Interview „Drohnen haben teilweise ein Image-Problem“

Seit Anfang des Jahres gelten EU-weit einheitliche Regelungen für Drohnen. Für Handwerksbetriebe schafft das mehr Planungssicherheit, sagt Jan-Eric Putze, Geschäftsführer der Droniq GmbH. Im DHZ-Interview spricht er über vereinfachte Genehmigungsverfahren, Einsatzmöglichkeiten im Handwerk und erklärt, warum Politik und Gesellschaft oftmals ein falsches Bild von Drohnen haben.

Max Frehner

Mit einem Multicopter, wie Drohnen eigentlich heißen, kann die Inspektion von Bauwerken stark beschleunigt werden. – © escapejaja – stock.adobe.com

DHZ: Wer mit dem Gedanken spielt, eine Drohne gewerblich zu nutzen, sieht sich erst einmal mit zahlreichen Regularien konfrontiert. Zum Jahreswechsel ist eine EU-Verordnung in Kraft getreten, die den Betrieb europaweit neu regeln soll. Wird es noch bürokratischer?

Jan-Eric Putze: Die Europäische Drohnenregulierungen bietet ein starkes Fundament, um Drohnen in den Luftraum zu integrieren. Für den kommerziellen Nutzer schafft sie mehr Klarheit. Der Einsatz von Drohnen im Unternehmen wird dadurch planbarer. Eine potentielle Erleichterung wird sicherlich die Möglichkeit einer dauerhaften Betriebsgenehmigung für konkrete Einsatz-Szenarien sein. Unternehmen können künftig ein Betreiberzeugnis für leichte unbemannte Luftfahrzeuge, sogenannte Light UAS, beantragen und sich so Genehmigungsverfahren für jeden einzelnen Flug ersparen. Allerdings ist noch nicht alles in nationales Recht umgesetzt. Hier ist die hiesige Politik gefordert, Fingerspitzengefühl zu zeigen. Denn: Ein zu hohes Maß an Komplexität und national geschaffener Regelungen kann jedoch dafür sorgen, dass Deutschland seine Position als einer der führenden internationalen Drohnenmärkte verliert.

DHZ: Für welche Art von Flügen benötige ich eine Betriebsgenehmigung?

Putze: Wenn ich an Anwendungsszenarien im Handwerk denke, dürften für die meisten Flüge Ausnahmegenehmigungen erforderlich sein. Das ist immer dann der Fall, wenn ein Verbotstatbestand berührt wird, also beispielsweise bei Flügen höher als 120 Meter, über einer Autobahn, über Gebäude oder Menschen. Ist ein solcher Anwendungsfall geplant, muss eine sogenannte SORA (Specific Operational Risk Assessment; Anm. d. Red.) angefertigt werden. Darin beschreibt ein Unternehmen die Verfahren und Prozesse, wie es mit dem Risiko umgeht. Normalerweise muss diese Erlaubnis jedes Mal aufs Neue eingeholt werden. Eine unbegrenzt gültige Betriebsgenehmigung, ein sogenanntes LUC-Zeugnis, kann juristische Personen davon befreien. Die Verfahren und Prozesse müssen nur noch einmal genehmigt werden – der Betrieb darf anschließend in genau diesem Umfeld tätig werden. Allerdings müssen recht aufwändige Handbücher erstellt und aktuell gehalten werden.

DHZ: Welche Arbeiten im Handwerk könnten durch den Einsatz von Drohnen erleichtert oder effizienter gestaltet werden?

Putze: Ich denke zum Beispiel an Bauwerksinspektionen durch Dachdecker. Mit einer Drohne kann ich an einem Tag relativ viele Dächer begutachten, ohne sie dafür betreten zu müssen. Das spart viel Zeit. Grundsätzlich sind die Anwendungsfelder vielfältig, weil auch die Drohne mit verschiedensten Systemen ausgestattet werden kann. Von der Infrarot- oder Wärmebildkamera hin zu Sonar- und Ultraschallsensoren. Es können effizient Daten gesammelt und ausgewertet werden.

EU-Drohnenverordnung – was ändert sich?

