Fachkräftemangel Duale Ausbildung: Wachsender Engpass bei MINT-Fachkräften

Die Lücke an Arbeitskräften mit technisch-naturwissenschaftlicher beruflicher Ausbildung wird in den kommenden Jahren kräftig zunehmen. Der Druck auf Handwerksbetriebe wird damit noch größer.

Karin Birk

Bis zu 700.000 Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung sollen bis 2020 in Deutschland fehlen. Der Trend werde durch die Rente mit 63 verstärkt, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. - © Foto: industrieblick/fotolia

Schon jetzt fehlen den Unternehmen hierzulande rund 117.300 Fachkräfte in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). Dies gilt einer Studie zufolge sowohl für Akademiker als auch für Fachkräfte mit einer Berufsausbildung und trifft insbesondere die süddeutschen Bundesländer. „Die aktuellen Engpässe werden in den kommenden Jahren vor allem bei der beruflichen Bildung steigen“, warnt der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) Köln, Professor Michael Hüther, mit Blick auf den aktuellen MINT-Frühjahrsreport 2014. Bei den Akademikern könne die Lücke dagegen leichter geschlossen werden.

Abschlagsfreie Rente mit 63 verschärft den Trend

Selbst wenn nur die altersbedingt ausscheidenden Fachkräfte ersetzt werden sollten, würden bis Ende des Jahrzehnts rund 700.000 MINT-Fachkräfte mit beruflicher Ausbildung fehlen. Sollte die Beschäftigung wie in den vergangenen Jahren weiter anwachsen, wären es sogar 1,4 Millionen Fachkräfte, sagte Hüther. Dieser Trend werde durch die abschlagsfreie Rente mit 63 jetzt noch weiter verschärft.

Jetzt müssten alle Hebel in Bewegung gesetzt werden, um das Fachkräfteangebot zu stärken, ansonsten würden Wachstumschancen der Volkswirtschaft verspielt. Hüther warnt davor, die berufliche und die akademische Ausbildung gegeneinander auszuspielen. Vielmehr gelte es, die Potenziale im Bereich der beruflichen Ausbildung besser zu nutzen. So sollten mehr junge Erwachsene ohne Berufsausbildung oder Zuwanderer eine Ausbildung in einem MINT-Beruf machen. Außerdem müssten die MINT-Fächer in den Schulen gestärkt werden.

Wettbewerb um MINT-Fachkräfte wird steigen

Auch der Vorsitzender der Initiative „MINT Zukunft schaffen“ und langjährige Personalmanager, Thomas Sattelberger, verweist auf die 1,3 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren ohne Berufsabschluss, die noch stärker für eine berufliche Bildung gewonnen werden müssten. Modulare Ausbildungsqualifikationen sollten dabei – auch im Handwerk – in Betracht gezogen werden, fügte er hinzu. Von einer künstlichen Verknappung von Studienplätzen hält er ebenfalls nichts.

Klar ist indessen, dass das insgesamt knappere Angebot an Schülern und damit auch an denen mit naturwissenschaftlichen und technischen Interessen den Kampf um geeignete Lehrlinge noch erhöhen wird. „Der Wettbewerb um geeignete Auszubildende wird noch deutlich schärfer werden“, sagt Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft beim Arbeitgeberverband Gesamtmetall. Dies gelte nicht nur zwischen großen und kleineren Betrieben der Industrie. Dies gelte auch zwischen Industrie und Handwerk.