Schlechte Noten für die Banken: Die Dispozinsen für das Überziehen eines Girokontos sind laut Stiftung Warentest häufig noch immer viel zu hoch. Es herrsche mangelnde Transparenz - Appelle von Politik und Bankenverband würden ignoriert.
Stiftung Warentest hat bei der Ermittlung der Zinssätze von 1.472 Banken Zinsen für Kontoüberziehungen von bis zu 16 Prozent festgestellt. Viele Banken hüten die Höhe der Sätze zudem wie ein Staatsgeheimnis, so die Verbraucherorganisation. Weder in den Filialen noch auf den Internetseiten der Geldinstitute würden die genauen Höhen der Dispozinsen veröffentlicht.
Von allen befragten Banken antworteten überhaupt nur 424 auf die Anfrage. Wenn auf den Webseiten der sonstigen Banken keine Angaben zu der Höhe der Zinsen zu finden war, schickte Stiftung Warentest Tester in die Filialen der Banken. Bei knapp 60 davon waren die Angaben unvollständig. Die Höhe sei für Verbraucher nicht erkennbar, wenn etwa von "Referenzzins + 11 Prozent" oder "Bonitätsabhängig: max. 12,95 Prozent" die Rede sei.
Große Unterschiede zwischen Banken
Auch wenn ein günstiger Dispozinssatz für ein teures Premiumkonto angegeben wird, sind die Konditionen unklar. Nach Ansicht von Finanztest verstoßen die Banken damit gegen die Preisangabenverordnung .
Wie in den Vorjahren wurde auch dieses Jahr die Deutsche Skatbank Testsieger. Sie verlangte 4,49 Prozent Dispozins für ein online geführtes Konto. Am Ende der Tabelle steht die Raiffeisenbank Trostberg-Traunreut mit einem Zinssatz von 16 Prozent, der allerdings abhängig von der Bonität der Kunden ist.
Insgesamt sei festzustellen, dass die Dispozinsen im Schnitt gegenüber 2014 um 0,4 Prozent gesunken sind. Damit liegt der durchschnittliche Dispozins bei 10,25 Prozent. Jeder Prozentpunkt spült pro Jahr 345 Millionen Euro in die Kassen der Banken.
Pro und Kontra Höchstsatz
Der Bundesverband der Verbraucherzentralen fordert eine Deckelung des Dispozinses. Die Stiftung Warentest hingegen vertritt den Standpunkt, dass ein Höchstwert den Dispozins seiner Funktion als "einfacher und sofort erfassbarer Vergleichsmaßstab" berauben würde. Banken würden dann vermutlich den gerade noch zulässigen Zinssatz nehmen. Zudem würde die Gefahr steigen, dass die verringerten Dispo-Einnahmen mit höheren Kontoführungsgebühren ausgeglichen werden würden.
Die Ergebnisse des Tests sind auf der Webseite der Stiftung Warentest abrufbar. dhz
