat er bislang auf ihrem Weg zum Gesellenbrief begleitet.
Fortbestand der Elektroabteilung gesichert
Aktuell ist er für drei Lehrlinge verantwortlich. In dieser Aufgabe sieht er für sich einen großen Mehrwert. "Ich bleibe so in Bezug auf das Handwerk in all seinen Bereichen immer auf dem neuesten Stand und die Arbeit mit den jungen Leuten macht Spaß", so der Seiffener. Für die Geschäftsführerin der Haustein Elektro GmbH, Anna Haustein, ist Michael Kaden ein großer Gewinn. "In unserem Handwerk gilt der Meisterzwang. Innerhalb der Familie haben wir derzeit keinen eigenen Meister mehr. Deshalb sichert Michael Kaden den Fortbestand unserer Elektroabteilung ab, die wir seit seinem Eintritt stetig weiter ausbauen konnten", erklärt die 44-Jährige. Sie kennt ihren Meister schon seit ihrer Kindheit. Schon damals schätzte sie seine ruhige und gewissenhafte Art. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sogar in den Prüfungsausschuss der Handwerkskammer soll Michael Kaden nun berufen werden. "Als mich die Anfrage erreichte, habe ich mich gefreut und sofort Ja gesagt", erzählt er. Für Michael Kaden stellt das eine neue Herausforderung dar, der er sich sehr gerne stellen will.
Freizeit hat Michael Kaden natürlich auch. Die verbringt er tatsächlich am liebsten mit dem Programmieren von Heizungssteuerungen. Hin und wieder schwitzt er auf dem Fahrrad oder beim Wintersport. Außerdem gehört er zum Organisationsteam des Seiffener Crashcar-Rennens. Auch das macht ihm großen Spaß.