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TV-Kritik: NDR - "Die Tricks der Discounter" Qualitäts-Check im NDR: Discounter-Ware vs. Handwerks-Produkte

Gerade im Lebensmittel-Bereich üben Supermärkte und Discounter großen Druck auf das Handwerk aus, zumal die großen Ketten zuletzt mit Qualitätsoffensiven und aufgehübschten Filialen von sich reden machten. Der NDR zeigte nun in einer sehenswerten Reportage auf, mit welchen Tricks die Discounter arbeiten, um das Qualitäts-Image aufzubauen - und verglich dabei auch deren Produkte mit denen echter Handwerker.

Der Bäckermeister fällt ein klares Urteil: "Das riecht fies", sagt Jochen Gaues, Chef der gleichnamigen Bäckerei aus der Nähe von Hannover, noch bevor er das Brot des Discounters Netto probiert hat. Und auch geschmacklich kann das Produkt nicht überzeugen, wie auch die anderen drei von Aldi, Lidl und Penny. Schon an der Optik hatte Gaues die Discounter-Brote erkannt. Durch die Benutzung von Netzbandöfen, in denen das Brot während des Backens von vorne nach hinten durchlaufe, ergäben sich verräterische Muster auf der Unterseite, die es in seinem Steinofen so nicht gebe, sagt Gaues. Und bei den Zusatzstoffen, etwa Enzymen, weiß er gar nicht im Detail, wozu sie dienen, denn: "Ich hab das noch nie ausprobiert."

Gaues‘ charismatischer Auftritt war einer der Höhepunkte in der NDR-Reportage "Die Tricks der Discounter", die ausgehend von der Grundfrage, ob die Discounter ihre neuerdings gegebenen Qualitätsversprechen auch einhalten, verschiedene Produktreihen auf den Prüfstand stellte. "Jeder will der Billigste sein, aber wie ist die Qualität?", hatte die Stimme aus dem Off dazu bedeutungsschwer geraunt. Neben dem Brot-Test kam auch das Thema Fleisch an die Reihe. Gerade hier werde die Konkurrenz für Fachgeschäfte durch die Supermärkte und Discounter immer größer, hieß es. In den Discountern, das wurde schnell klar, liegt indes zumeist Ware in den Regalen, die nach dem neuen Tierwohl-Label des Handels unter die Kategorie 1 fällt. Stallhaltung, kein Auslauf, wenig Platz, Turbo-Mast, kurz: klassische Massentierhaltung.

Schnelle Mast versus lange Reifung

Solches Fleisch von Aldi, Lidl und Netto wurde mit dem eines Metzgers verglichen. Testperson: Koch Matthias Gfrörer aus der Nähe von Hamburg. Er bereitete alle Fleischarten zu und verkostete das Ergebnis zusammen mit dem NDR-Reporter. Schon bevor es ans Braten ging, hatte eine Verbraucherschützerin klargestellt, dass beispielsweise das als Qualitätszeichen verwendete Etikett "Jungbulle" gar nicht gut sei, denn erst mit steigendem Alter der Tiere bekomme das Fleisch eine Fettmaserung, die es bei der Zubereitung saftig halte. Aber wie schmeckt es? Die Produkte von Aldi und Lidl erwiesen sich schon in der Pfanne in der Tat als Ergebnis von schneller Mast, das Fleisch verlor viel Wasser, während sich bei dem Stück von Netto ein säuerlicher Geschmack einstellte und es zudem noch verschnitten war. Das Fleisch vom Metzger hingegen roch schon ganz anders und stellte seine Qualität auch beim Braten unter Beweis, denn es war im Gegensatz zu den Discounter-Produkten offenbar lange an der frischen Luft und nicht zumeist in eingeschweißtem Zustand gereift. Klar, der Preis für das Fersenfleisch war auch mehr als doppelt so hoch wie beim Discounter, aber Koch Gfrörer brachte auf den Punkt, was neben dem Geschmack auch ein Grund sein kann, um von der Massenware die Finger zu lassen: "Man kann hier einfach auch ein gutes Gefühl mit einkaufen."

Bei den Weinen und den sogenannten Gourmet-Produkten, also höherpreisiger Discounter-Ware, schnitten die Discounter ebenfalls durchschnittlich ab. Allerdings wurde bei diesen Tests deutlich, dass es auch durchaus gute Produkte für einen günstigen Preis in deren Regalen zu kaufen gibt. So kam ein Wein eines Badischen Qualitätswinzers, der bei Aldi für 4,99 Euro erhältlich ist, bei drei Weinkennern vor allem mit Blick auf den Preis sehr gut weg. Und die von Sternekoch Thomas Imbusch aus Hamburg verkostete Himbeercreme eines Discounters wurde als "sehr gut" gelobt. Allerdings gab es noch deutlich mehr qualitative Ausfälle, vor allem bei den sogenannten Gourmet-Produkten, die dieser Bezeichnung nicht gerecht wurden. Beim Wein entlarvten die NDR-Journalisten, dass Flaschen mit dem Namen von Günther Jauch auf dem Etikett keinesfalls aus dessen Weingut kommen, sondern nur "nach den Qualitätsansprüchen von Günther Jauch" hergestellt wurden. So blieb am Ende beim Zuschauer hängen: Vorsicht vor den neuen Qualitätsversprechen von Lidl, Aldi und Co, auch wenn deren Sortimente zuletzt aufgewertet wurden.

Was macht gutes Brot aus? "Mehl, Wasser, Sauer, Salz, nix!"

Das gilt indes sicherlich nicht für die Brote von Bäckermeister Gaues, dem heimlichen Star der Reportage. Zusätzlich zu dessen eigenem Test der Discounter-Brote mussten sich auch seine Backwaren dem Geschmacksurteil von Menschen auf der Straße stellen. Und auch dort schnitten die Handwerks-Brote gut ab, was sicherlich auch daran liegen dürfte, dass Gaues beherzigt, was gutes Brot ausmacht, nämlich ein gewisser Minimalismus. Auf die Frage, was dort hinein gehöre, raunte er nämlich nur: "Mehl, Wasser, Sauer, Salz, nix!"

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