Studie Diskriminierungsverbote belasten Wirtschaft nur gering

Die vor zwei Jahren eingeführten Diskriminierungsverbote haben deutsche Unternehmen laut einer Studie nicht die von der Wirtschaft angeführten Milliardenbeträge gekostet.

Diskriminierungsverbote belasten Wirtschaft nur gering

Eine von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes in Berlin vorgelegte Untersuchung kommt zu dem Schluss, "dass nur etwa 26 Millionen Euro an direkten Kosten hochgerechnet werden können". Im vergangenen Jahr war eine Studie der arbeitgebernahen Initiative neue soziale Marktwirtschaft (INSM) zu dem Ergebnis gekommen, dass durch die Einführung des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG) Kosten in Höhe von rund 1,73 Milliarden Euro entstanden seien.

Die Verfasser der neuen Studie übten scharfe Kritik an der INSM-Untersuchung. Die Studie von Arbeitgeberseite sei zum Teil "wissenschaftlich unsauber" und enthalte "eklatante Fehler", sagte Heinrich Wilms, Vorsitzender der wissenschaftlichen Kommission der Bundesstelle. Er betonte, dass die von der INSM vorgelegten Zahlen "bloße Schätzungen" seien. Allerdings seien auch die in der neuen Studie ermittelten 26 Millionen Euro "eine Schätzzahl".

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle, Martina Köppen, kündigte Gespräche mit den vier Spitzenverbänden der Wirtschaft nach der Sommerpause an. Die Zahlen der INSM seien nun "vom Tisch", sagte Köppen. Es sei ein zentrales Anliegen, zur Umsetzung der Antidiskriminierungsgesetze "ein Bündnis mit der Wirtschaft zu schließen". "Eine wertebasierte und nachhaltige Unternehmensführung ist schon heute ein ökonomischer Faktor", betonte Köppen.

Das AGG war im August 2006 nach heftiger Kritik von Wirtschaftsverbänden in Kraft getreten. Es soll vor allem Arbeitnehmer vor Benachteiligungen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft, ihres Geschlechts oder anderer Merkmale schützen. Mit der Regelung sollten die EU-Richtlinien zum Diskriminierungsschutz in Deutschland umgesetzt werden.

ddp