Doppelernte bringt zusätzliche Flächen für die Stromerzeugung

Prof. Dr. Adolf Goetzberger, der Gründer des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg, hat schon 1981 auf die Möglichkeiten einer gemeinsamen Nutzung von landwirtschaftlichen Flächen für den Anbau von Nahungsmitteln und zur Gewinnung von Sonnenenergie hingewiesen. Ulrich Steudel hat den Wissenschaftler dazu befragt.

Prof. Dr. Adolf Goetzberger. Foto: Eurosolar

Doppelernte bringt zusätzliche Flächen für die Stromerzeugung

DHZ: Können Sie die Befürchtungen, dass durch die Erzeugung regenerativer Energie die Nahrungsmittelproduktion beeinträchtigt werden könnte, nachvollziehen?

Goetzberger: Durch die bisherige landwirtschaftliche Erzeugung von Biomasse wird die Lebensmittelproduktion noch nicht nennenswert beeinträchtigt. Sollte sie aber weiter ausgeweitet werden, können Konflikte auftreten. Durch das vorgeschlagene Projekt Doppelernte kann jedoch elektrische Energie gleichzeitig mit Lebensmittel- oder Energiepflanzen erzeugt werden, das heißt ohne Flächeneinbuße. Dazu ist noch zu bemerken, dass Photovoltaik (PV) pro Fläche etwa den 20-fachen Energieertrag bringt als Biomasse. Allerdings hat Biomasse den großen Vorteil, speicherbar zu sein, was Elektrizität nicht ist.

DHZ: Werden Solarfelder, bei denen die Module über landwirtschaftlich nutzbaren Flächen aufgeständert werden, in Zukunft bei der Stromerzeugung eine nennenswerte Rolle spielen?

Goetzberger: Ob Solarfelder mit gleichzeitiger Nutzung von PV und Landwirtschaft eine großes Potential haben, werden unsere jetzt laufenden Arbeiten ergeben. Auf jeden Fall werden auf diese Weise zusätzliche Flächen für die Stromerzeugung verfügbar. Das ist insbesondere von Bedeutung in der jetzigen Situation, wo landwirtschaftlich genutzte Flächen von der Einspeisevergütung ausgenommen sind.

DHZ: Der Anteil der Photovoltaik an der regenerativ erzeugten Energie ist in Deutschland eher gering. Wo sehen Sie die größten Potenziale, diesen Anteil zu erhöhen?

Goetzberger: Es ist richtig, PV trägt zurzeit nur drei Prozent zur Stromerzeugung bei. Aber vor einem Jahr waren es nur zwei Prozent und vorher nur ein Prozent. Die Gegner der erneuerbaren Energien haben uns immer vorgehalten: PV trägt nur sehr wenig bei und kostet so viel. Dabei wird übersehen, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt, der Anteil wächst laufend und im Gegensatz zum konventionell erzeugten Strom sinken die Kosten laufend.