Bei der Deutschen Bank verdichten sich die Anzeichen für eine baldige Lösung der Nachfolgefrage. Aktionärsschützer plädieren unterdessen für eine Doppelspitze als Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann.
DSW für Jain und Fitschen als Ackermann-Nachfolger
Berlin (dapd). Bei der Deutschen Bank verdichten sich die Anzeichen für eine baldige Lösung der Nachfolgefrage. Aktionärsschützer plädieren unterdessen für eine Doppelspitze als Nachfolge von Vorstandschef Josef Ackermann.
"Allein hat keiner der Nachfolgekandidaten von Josef Ackermann das Topprofil, das diese Bank braucht", sagte der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Ulrich Hocker, am Freitag der Nachrichtenagentur dapd. Wenn Investmentbanking-Chef Anshu Jain und Deutschlandchef Jürgen Fitschen die Deutsche Bank künftig gemeinsam führten, würde die DSW das begrüßen.
Medienberichten zufolge tagt am Sonntag (10. Juli) der Nominierungsausschuss des Aufsichtsrats der Deutschen Bank, in dem Aufsichtsratschef Clemens Börsig, das Aufsichtsratsmitglied der Robert Bosch GmbH, Tilman Todenhöfer, und Ex-Bayer-Chef Werner Wenning sitzen. Das Gremium könnte den Berichten zufolge über die Nachfolge Ackermanns entscheiden.
Aus Kreisen der Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat hieß es am Freitag, es gebe unter den Arbeitnehmervertretern keine Abstimmung und keine Absprache über eine mögliche Neubesetzung des Vorstands. Es werde aber "sehr zeitnah" mit einem Vorschlag des Nominierungsausschusses gerechnet.
In Frankfurter Finanzkreisen hieß es unterdessen, dass eine Sitzung des Ausschusses kein Anlass für eine offizielle Mitteilung sei. Zuvor müsse sich der Aufsichtsrat der Deutschen Bank mit dem Thema befassen. Die nächste reguläre Sitzung sei erst für Ende Juli terminiert. Die Deutsche Bank wollte die Informationen nicht kommentieren.
DSW-Mann Hocker sagte, die Deutsche Bank habe lange und gute Erfahrungen mit Doppelspitzen. Jain stehe für den weitaus größten Ertragsbringer der Bank, das Investmentbanking. Außerdem habe er Rückhalt bei einer der größten Aktionärsgruppen, nämlich anderen Investmentbanken, die 20 Prozent an der Deutschen Bank halten. Aber der 48-jährige Inder, der von London aus arbeitet, spricht kein Deutsch und ist in Deutschland nicht vernetzt.
Der Vorstandschef der größten Bank des Landes mit Sitz in Frankfurt "muss aber ein Netzwerk haben zur Regierung, zur BaFin, zu den Gewerkschaften. Und wenn er vor die Mitarbeiter der Postbank tritt, muss er Deutsch sprechen", sagte Hocker. "Ansonsten spricht alles für ihn. Aber Jain allein wäre schwierig - zumindest jetzt."
Als Partner an der Spitze wäre Deutschlandchef "Fitschen sicher der Geeignetste. Aber mit 62 Jahren könnte er höchstens eine Übergangslösung sein", sagte Hocker. "Daneben gibt es viele Kandidaten mit mäßigen Aussichten."
Bedauerlich sei, dass der frühere Bundesbankpräsident Axel Weber abgesprungen sei. In die Medien getragene Kommentare aus dem Aufsichtsrat und der Bank erschwerten die Nachfolgesuche, sagte der Aktionärsschützer und nahm Aufsichtsratschef Börsig in Schutz. "Die Kritik an Börsig würde ich nicht unterschreiben", sagte Hocker. "Man kann die Nachfolgediskussion nicht auf dem Marktplatz stattfinden lassen. Sie muss in der Bank und im Nominierungsausschuss stattfinden." Ob schon am Sonntag eine Lösung präsentiert werde, sei Spekulation, denn der gesamte Aufsichtsrat müsse beteiligt werden.
Einen Wechsel Ackermanns auf den Aufsichtsratsvorsitz verhindere "ein unsinniges Gesetz, das eine zweijährige Abkühlzeit vorschreibt", kritisierte Hocker. Eine Ausnahme wäre möglich, wenn 25 Prozent der Aktionäre ihn dafür vorschlagen. Die DSW würde das unterstützen. Dass Ackermann unter einem Aufsichtsratschef Börsig in das Kontrollgremium gehe, halte er für undenkbar. Vielleicht könne die Bank Ackermann auch als Berater gewinnen.
dapd
