Doping für den Job Immer mehr Arbeitnehmer nehmen Aufputschmittel

Psychopharmaka, Amphetamine und andere Medikamente zur Leistungssteigerung bei der Arbeit kommen immer häufiger zum Einsatz. Eine Studie zeigt, dass die Fehltage am Arbeitsplatz wegen körperlicher Erkrankungen zwar sinken, Krankschreibungen als Folge von Suchtmittel-Missbrauch dagegen ansteigen. Was Arbeitgeber tun können.

Vor allem jüngere Arbeitnehmer putschen sich im Job zunehmend mit leistungssteigernden Mitteln auf. Sie glauben, damit Stress besser bewältigen zu können. - © Foto: nikesidoroff/Fotolia

Wer wegen Suchtmittelmissbrauch krankgeschrieben ist, bleibt im Schnitt dreimal so lange von der Arbeit fern wie Arbeitnehmer, die wegen körperlicher Erkrankungen krankgeschrieben sind. Während die Zahl der Krankschreibungen insgesamt sinkt, steigen allerdings die Fehltage der deutschen Arbeitnehmer wegen den Folgen von Suchtmittel-Missbrauch. Das geht aus dem "Fehlzeiten-Report 2013" hervor, den das Wissenschaftliche Institut der AOK am Donnerstag in Berlin veröffentlichte.

Demnach verursachten die meisten Fehltage durch Süchte zwar nach wie vor die traditionellen Suchtmittel: Alkohol und Tabak. Aber vor allem das Gehirndoping durch leistungssteigernde Mittel kommt im Job immer mehr in Mode – vor allem bei jüngeren Beschäftigten.

Unterschätztes Suchtpotenzial

Um berufliche Stresssituationen zu bewältigen, haben nach der AOK-Studie immerhin schon fünf Prozent der versicherten Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten Medikamente zur Leistungssteigerung bei der Arbeit eingenommen – etwa Psychopharmaka oder Amphetamine. Bei den unter 30-Jährigen traf dies auf jeden Zwölften zu. Es gibt aber vermutlich eine hohe Dunkelziffer.

Die Fehltage aus diesem Missbrauch sind – mit zuletzt 30.000 – zwar noch überschaubar, sie haben sich aber seit 2002 fast vervierfacht. Und das Suchtpotenzial sowie die körperlichen und psychischen Folgeschäden dieser Stimulanzien würden vor allem von Jüngeren unterschätzt, warnen die Autoren der Studie.

Doch die Sucht ruiniert nicht nur die Gesundheit der Betroffenen, sondern hat auch massive Folgen für die Wirtschaft. "Allein die Kosten von Alkohol- und Tabaksucht belasten die deutsche Wirtschaft jährlich mit etwa 60,25 Milliarden Euro", sagte der Vorstand des AOK-Bundesverbands, Uwe Deh. Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage nach Suchtmittel-Konsum stieg nach seinen Worten in den letzten zehn Jahren um rund 17 Prozent: Von 2,07 Millionen Fehltagen 2002 auf 2,42 Millionen Fehltage 2012.

Arbeitgeber haben Pflichten

Alkoholkonsum und Rauchen sind dabei die Hauptursachen. Laut Report haben 5,3 Prozent der befragten Beschäftigten eingeräumt, in der letzten Woche täglich Alkohol getrunken zu haben. Der regelmäßige Alkohohlkonsum nahm dabei mit steigendem Bildungsstand zu. Durch solche 'Gewöhungsrituale' steige auch das Suchtrisiko, warnen die Experten. Regelmäßig zum Glimmstängel greifen 32,8 Prozent.

Problematisch kann es jedoch auch werden, wenn eine Sucht Auswirkungen auf das Arbeitsleben hat. Dann müssen Arbeitgeber eingreifen, denn hach der Unfallverhütungsvorschrift "Grundsätze der Prävention" sind Arbeitgeber nach dem § 7 dazu verpflichtet, auf die Arbeitssicherheit im Betriebe und damit darauf zu achten, dass Personen, die erkennbar nicht in der Lage sind, Arbeitsaufgaben ohne Gefahr für sich oder andere auszuführen, davon ferngehalten werden. Wenn Arbeitgeber den Verdacht haben, dass ein Mitarbeiter oder Lehrling zu viel trinkt, Drogen oder Aufputschmittel nimmt, muss er prüfen, ob der Betroffene die Arbeit noch ohne Gefährdung für andere ausführen kann. dhz/dpa

Welche Pflichten und Handlungsmöglichkeiten weiterhin bestehen, lesen Sie in einer Zusammenstellung zum Thema. >>>