Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert: Der traditionelle Spruch trifft hierzulande die Haltung vieler Bürger. Kein Wunder, dass eine mögliche Abschaffung der Ein- und Zwei-Cent-Münzen für reichlich Gesprächsstoff und Diskussion in der EU sorgt. Allerdings stoßen die Abschaffungspläne nicht in der gesamten Eurogruppe auf Zustimmung.

Zu teuer und zu unpraktisch. So das Resümee der EU-Kommission über die kleinsten Münzeinheiten im Euroraum. Eine baldige Abschaffung ist schon bald vorstellbar. "Vier mögliche Szenarien sind denkbar, von einer Beibehaltung der derzeitigen Stückelung bis hin zur Abschaffung der Münzen“, so der Bericht der zuständigen EU-Behörde in Brüssel.
Das alles kann man sich in Brüssel vorstellen:- Alles bleibt beim Alten
- Kostenreduzierung durch Veränderung der Materialzusammensetzung
- Nach und nach verschwinden die Cent-Stücke
- Schneller Ausstieg aus dem kleinen Cent
In Deutschland ist man derzeit gegen eine Abschaffung. Bundesbankpräsident Jens Weidmann spricht sich in der "Bild am Sonntag“ klar gegen die Pläne der EU aus: "In der deutschen Bevölkerung besteht der Wunsch, an den Kleinmünzen festzuhalten. Ich persönlich kann mich dem nur anschließen.“
Mit seiner Meinung steht Weidmann nicht alleine dar. Denn auch Hilfsorganisationen wie das Deutsche Kinderhilfswerk sind gegen die Abschaffung von Ein- und Zwei-Cent-Münzen. Sie fürchten um einen großen Teil ihrer Einnahmen aus Spendendosen. Vor einer endgültigen Entscheidung fordern Verbraucherschützer eine genaue Untersuchung der Folgen eines solchen Schritts.
Produktion ist Verlustgeschäft
Doch was ist der Auslöser der Diskussion? Grund dafür ist die Produktion bei steigenden Rohstoffpreisen. Laut dem Bericht sei das ein Verlustgeschäft. Die Produktion ist teurer als der Nennwert der Cent- Münzen. "Seit der Einführung des Euro-Bargeldes im Jahr 2002 belaufe sich diese Differenz auf rund 1,4 Milliarden Euro“, schreibt die EU-Kommission.
Nun werde man mit den Mitgliedsstaaten und Interessenvertretern über die Münzfrage diskutieren. "Wir werden sehen, ob sich eine eindeutige Präferenz ergibt, auf der wir einen Gesetzesvorschlag begründen können“, sagt EU-Währungskommissar Olli Rehn, ohne eine Frist zu nennen. Über eine mögliche Abschaffung müssen letztlich die EU-Regierungen entscheiden. Bislang galt ein solcher Schritt als unwahrscheinlich.
Die Frage nach dem Nutzen von Kleinmünzen ist ein Dauerbrenner und taucht seit der Einführung des Euro-Bargeldes immer wieder auf. Das Europaparlament und die Mitgliedsstaaten hatten die EU-Kommission aufgefordert, Kosten, Nutzen und öffentliche Akzeptanz der beiden kleinsten Euro-Geldstücke zu untersuchen.
Zuletzt hatte die Europäische Zentralbank (EZB) auch die Zukunft des 500-Euro-Scheins infrage gestellt. Der violette Geldschein steht im Ruf, vor allem von Steuerhinterziehern und Kriminellen benutzt zu werden.
Ohne Cent-Stücke Kostenanstieg
Der Verbraucherschutz (vzbv) warnt nicht nur vor dem Verschwinden der Spendendose, sondern auch vor einem verdeckten Preisanstieg infolge des Verschwindens der Cent-Stücke. Laut Ansicht der Institution würden mit dem Verschwinden die Preise aufgerundet werden. Darüber hinaus würde es zu einer Abkehr von "x,99-Preisen“ kommen.
Ob die Abschaffung der Cent-Stücke letztendlich durchgeführt wird, lässt sich derzeit noch nicht sagen. Sprichwörter wird es zwar immer geben, doch das Klimpern in Spardosen würde irgendwann ganz verschwunden sein. dpa/cle