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Wenn der Friseur Ausfallgebühren verlangt Diesem Friseur reicht es: Wer Termine platzen lässt, zahlt trotzdem

Von Kunden nicht eingehaltene Termine sind für Handwerker ärgerlich. Ein Friseur aus Hannover verlangt nun Ausfallgebühren bei unentschuldigtem Nichterscheinen. Ob Kunden wirklich dafür zahlen müssen und was rechtlich gilt.

Es ist ein alltägliches Ärgernis, nicht nur im Friseurhandwerk: Ein Kunde vereinbart einen Termin – und kommt dann einfach nicht, ohne zuvor abzusagen. Dirk Klose, Friseurmeister aus Hannover, ist davon zunehmend genervt. "Es ärgert mich besonders, wenn ich dann gerade jemanden ohne Termin nach Hause schicken musste", so der Betreiber des Herrensalons "Hair und mehr" nahe des Messegeländes von Hannover. Klose will sich diese Unsitte nicht mehr länger bieten lassen: "Wer seinen Termin nicht absagt und wegbleibt, muss den vollen Betrag zahlen", ließ er die Kunden über seine Facebookseite wissen. Über den Fall hatte die Lokalzeitung "Neue Presse" zuerst berichtet.

Eine solche Praxis kennt man vor allem aus dem medizinischen Bereich: Einige Ärzte, Zahnärzte und Physiotherapeuten bitten ihre Patienten zur Kasse, wenn sie Termine nicht wahrnehmen, ohne zuvor rechtzeitig abzusagen. Im Handwerk ist ein solches Vorgehen ungewöhnlich – und juristisch zumindest fragwürdig: "Der Anspruch auf ein Ausfallhonorar bei einer bloßen Terminvergabe ohne konkrete Vereinbarung der Friseurleistungen ist fraglich", sagt Peter Lotz, Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei MAYRFELD LLP in Frankfurt. "Hier fehlt es bereits am Vertragsschluss beziehungsweise am Rechtsbindungswillen." Zumal nicht vorausgesetzt werden könne, dass ein Anrufer, der einen Termin ausmacht, von der via Facebook verbreiteten Mitteilung weiß.

Sofern am Telefon die konkrete Frisierleistung bereits vereinbart werde – vom einfachen Schnitt bis zum Färben – könne ein Gericht unter Umständen einen Vertragsschluss annehmen, erläutert Rechtsexperte Lotz. "Wenn der Kunde dann einfach nicht erscheint, verstößt er gegen seine Mitwirkungspflicht." Auch in diesem Fall habe der Friseur jedoch keinen Anspruch auf den "vollen Betrag", wie ihn Klose geltend macht, sondern höchstens auf eine angemessene Entschädigung. "Entgangener Gewinn wird nicht ersetzt", so Lotz. Zur gerichtlichen Durchsetzung eventueller Ansprüche müsste ein Friseur aber auch die Anschrift des Kunden kennen – und daran dürfte es in den allermeisten Fällen schon scheitern.

Ausfallgebühren sind auch in anderen Bereichen fragwürdig

Auch in Fällen, wo Ausfallhonorare üblicher sind als im Handwerk – etwa bei Ärzten oder Physiotherapeuten – ist unklar, ob diese wirklich rechtmäßig sind. "Ob ein Patient, der einen Arzttermin verpasst hat, ein Ausfallhonorar zahlen muss, wird von den Gerichten unterschiedlich beurteilt und hängt vom Einzelfall ab", heißt es bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. So bejahte etwa das Amtsgericht Diepholz den Vergütungsanspruch eines Arztes im Fall einer sehr zeitaufwändigen Behandlung. Allerdings betonte das Gericht, der Arzt sei verpflichtet, den Schaden gering zu halten, etwa indem er in der Zeit andere Patienten behandelt oder Verwaltungsaufgaben erledigt – dadurch würde dann das Ausfallhonorar geringer ausfallen (Aktenzeichen: 2 C 92/11). Das Landgericht Berlin hingegen verneinte einen Vergütungsanspruch eines Zahnarztes grundsätzlich – die entsprechende Vereinbarung benachteilige den Patienten nämlich in unangemessener Weise, befanden die Richter (Az.: 55 S310/04).

Dass es grundsätzlich auch anders geht, machen beispielsweise Baumärkte vor: Wer etwa über die Baumarktkette Hornbach einen Vertragshandwerker beauftragt, muss vorab 50 Euro bezahlen, damit dieser zum Aufmaß erscheint. Bei späterer Auftragserteilung wird die Pauschale dann wiederum verrechnet – beauftragt der Kunde anschließend einen anderen Handwerker, sind zumindest Zeit und Aufwand für das Aufmaß abgedeckt. Auch Beratungsgebühren kommen in manchen Branchen vor.

Rechtzeitige Absage ist ein Gebot der Höflichkeit

Verbraucherschützer raten grundsätzlich dazu, vereinbarte Termine – egal ob beim Arzt, beim Friseur oder einem anderen Dienstleister – rechtzeitig abzusagen, wenn feststeht, dass man sie nicht wahrnehmen kann. Das gebiete einerseits die Höflichkeit – und beuge andererseits einem späteren Streit um ein mögliches Ausfallhonorar vor. Bei festen Terminen sollte die Absage schriftlich erfolgen, damit diese belegt werden kann.

Letztlich ist der aktuelle Fall aus Hannover aber auch ein guter Anlass, sich über die betriebswirtschaftlichen Aspekte dahinter Gedanken zu machen. Rechtsanwalt Lotz: "Selbst wenn ein festgelegtes Ausfallhonorar wirksam vereinbart wird und der Friseur seinen Anspruch dann geltend machen kann – wer würde denn noch zu diesem Friseur gehen?"

Das gilt bei Tischreservierungen im Restaurant

Mittags mal schnell einen Tisch im Restaurant reservieren – und dann abends doch nicht hingehen? Das sollte man tunlichst vermeiden oder zumindest rechtzeitig vorher absagen. Denn Tischreservierungen sind grundsätzlich verbindlich: Der Gast verpflichtet sich, zur vereinbarten Zeit zu erscheinen und etwas zu konsumieren. Kommt der Gast nicht, kann der Wirt Ersatz seiner Vorbereitungskosten und sogar entgangenen Gewinn verlangen, hat das Landgericht Kiel vor einiger Zeit entschieden (Az.: 8 S 160/97). Der Wirt muss dafür allerdings beweisen, dass er aufgrund der Reservierung andere Gäste wegschicken musste. Dann darf er die Kosten eines normalen Menüs berechnen. Umgekehrt kann auch der Gast Schadensersatz beispielsweise für Fahrtkosten verlangen, wenn der Wirt eine vereinbarte Reservierung nicht einhält.

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