Energiepolitik und Demokratie Schwerpunkte am dritten Tag Dresdner Kirchentag mischt sich in die Politik ein

Der Evangelische Kirchentag in Dresden mischt sich weiter kräftig in die Politik ein. Am dritten Tag ging es vor allem um die Folgen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, Grenzen der Demokratie und die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Starken Zuspruch fanden auch Bibelarbeiten und Konzerte, die Zehntausende Menschen anzogen.

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Dresdner Kirchentag mischt sich in die Politik ein

Dresden (dapd). Der Evangelische Kirchentag in Dresden mischt sich weiter kräftig in die Politik ein. Am dritten Tag ging es vor allem um die Folgen der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima, Grenzen der Demokratie und die Auslandseinsätze der Bundeswehr. Starken Zuspruch fanden auch Bibelarbeiten und Konzerte, die Zehntausende Menschen anzogen.

Der CDU-Politiker Heiner Geißler würdigte die von der Bundesregierung geplante Energiewende als historische Leistung. Sie sei "etwas vom Besten, was wir in den vergangenen politischen Jahrzehnten gemacht haben", sagte Geißler am Freitag. Der Ausstieg aus der Atomenergie sei der richtige Weg.

SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier bezeichnete wegen des Ausstiegs aus der Atomenergie eine weitere Nutzung von fossilen Energieträgern als notwendig. "Man kann nicht beides gleichzeitig haben, den sehr schnellen Ausstieg aus der Atomkraft und auch den Verzicht auf sämtliche Fossile." Steinmeier meldete zugleich Bedenken daran an, dass der Ausstieg "zum Ende hin gestaucht" werden solle. Das halte er im Vergleich zum rot-grünen Atomkompromiss nicht für die bessere Lösung.

Der Kirchentag forderte gemeinsam mit der Umwelt-Allianz die Bundesregierung mit einer symbolischen Aktion zu einem schnellen Atomausstieg "ohne Hintertürchen" bis spätestens 2017 auf. Dazu packten Aktivisten in eine große Kiste mehrere kleine Pakete, die erneuerbare Energien wie Wind und Sonne darstellen sollten. Zuvor hatten die Teilnehmer "Merkels Energiepaket" aufgeschnürt und Kohle- und Atom-Pakete entfernt.

Auslandseinsätze und Friedensethik

Thema der Diskussionen auf dem Kirchentag war auch die Demokratie. Geißler warb dabei erneut für Transparenz. Wenn einige wenige Politiker und Manager hinter verschlossenen Türen über Großprojekte wie das Bauvorhaben "Stuttgart 21" berieten, schüre dies das Misstrauen in der Bevölkerung, betonte Geißler, der im vergangenen Herbst als Schlichter zwischen Befürwortern und Gegnern des Projekts aufgetreten war. Bei umfassender Information der Menschen sei die Gefahr des Populismus' am besten gebannt.

Diskutiert wurde auf zahlreichen Veranstaltungen auch die Rolle der Bundeswehr bei Auslandseinsätzen und die Vereinbarkeit mit der christlichen Friedensethik. Der SPD-Politiker Reinhard Höppner kritisierte die Kampfeinsätze und erklärte, "jeder Getötete bringt einen neuen Terroristen hervor". Diejenigen, die Krieg führten, verstünden die Kultur der Menschen in Afghanistan nicht, sagte der frühere Regierungschef von Sachsen-Anhalt. Auch in Libyen gebäre Krieg neuen Krieg.

Kritik an politischer Prägung

Zu dem Thema wollten am Abend auch Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) und der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Nikolaus Schneider, sprechen. Schneider hatte sich zuletzt kritisch zum geplanten Umbau der Bundeswehr geäußert. De Maizière hatte am Rande des Kirchentags erklärt, am Einsatz in Afghanistan festhalten zu wollen.

Der Münchner Religionsphilosoph Hans Otto Seitschek kritisierte die starke politische Gewichtung in Dresden. "Es wäre besser für die Kirche, bei dieser Großveranstaltung mehr auf den Glauben als auf politische Themen zu setzen", sagte er. Der Kirchentag befasse sich vorrangig mit politischen Themen. Eine tiefere Bindung zur Kirche oder gar die Entdeckung des Glaubens habe dies in der Regel nicht zur Folge. Der Kirchentag gebe auch kaum Antworten auf drängende Fragen, sondern diene als Diskussionsforum.

Auf große Resonanz stießen aber auch die zahlreichen Kulturveranstaltungen. Allein das Konzert der Kölner A-capella-Band "Wise Guys" lockte am Donnerstagabend insgesamt rund 30.000 Kirchentagsbesucher an. Kirchentagspräsidentin Katrin Göring-Eckhardt sagte, es gebe zudem ein enormes Interesse an Bibelarbeit. Erstmals veranstaltet wurde nach ihren Angaben eine "Online-Bibelarbeit", die auch per Internet verfolgt werden konnte. Erneut mussten zahlreiche Veranstaltungen wegen Überfüllung geschlossen werden. Man habe bei der Planung nicht mit dieser großen Zahl von Teilnehmern gerechnet, hieß es.

Am Samstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf dem Kirchentag erwartet. Das Laientreffen mit rund 120.000 Dauerteilnehmern geht am Sonntag mit einem großen Gottesdienst an der Elbe zu Ende.

dapd