Das Handwerk stellt sich entschlossen der Digitalisierung. Der Bundespräsident zeigte sich beim Besuch in Bayreuth beeindruckt vom Einfallsreichtum der Brauer, Orthopädietechniker, Schreiner und Kfz-Mechaniker.
Steffen Range
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender zu Gast bei der Handwerkskammer für Oberfranken: In Bayreuth lernten sie das Kompetenzzentrum Digitales Handwerk genauer kennen.
Digitale Kompetenzzentren unterstützen Handwerksbetriebe dabei, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen. Eine der wichtigsten und besten Einrichtungen dieser Art befindet sich in Oberfranken. Beim Werkstattbesuch Steinmeiers zeigte die Handwerkskammer, wie sie digitale Technologien in die Aus- und Weiterbildung einbezieht und Ausbildungsmeister qualifiziert. Der Präsident der Handwerkskammer für Oberfranken, Thomas Zimmer, sagte: "Wir bringen die im Kompetenzzentrum gewonnenen Erkenntnisse durch die enge Verzahnung des Kompetenzzentrums mit der beruflichen Aus- und Weiterbildung schnell und direkt in die betriebliche Praxis."
Kleinbrauerei profitiert von der Digitalisierung
Wie derartige Projekte gemeinsam mit den Betrieben umgesetzt werden, beschrieb Projektleiterin Johanna Erlbacher dem Bundespräsidenten anhand zweier Beispiele. In einer für Oberfranken typischen Kleinbrauerei führte sie ein digitales Lagerlogistiksystem ein. Gemeinsam mit dem Orthopädietechnik-Betrieb reha team Bayreuth integrierte sie die additive Fertigung (3D-Druck) in den handwerklichen Herstellungsprozess von Einlagen. "Die Brauerei gleicht mit dem Warenwirtschaftssystem vor allem den Mangel an Fachkräften aus", erläuterte Erlbacher in einem engagierten und fesselnden Vortrag.
3D-Druck in der Orthopädietechnik
Der Betrieb der Orthopädietechnik erhalte sich durch die Integration der additiven Fertigung die Wettbewerbsfähigkeit, sagte die Projektleiterin. Erlbacher und Gernot Gebauer, Geschäftsführer von reha team Bayreuth, wiesen auch auf Erkenntnisse hin, die die Betriebe und die Handwerkskammer bei der Integration neuer digitaler Technologien machten. "Ganz wichtig ist, bei allen Veränderungen frühzeitig auf die Ängste und Bedürfnisse der Mitarbeiter, speziell erfahrener Mitarbeiter, einzugehen."
Modernisierung der Lehrpläne
Jungen Auszubildenden fällt der Umgang mit digitalen Technologien naturgemäß leicht. Allerdings gilt die schnelle Anpassung der Ausbildungsordnungen und Lehrpläne für die berufliche Bildung als Herausforderung für Politik und Wirtschaft. Die Handwerkskammer für Oberfranken will am Beispiel der Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker mustergültig darstellen, wie eine rasche Integration neuer Inhalte in die Lehrpläne gelingen kann. "Wir wollen damit aufzeigen, wie die notwendigen Aktualisierungen mit dem Tempo des technologischen Fortschritts besser mithalten können", sagte der Hauptgeschäftsführer der oberfränkischen Handwerkskammer, Thomas Koller.

Doch nicht nur Auszubildende, auch Meisterschülerinnen und Meisterschüler müssen mit digitalen Verfahren vertraut gemacht werden. Das gelingt nur, wenn auch die Ausbildungsmeister neue Technologien beherrschen. Wie sich das erreichen lässt, wurde im Fachbereich Holz demonstriert. So lernen die Meisterschüler für das Schreinerhandwerk in der Bayreuther Lehrwerkstatt den klassischen Treppenbau samt eigens angefertigten Krümmling sowohl mittels 1:1-Modell als auch mittels im 3D-Druck-Verfahren hergestellter Vorlage.
Steinmeier macht sich für berufliche Bildung stark
Der Bundespräsident zeige sich begeistert, "welche Ausstattung in diesem Zentrum besteht". Das Handwerk bereite sich auf die Veränderung der Arbeitswelt vor und "verschläft die Entwicklung nicht", lobte Steinmeier. Seinen Besuch in Oberfranken bezeichnete das Staatsoberhaupt als "große Freude". Kammerpräsident Thomas Zimmer dankte Frank-Walter Steinmeier und Elke Büdenbender für den Besuch in Bayreuth. Zimmer, der auch Vizepräsident des Zentralverbandes des deutschen Handwerks (ZDH) ist, hob das klare Bekenntnis des Bundespräsidenten und seiner Ehefrau zur beruflichen Bildung hervor: "Ihre Unterstützung gibt uns kräftigen Rückenwind."
Die Väter von Steinmeier und Büdenbender waren beide Tischler. Daher hat das Präsidentenpaar eine besondere Beziehung zum Handwerk. Vor allem die berufliche Bildung ist dem Bundespräsidenten wichtig. Elke Büdenbender sprach von einem "Herzensanliegen". Bei der Meisterfeier in der Paulskirche in Frankfurt im Januar hatte Steinmeier bereits ein Bekenntnis zum Handwerk abgelegt: "Mir war eine politische Karriere nicht in die Wiege gelegt, ich bin unter Handwerkern groß geworden", sagte der Bundespräsidentseinerzeit. "Wir beide müssen vom guten Ruf des Handwerks und der handwerklichen Ausbildung nicht mehr überzeugt werden – wir sind es." Ihre Sympathie für Handwerk stellte das Präsidentenpaar in Bayreuth nun abermals unter Beweis.