Gastkommentar Ein Monat Donald Trump: Erste Erkenntnisse für die Geldanlage

Mit dem Amtsantritt von Donald Trump hat eine neue wirtschaftspolitische Ära begonnen. Seine "America First"-Strategie, die geplanten Steuererleichterungen und die Deregulierungsmaßnahmen könnten tiefgreifende Auswirkungen auf verschiedene Anlageklassen haben. Wo bieten sich neue Chancen, und welche Anlagen sollten kritisch hinterfragt werden? Ein Gastkommentar von Vermögensmanager Markus Lautenschlager.

Seit einem Monat sitzt Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten im Oval Office. Und vom ersten Tag an wird er nicht müde, ein Dekret nach dem anderen zu unterzeichnen. - © picture alliance / Consolidated News Photos | Samuel Corum - Pool via CNP

Historisch gesehen haben bei Trumps erster Amtszeit vor allem Aktien von seinen wirtschaftsfreundlichen Maßnahmen profitiert. Auch in seiner zweiten Amtszeit will Trump Steuern senken und die Bürokratie abbauen. Er hat massive Investitionen in die US-Infrastruktur versprochen. Davon könnten vor allem Unternehmen und somit Aktien aus dem Bereich Bau, Maschinenbau und Baustoffe profitieren. Aber auch die Lockerung von Vorschriften und Deregulierung könnten vor allem Titel von Banken und Finanzdienstleister stärken. Außerdem möchte er die heimische Energiewirtschaft stützen und setzt auf fossile Energieträger wie Kohle, Gas und Öl. Durch die gelockerten Umweltauflagen könnte die Energiebranche Vorteile erhalten.

Verlierer der Trump-Politik

Gegenwind könnte vor allem den Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien blühen. Der Austritt aus internationalen Klimaverträgen zeigt ganz deutlich die Richtung, in die Amerika unter einem Präsidenten Trump gehen wird. Letztlich könnte auch die Abschaffung der allgemeinen Krankenversicherungspflicht (Obamacare) negative Auswirkungen auf Unternehmen der Pharmabranche haben, die von der bisherigen Regelung profitieren konnten. Übergreifend glauben nun viele Investoren, dass die politische Einflussnahme Donald Trumps vor allem amerikanische Aktien antreiben wird und so flossen nach dem Wahlsieg große Anlagesummen in den amerikanischen Aktienmarkt.

Small-Caps und europäische Titel mit Potential

Wir bei der BV & P Vermögen AG teilen diese Aktienstrategie nur bedingt. Natürlich kommt man an den großen US-Unternehmen bei einer breit und global gestreuten Anlagestrategie nicht vorbei, auch wenn die Bewertung von US-Aktien mittlerweile als teuer gilt. Dennoch glauben wir, dass in den USA vor allem kleinere Unternehmen, die sogenannten Small-Caps, aber auch defensivere Aktien aus dem Bereich der Valuewerte durchaus Aufholpotential haben.

Deshalb setzen wir bei US-Aktien im Rahmen einer globalen Aktienstrategie nicht nur auf den S&P 500, sondern mischen ETFs aus den beschriebenen Bereichen bei. Auch wenn in den letzten Monaten auf europäische Aktien nur noch wenige Investoren gesetzt haben und mögliche Zollerhebungen Trumps als weitere Belastung im Raum stehen, sehen wir hier durchaus Opportunitäten. Die Bewertung von europäischen Aktien ist im Vergleich eher günstig und eine Stabilisierung der europäischen Wirtschaft in Verbindung mit unterstützenden Zinssenkungen der EZB könnte ein positiver Katalysator sein, um europäische Aktien positiv zu beeinflussen. Wir sehen hier eine gewisse Antizyklik, die von Anlegern durchaus genutzt werden könnte.

Generell führt an Aktien auch 2025 kein Weg vorbei, wenngleich die Schwankungsintensität zunehmen dürfte. Bei Rücksetzern sollte man jedoch Ruhe bewahren und zum Einstieg oder Nachkauf nutzen. Auch für Gold sehen wir als Portfoliobeimischungen Chancen. Da sich die geopolitischen Spannungen nicht gänzlich auflösen werden und die Notenbanken den Schwenk zu einer eher lockeren Geldpolitik weitergehen werden, gilt Gold auch weiterhin als Absicherung gegen politische Unsicherheiten.

Wie sich ein Ende des Ukrainekriegs auf den Aktienmarkt auswirken könnte

Dies wird auch eine mögliche Friedenslösung des Ukrainekriegs durch nun anstehende Verhandlungen zwischen den USA und Russland nicht ändern. Dennoch wäre dies ein Game-Changer, da Kapitalanlagen wie Aktien noch einmal befeuert werden würden. Sollte sich ein Ende des nun seit drei Jahren andauernden Konflikts zwischen der Ukraine und Russland abzeichnen, dürften vor allem europäische Unternehmen und deren Aktien profitieren. Rohstoffe aus dem Energiebereich könnten ihre Risikoprämie verlieren und somit für Unternehmen wieder günstiger werden. Erste Tendenzen sieht man an den Kapitalmärkten schon heute, da sich europäische Aktien im globalen Vergleich seit Jahresstart am besten entwickelten. Branchen wie Industriewerte, Grundstoffe und zyklische Werte führen dabei die Ranglisten an.

Neben Renditebringern wie Aktien und Gold sehen wir auch Anleihen als Portfoliobaustein, der ein Anlagedepot stabilisieren soll. Da sich das Thema Inflation und Zinspolitik nach wie vor als Unsicherheitsfaktor zeigt, sollte man Anleihen mit eher kürzerer Laufzeit wählen, um bei einem eventuellen Rückschlag bei der Inflationsbekämpfung keine zu großen Kursrückgänge erleiden zu müssen. Wir setzen hier auf globale Staats- und Unternehmensanleihen guter Bonität. Anleger sollten auch im Jahr 2025 von den Wachstumsaussichten der Weltwirtschaft profitieren können. Dennoch muss man aufgrund der vielen politischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten mit Rücksetzern rechnen. Dies sehen wir für langfristig orientierte Anleger nicht als Risiko, sondern als Chance durch flexible Anlagestrategien eine gute Depotrendite zu erreichen.

Beispiel für Anlagestrategie 2025

AnlageklasseAnlageregionIndex / Branchen
AktienUSARussell 2000 Index
MSCI US Value Index
EuropaStoxx Europe 600 Index
GlobalFinanzwerte, Industriewerte, Grundstoffwerte
RohstoffeGold
AnleihenEuropaBloomberg Euro Corporate 1-5 Jahre Index
EuropaIboxx Eurozone Government Bond 3-5 Jahre Index

Zum Autor: Markus Lautenschlager ist Senior Portfoliomanager bei der BV & P Vermögen AG in Kempten.