Wesentliche Änderungen im Überblick:

  • Unbemannte Fluggeräte (UAS) werden in drei unterschiedliche Betriebskategorien eingeteilt: Offen, Speziell und Zulassungspflichtig
  • Die offene Kategorie wird in die Unterkategorien A1, A2 und A3 unterteilt
  • Die zulässige maximale Flughöhe wird von 100 auf 120 Meter angehoben
  • Einführung von zwei neuen Kompetenznachweisen (Klasse A1/A3 und A2) und dem Betreiberzeugnis (LUC-Zertifikat)
  • Anpassung der Gewichtsgrenzen
  • Registrierung der Fernpiloten und Aussendung einer Identifizierung (Electronic-ID), je nach Klasse

Ein FAQ zum Betrieb von UAS ab dem 31. Dezember 2020 hat das Luftfahrt-Bundesamt auf dieser Seite zusammengestellt.

DHZ: Wo lauern rechtliche Fallstricke?

Putze: Wir bewegen uns bei diesen Szenarien meist in Bereichen, in denen auch Menschen unterwegs sind. Wichtig ist bei Foto- oder Videoaufnahmen, dass das Recht am eigenen Bild gewahrt wird. Es sollten keine Rückschlüsse auf einzelne Personen oder auch Kennzeichen von Fahrzeugen möglich sein. Zumindest dann nicht, wenn ich vorhabe, die Aufnahmen zu veröffentlichen. Grundsätzlich darf das Material nur für den vorgesehenen Verwendungszweck genutzt werden, also beispielsweise zur Inspektion eines Daches oder Bauwerks. Wenn das erledigt ist, sind die Daten zu vernichten. Bei Flügen über Gebäude sollte außerdem sichergestellt sein, dass die Eigentümer damit einverstanden sind. Ich rate Betrieben entsprechende Schulungsangebote anzunehmen, um rechtlichen Schwierigkeiten vorzubeugen.

DHZ: Viele Menschen verbinden Drohnen noch immer mit Gedanken an Spionage und Überwachung. Scheitert ein umfassenderer Einsatz von Drohnen im kommerziellen Bereich aktuell auch an Vorbehalten der Bevölkerung und Politik?

Putze: Drohnen haben teilweise ein Image-Problem, weil sie von den meisten Menschen nur schwer eingeschätzt werden können. In unseren Gesprächen stellen wir immer wieder fest, dass das Wissen über die Vorzüge nur wenig verbreitet ist. In der Regel ändert sich die Einstellung der Menschen schnell, sobald ihnen bewusst wird, was mit diesem Werkzeug eigentlich alles möglich ist. Drohnen sind nicht dazu da, um die Menschen auszuspionieren. Im kommerziellen Umfeld können sie helfen. Und damit meine ich nicht die Drohne, die Pizzen oder Pakete ausliefert. Es müssen Anwendungsfelder aufgezeigt werden, die die Bevölkerung nachvollziehen kann und in denen sie einen Mehrwert erkennen kann. Handwerksbetriebe können hier eine wichtige Rolle einnehmen. Wenn sie ihren Kunden vermitteln, dass Reparaturen durch den Einsatz von Drohnen besser, schneller und günstiger werden, schafft das Akzeptanz. Auch in der Politik. Die stellt Drohnen aktuell noch schlechter als die bemannte Luftfahrt, etwa was Flüge über Naturschutzgebiete betrifft. Das limitiert die Einsatzmöglichkeiten. Die Gefahr, die von Drohnen ausgeht, wird von vielen überschätzt.

DHZ: Wie trägt die Droniq GmbH dazu bei, den Einsatz von Drohnen sicherer zu gestalten?

Putze: Die Droniq-Technologie kann Drohnen erstmals für das Radar sichtbar machen. Das spielt vor allem dann eine Rolle, wenn die Drohne außerhalb des eigenen Sichtfelds geflogen wird. Droht eine Kollision mit anderen Flugobjekten, etwa einem Rettungshubschrauber, werden die Piloten gewarnt. Wir schaffen so die Voraussetzung, um Drohnen als regulären Verkehrsteilnehmer in den Flugraum zu integrieren. Daneben bieten wir auch Workshops an, etwa zur Erstellung von Risikobewertungen oder zum sicheren Einsatz von Drohnen im kommerziellen Umfeld.

Jan-Eric Putze, Geschäftsführer der Droniq GmbH, ist Bankfachwirt, Verkehrspilot und Fluglehrer. Die Droniq GmbH ist ein 2019 gegründetes Joint Venture der Deutschen Flugsicherung und der Telekom. Ziel des Unternehmens ist es, Drohnen in den regulären Flugverkehr zu integrieren. Zu den Kunden zählen Unternehmen aus den Bereichen Chemie, Bau und Energieversorgung.