Kolumne Duales Studium im Handwerk: Eine wertvolle Überlegung

Maßgeschneiderte Fach- und Führungskräfte selbst ausbilden – das geht. Über die Vorteile eines Dualen Studiums, die verschiedenen Modelle und die Suche nach passenden Kandidaten.

Das Duale Studium verbindet theoretischen Wissen aus einem Studiengang mit praktischen Erfahrungen aus einem Betrieb. - © Chinnapong - stock.adobe.com

Das duale Studium ist ein gestandenes Angebot, das zahlreiche Möglichkeiten schafft. Es deckt sowohl die Ansprüche an die wissenschaftliche Qualifikation der Beschäftigten, als auch an die praxisbezogenen Anforderungen in einem Handwerksbetrieb. Absolventen eines dualen Studiengangs sind in der Regel gefragte Fach- oder Führungskräfte. Sie sind auf die betrieblichen Anforderungen ausgebildet und wachsen im und mit dem Handwerksbetrieb. Sie stehen ausgebildet zur Verfügung und entwickeln eine enge Bindung zum Betrieb.

Dem Inhaber von einem Meisterbetrieb steht, nach einem überschaubaren Zeitraum, das maßgeschneiderte Personal mit den firmenbezogenen Kenntnissen und Fertigkeiten sowie einem akademischen Abschluss zur Verfügung. Parallel zum Studium setzen die Studierenden ihr akademisches Wissen für das Unternehmen ein. Eine kosten- und zeitintensive Einarbeitung der qualifizierten, externen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern entfällt.

Duales Studium: Die drei Organisationsmodelle

Es gibt drei Organisationsmodelle: das ausbildungsintegrierte, das semesterbezogene und das berufsbegleitende Modell. Je nach dem Modell wechseln sich die Praxisphasen im handwerklichen Betrieb mit den Studienzeiträumen ab.

Jedes Modell hat seine Vor- und Nachteile. Welches sich eignet, müssen die Beteiligten im Einzelfall entscheiden. Die praxisbezogenen Projekte stimmen die Verantwortlichen im Betrieb mit der Hochschule ab. So sind Theorie und Praxis, also die betrieblichen Interessen und der akademische Ablauf, eng verzahnt.

Die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieb und Hochschule bzw. Berufsakademie regelt in der Regel ein Kooperationsvertrag. Darin sind der Gegenstand der Qualifizierung, die Vertragsdauer, die Durchführung des Studiums, die Pflichten der Beteiligten, die Ausbildungszeit, die Vergütung und sonstige Leistungen geregelt. Der ausbildungsintegrierte duale Studiengang beinhaltet demzufolge zwei Verträge, den Berufsausbildungsvertrag und den Kooperationsvertrag.

Die erforderlichen Leistungen im Studium, wie zum Beispiel die Seminararbeiten, Praxisarbeiten und Abschlussarbeiten, können in Absprache zwischen den Studierenden, Ausbildenden und Lehrkräften durchgeführt sowie im Rahmen des Studiums angerechnet werden. In Absprache können die Studierenden für die Prüfungen und andere zusätzliche Ausbildungsinhalte während der Ausbildungszeit freigestellt werden.

Wie Handwerksbetriebe passende Kandidaten finden

Die Bewerberauswahl für einen dualen Studienplatz ähnelt in den Grundzügen der für einen Ausbildungsplatz. Schließlich ist ein Bestandteil eines dualen Studiums das Ausbildungsverhältnis für den Erwerb der Abschlüsse in den anerkannten Ausbildungsberufen. Allerdings sind die Anforderungen an den Bewerber oder die Bewerberin in der Regel höher, denn der andere Bestandteil ist das akademische Studium. Diesen Anforderungen müssen die Betroffenen gewachsen sein.

Es gibt vielfältige Möglichkeiten, junge Leute zu erreichen, die ein Duales Studium absolvieren möchten. Neben den internen und externen Stellenausschreibungen können die Studienplatzangebote im Internet eingestellt werden. Auch die regionalen Arbeitsagenturen nehmen die Angebote in ihre Datenbank auf. Sie werden dann in Beratungsgespräche mit Jugendlichen eingebracht. Eine weitere Möglichkeit ist die Beteiligung an einer Bildungsmesse oder den Berufsinformationstagen an einer Schule oder überbetrieblichen Einrichtung. Eine Auskunft darüber kann die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer erteilen.

Wenn genügend Bewerbungen vorliegen, folgt die Auswahl der Personen, die den speziellen Anforderungen der Geschäftsführung am besten entsprechen. Um eine optimale Besetzung des Ausbildungsplatzes sicherzustellen gibt es verschiedene Auswahlverfahren. Die Einsicht und Bewertung der schriftlichen Bewerbungen, die Durchführung von einem Berufseignungstest, eine kleine praktische Übung oder die Vorstellungsgespräche mit der einzelnen Person oder der Gruppe.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.