Deutsche Traditionshersteller Von Dual bis Telefunken: Die IFA-Stars aus alten Zeiten

Einst waren sie die Stars der IFA: Deutsche Traditionshersteller wie Dual, Saba, Nordmende oder Telefunken. Doch dann kamen Globalisierung und Verdrängungswettbewerb. Ein Nachruf.

Das Highlight der Funkausstellung 1965: In diesem neuartigen Tonbandgerät wird anstelle der sonst üblichen Tonbandspule eine Kassette verwendet. - © Foto: Alfred Assmann/dpa/pa

Die Stadt Sankt Georgen, mitten im Schwarzwald gelegen, war früher fest in der Hand von Dual. Fast die Hälfte aller Einwohner war in der berühmten Unterhaltungselektronikfirma beschäftigt. Die Unternehmerfamilie Steidinger führte den florierenden Betrieb über 75 Jahre lang. Dual baute Plattenspieler und andere Unterhaltungselektronik.

Lange ist das her. Dual, einst Marktführer in Deutschland, kam unter die Räder und meldete 1982 Konkurs an. Die verbliebenen Namensrechte wurden gleich einige Male weiterverkauft. Heute gehört die Lizenz der Firma DGC, die Plattenspieler mit dem Dual-Logo herstellt.

So wie Dual ging es in den 80er Jahren vielen deutschen Herstellern der Unterhaltungselektronik. Die einstigen Stars der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin verschwanden nach und nach von der Bildfläche. Der globale Wettbewerb machte ihnen den Garaus. Die Konkurrenz aus Fernost produzierte billiger, ohne dass sich hiesige Firmen darauf einstellen mochten.

Von den mehr als 70 Hifi-Herstellern aus Wirtschaftswunderzeiten sind nur noch wenige übrig. Das Ergebnis: ein Friedhof deutscher Elektronikmarken.

Schon wieder cool: Dual-Plattenspieler. - © Foto: 4zap/Fotolia

Globalisierung setzte Firmen zu

Nordmende ist so ein Beispiel. Das Unternehmen war einer der führenden Hersteller von Radios und Fernsehern in der Nachkriegszeit. Das Elektronik-Knowhow wurde von den Kunden hoch geschätzt. 1977 wurde Nordmende an die damalige französische Staatsfirma Thomson veräußert. Die Franzosen schlossen ein paar Jahre später das Werk in Bremen und machten Nordmende zu einer reinen Handelsmarke.

Thomson tauchte überhaupt immer dann auf, wenn deutsche Unterhaltungselektronikfirmen in die Bredouille gerieten. So übernahmen die Franzosen 1980 auch den Rundfunkgeräte-Hersteller Saba . Saba stand für "Schwarzwälder-Apparate-Bau-Anstalt". Sie gab es schon im 19. Jahrhundert, als dort noch Uhrenwerke gebaut wurden. Nach blühenden Geschäften in den 50er und 60er Jahren, in denen die Firma TV-Apparate wie den beliebten "Schauinsland WII" in den Handel brachte, begann auch dort der Niedergang. Übrig geblieben sind nur noch die Namensrechte.

Fast schon so handlich wie ein Handy: Nordmende-Radio mit Henkel. - © Foto: Jetan/Fotolia

Thomson hat auch die deutsche Marke Videocolor hingerichtet. Die von der Schließung des Werks bedrohten Arbeiter reimten 1982: "Ganz Deutschland soll es sehen, wie wir vor die Hunde gehen". Und ganz Deutschland sah es.

Oder Nixdorf Computer. Heinz Nixdorf, ein Unternehmer mit sozialer Verantwortung, gründete 1952 das "Labor für Impulstechnik" und machte daraus einen der weltweit größten Computerbauer mit fast 30 000 Beschäftigten. In den 80er Jahren aber setzte ein Wandel in der Branche ein, dem Nixdorf so nicht mitmachen wollte: Der Siegeszug der Personal-Computer deckte sich nicht mit Nixdorfs vorgegebenen Qualitätsmaßstab. Was dieser Steve Jobs da in Amerika machte, schmeckte ihm nicht.

Was könnte das sein? Telefunken-Radiogerät "ELA V304" als "Tischmodell". - © Foto: Robotcity/Fotolia

Schweres Schicksal Nixdorfs

Nixdorf Computer geriet unter Druck. Zudem verstarb Heinz Nixdorf 1986 auf der Messe Cebit an einem Herzinfarkt. Zwei Jahre nach seinem Tod wurde der Konzern mit Siemens zusammengeschlossen. Der PC-Bereich firmierte von 1999 an unter der Bezeichnung "Fujitsu Siemens Computers". Siemens verkaufte bis 2009 nach und nach seine gesamten Anteile an den japanischen Technologiekonzern Fujitsu.

Doch der Name Nixdorf lebt noch: Unter dem Namen Wincor Nixdorf werden mit großen Erfolg elektronische Kassensysteme gebaut.

Türken kaufen deutsche Namen

Auch andere deutsche Traditionsmarken überlebten als Name, stehen aber längst unter dem Dach ausländischer Massenhersteller. So ist Grundig kurz vor Toresschluss vom türkischen Konzern Beko aus der Insolvenz gerettet worden. Die fränkische Firma, einst ein Symbol des deutschen Wirtschaftswunder, bietet heute Geräte unter den Namen Grundig Intermedia und Grundig Business Systems an.

Radio aus Wirtschaftswunderzeiten von Grundig. - © Foto: Soundsnaps/Grundig

Nicht anders war die Strategie des türkischen Anbieters Profilo-Telra, der die Traditionsmarke Telefunken gekauft hat. Unter dem 110 Jahre alten Namen wurden neueste Flachbildschirmfernseher und andere Empfangsgeräte vermarktet. Deutsche Qualität - made in Turkey. Die originäre Tätigkeit der Telefunken-Gesellschaft endete Mitt eder Nullerjahre. Heute ist die Telefunken Licenses GmbH Inhaberin der Markenrechte, die Lizenzen zur Verwendung der Marke „ Telefunken“ erteilt.

Sollte es einmal einen Retrotrend in der Unterhaltungselektronikbranche geben, stehen also viele Markennamen zur Verfügung. bur