IT + Kommunikation -

Neue Strukturen bei Odenwälder Malerbetrieb Digitalisierung schafft mehr Zeit für Kreativität

Die Farbe im Lager geht zur Neige? Kein Problem. Für Nachschub ist gesorgt. Umgehend. Zeitaufwand? Gleich null. Bei der Firma Steuernagel und Lampert aus Groß-Bieberau erledigt das der Computer.

Das Büro könnte auch in einem der Bankentürme Frankfurts angesiedelt sein. Panoramabildschirm auf dem Schreibtisch, das Smartphone daneben. Ein großes Digitalboard an der Wand gegenüber, das die Inhalte bei Bedarf spiegelt. Malermeister und Geschäftsführer Jörg Held lächelt. “Glauben Sie mir, das erleichtert vieles.“

Der 42-Jährige hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt. Er ist Meister des Maler- und Lackiererhandwerks, Meister des Fassmaler- und Vergolderhandwerks, staatlich geprüfter Farb- und Lacktechniker. 2010 übernahm er von seinem Vater die Geschäftsführung des Unternehmens und trieb die Digitalisierung weiter voran. Weil er liebt, was er tut.

Mehr Zeit für Kunden und Kollegen

Jörg Held setzt auf Handwerk 4.0. Aus Überzeugung. “Weil es mir Zeit verschafft“, sagt Held. Am liebsten arbeitet er praktisch. Mit Pinsel und Farbe. Kreiert Texturen, hochwertige Oberflächendesigns. “Die Umstellung auf digitale Betriebsprozesse verschafft mir im Jahr locker drei Monate, in denen ich voll praktisch arbeiten kann“, sagt er. “Und mehr Zeit für Mitarbeiter und Kunden habe.“

Mehr Zeit für Kreativität

Rund 70 Mitarbeiter sind bei Steuernagel und Lampert beschäftigt. Jeder nutzt das Smartphone wie selbstverständlich. Die Meister haben parallel zum digitalen Arbeitsplatz Tablets. “Damit sind wir flexibel“, erklärt Held. “Das zählt vor allem auf Baustellen.“

Branchensoftware vernetzt Mitarbeiter

Was bisher unzählige Arbeitsschritte erforderte – und damit Zeit – geht heute zügig. Per Klick. Und Vernetzung der Mitarbeiter. Nach und nach stellte Held auf eine einheitliche Branchensoftware um. Arbeitsprozesse wurden automatisiert, Aufträge werden jetzt über Status-Management gesteuert. Das Berichtwesen läuft digital. Formulare und Events, Materialanforderungen. Aufträge samt Terminierung gehen automatisiert an Partner, wie beispielsweise Gerüstbauer oder Containerdienste. “Das System schickt die Anforderungen automatisch raus“, erklärt Held. “Und mit der Endabnahme auf der Baustelle bestellt das System das Gerüst auch automatisch wieder ab.“

Produktivität ist für Held das A und O. “Und die steht und fällt mit Kommunikation“, sagt er. Ein Beispiel: “Wenn ein Mitarbeiter auf der Baustelle nicht weiß, was er zu tun hat, wenn Informationen stecken bleiben, entstehen Kosten.“ Das will Held vermeiden. Daher erstellen die Mitarbeiter digitale Baustellenprotokolle. “So ist jeder immer über den aktuellen Sachstand informiert.“ Sämtliche Leistungen werden erfasst und vergütet. Verzögerung am Bau? “Auf diese Weise locker vermeidbar“, ist Held überzeugt.

Die Mitarbeiter ziehen mit. Anfängliche Skeptiker wurden schnell von der Effizienz überzeugt. Auszubildende und jüngere Kollegen motivierte die digitale Vernetzung. Und die Angst, dass das Tablet oder Smartphone doch mal in den Farbtopf fällt? Jörg Held lacht. “Die Bedenken gab es. Aber passiert ist uns so etwas noch nie.“

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten