Tag des Deutschen Brotes Dittrich folgt auf Bär: Was der neue Brotbotschafter vorhat

Neuer Brotbotschafter für die Bäcker: Handwerkspräsident Jörg Dittrich übernimmt das Amt. Er will sich für die Betriebe starkmachen – und hat dabei vor allem ein Ärgernis im Visier.

Brotbotschafter Jörg Dittrich übte bereits vorab in der Bäckerei von Bäckerpräsident Roland Ermer. - © Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. / Kellermanns

Handwerkspräsident Jörg Dittrich ist neuer Brotbotschafter. Das gibt der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks am heutigen Tag des Deutschen Brotes (5. Mai) bekannt. Dittrich folgt auf die CSU-Politikerin Dorothee Bär und den SPD-Politiker Lars Klingbeil, der das Amt 2023 innehatte. Dittrich äußert Dankbarkeit für das Vertrauen der Bäcker: "Es motiviert mich, als Botschafter für ein so besonderes Handwerksprodukt wie Brot und deutsche Brotkultur, die sogar zum immateriellen Kulturerbe zählt, unterwegs sein zu dürfen." Der offizielle Amtsantritt findet am 6. Mai bei einer Abendveranstaltung in Berlin statt, teilt der Verband mit.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung

Dittrich betont den Stellenwert des Bäckerhandwerks. "Der Beruf des Bäckers ist so alt wie die Zivilisation selbst und hat bis heute eine immense gesellschaftliche Bedeutung", sagt Dittrich. Für viele Menschen gehöre der Einkauf beim Bäcker zum Alltag. Darüber hinaus sei das Bäckerhandwerk ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Dittrich erklärt: "Mit fast 9.000 Meisterbetrieben, einem Gesamtumsatz von 17,92 Milliarden Euro und 235.000 Beschäftigten ist es ein entscheidender Wirtschaftsfaktor Deutschlands." Die Betriebe sicherten Arbeitsplätze, auch bei Zulieferern, und bildeten jährlich über 10.000 junge Menschen aus, wodurch regionale Traditionen erhalten blieben.

Bürokratie als Belastung

Ein zentrales Anliegen Dittrichs ist der Abbau von Bürokratie. Das Bäckerhandwerk sei als energieintensives Gewerbe mit viel Kundenkontakt besonders betroffen. Die zahllosen Vorschriften kosteten unnötig Ressourcen. Dittrich fordert Vereinfachungen, etwa bei der Dokumentation von Kühlketten oder bei Allergenhinweisen, die nur auf Nachfrage verpflichtend sein sollten. Auch die Abschaffung der Bonpflicht und einheitliche Hygienevorgaben könnten Betriebe entlasten.

Er verweist auf die Arbeit der Arbeitsgemeinschaft der Fachverbände des Lebensmittelhandwerks, die 2024 eine zusätzliche Regionalkennzeichnung verhindert habe. Dittrich erwähnt zudem einen Praxischeck aus dem Jahr 2024, bei dem das Bundeswirtschaftsministerium, das Lebensmittelhandwerk und das Bundesland Sachsen bürokratische Belastungen identifiziert hätten. 2025 solle es darum gehen, die erarbeiteten Lösungsansätze umzusetzen.

Plädoyer für den Handwerksbäcker

Dittrich wirbt dafür, beim Handwerksbäcker einzukaufen. Er argumentiert mit besserem Geschmack durch traditionelle Rezepte und natürliche Zutaten. Die Produkte seien oft bekömmlicher durch lange Teigführungen und würden sorgfältig hergestellt. Zudem unterstütze der Einkauf beim Handwerksbäcker die lokale Wirtschaft. Anders als in Backshops oder bei industriellen Großbäckereien gebe es bei Handwerksbäckern persönliche Beratung, so Dittrich.

Ermer und Dittrich zum Tag des Brotes 2025
Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, und Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, werden nun noch enger zusammenarbeiten. - © Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks e.V. / Kellermanns

Nachwuchsmangel begegnen

Wie viele Branchen leide auch das Bäckerhandwerk unter Fachkräfte- und Nachwuchsmangel, stellt Dittrich fest. Er fordert, die Begeisterung für handwerkliche Berufe bereits in der Schule zu fördern, etwa durch Praktika und eine Berufsorientierung, die Handwerksberufe auch an Gymnasien vorstellt. Jugendliche müssten erfahren, wie vielfältig und zukunftsgewandt das Handwerk sei. "Und nirgendwo kann man so schnell sein eigener Chef oder seine eigene Chefin werden wie im Handwerk", betont Dittrich. Es biete gute Karrierechancen. Die Arbeit als Bäcker habe eine greifbare Bedeutung, da man Menschen mit Lebensmitteln versorge.

Verband fordert politische Unterstützung

Roland Ermer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Bäckerhandwerks, bezeichnet die Zeiten als herausfordernd. Die Zusammenarbeit mit Handwerkspräsident Dittrich sei ein bedeutender Schritt. "Gemeinsam kämpfen wir für den Mittelstand", betont Ermer. Er erklärt, der Zeitpunkt kurz vor dem Arbeitsbeginn der neuen Bundesregierung sei passend, um geschlossene Forderungen an die Politik zu richten. Dazu zählten weniger Bürokratie und Steuern, niedrigere Energiekosten, Versorgungssicherheit und eine Reform der sozialen Sicherungssysteme.

Hintergrund: Brotbotschafter und Tag des Brotes

Der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks ernennt traditionell zum Tag des Deutschen Brotes am 5. Mai eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens zum Brotbotschafter. Diese Person repräsentiert das Bäckerhandwerk für ein Jahr ehrenamtlich, soll die Bedeutung des Brotes hervorheben und auf die Anliegen der Betriebe aufmerksam machen, informiert der Verband. fre