Gesundheit -

Wenn Arbeit krank macht Berufskrankheiten: Welche Rechte haben Betroffene?

Chemikalien, bestimmte Körperhaltungen und sogar die Sonne können Krankheiten verursachen. Muss sich ein Handwerker der Belastung bei der Arbeit aussetzen, kann es sich um eine Berufskrankheit handeln. Doch wie sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer bei einem Verdacht vorgehen?

Hautkrebsrisiko bei Dachdeckern
Die hohe Sonneneinstrahlung auf Dachdecker erhöht ihr Risiko für Hautkrebs. Bei einer Erkrankung kann es als Berufskrankheit anerkannt werden. -

Husten und ein rauer Hals: Von Zeit zu Zeit erwischt es einen. Gerade in der kalten Jahreszeit sind Atemwegserkrankungen an der Tagesordnung. Doch manchmal liegt die Ursache ganz woanders: Es könnte auch der Beruf sein, der krank macht. Und so gibt es einige traurige Klassiker, also Krankheiten, deren Ursachen zwar längst bekannt sind, die aber trotzdem noch auftreten – etwa die sogenannte Staublunge, die sich auch in Erkältungssymptomen wie Husten und Atemnot äußern kann. Denn viele Berufsgruppen, gerade im Bauhandwerk, sind schädlichem Staub ausgesetzt.

Manche Berufe bringen gesundheitliche Risiken mit sich – und damit einhergehend typische Berufskrankheiten. Doch wann eine Erkrankung wirklich eine Berufskrankheit ist, ist oftmals gar nicht so leicht herauszufinden. Das Bundesarbeitsministerium definiert Berufskrankheiten als "Erkrankungen, die Versicherte durch ihre berufliche Tätigkeit erleiden und die in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) aufgeführt sind".

Krank durch Chemikalien, Druck oder Lärm

Ursache dafür können verschiedenste gesundheitsschädliche Einwirkungen sein. Insbesondere kommen bestimmte Chemikalien, physikalische Einwirkungen wie Druck, Vibrationen oder das Tragen schwerer Lasten und Arbeiten unter Lärm oder Staub in Betracht. Nicht jede Erkrankung wird aber als Berufskrankheit anerkannt: In Frage kommen nur solche Erkrankungen, die nach medizinischen Erkenntnissen durch besondere Einwirkungen verursacht werden – und diesen Einwirkungen müssen die jeweiligen Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Maße als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sein.

Aktuell sind in der Liste der anerkennungsfähigen Berufskrankheiten 77 Erkrankungen aufgeführt. Die erste Liste wurde im Jahr 1925 erstellt und wird seitdem laufend ergänzt. Der Ärztliche Sachverständigenrat "Berufskrankheiten" beim Bundesarbeitsministerium hat Ende vergangenen Jahres vier neue Krankheiten zur Aufnahme in die Liste vorgeschlagen: Leukämie durch Butadien, Kehlkopfkrebs und Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie fokale Dystonie. Besonders mit PAK können Beschäftigte verschiedener Handwerksberufe – etwa Kaminkehrer oder Beschäftigte aus Metallbranchen – zu tun haben. Diese entstehen, wenn Kohlenstoffverbindungen unvollständig verbrannt werden.

Meldung an die Unfallversicherung Pflicht

Wenn ein Verdacht auf eine Berufskrankheit besteht, muss dieser sofort an den Unfallversicherungsträger gemeldet werden. Sowohl Arbeitgeber, als auch Ärzte und Krankenkassen sind zur Meldung verpflichtet. Auch der Betroffene selbst kann die Unfallkasse anschreiben. Der Unfallversicherungsträger untersucht dann Kranken- und Arbeitsgeschichte sowie den aktuellen Arbeitsplatz, um die mögliche Belastung vor Ort zu klären. Anschließend wird untersucht, ob die Erkrankung wirklich durch die Arbeit verursacht wurde, wozu häufig ein Gutachten eines unabhängigen Facharztes eingeholt wird.

Der Betroffene kann dabei aus drei vorgeschlagenen Gutachtern auswählen. Nur wenn das Verfahren ergibt, dass es sich um eine Berufskrankheit handelt, gibt es auch Leistungen aus der gesetzlichen Unfallversicherung. Diese reichen von verschiedenen Maßnahmen zur Behandlung über die berufliche Wiedereingliederung bis hin zu einer Rentenzahlung, wenn nach der Rehablitation körperliche Beeinträchtigungen bleiben und die Erwerbsfähigkeit um mindestens 20 Prozent gemindert ist.

Viele Verdachtsfälle werden nicht anerkannt

In der Praxis ist das eine relativ hohe Hürde: 2014 wurden von gut 75.000 Verdachtsfällen nur knapp 17.000 anerkannt. Und nur in rund 8.000 Fällen wurde auch eine Entschädigung an die Betroffenen gezahlt. Wenn das Verfahren zu einem für den Betroffenen unbefriedigenden Ergebnis kommt, hat dieser noch die Möglichkeit, Widerspruch beim Unfallversicherungsträger einzulegen. Wenn es auch dabei nicht zum Kompromiss kommt, ist eine Klage beim Sozialgericht der nächste Schritt.

Einer der Gründe für die recht geringe Anerkennungsquote ist, dass zwischen Auslöser und Ausbruch einer Berufskrankheit oftmals Jahre oder Jahrzehnte liegen – etwa bei Asbest. Viele, die in den 1960er- und 70er-Jahren mit der giftigen Faser gearbeitet haben, erkranken heute an Krebs. Weltweit sterben jedes Jahr rund 100.000 Menschen an den Folgen von Asbest. Um Anerkennung als Berufserkrankung kämpfen viele jedoch vergeblich. Denn sie müssen nachweisen, dass sie vor 30 oder 40 Jahren wirklich mit Asbest gearbeitet haben. Viele sind todkrank und die Zeit läuft gegen sie.

Die Arbeits- und Sozialminister der Länder und die Mitgliederversammlung der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung haben Ende vergangenen Jahres einen Vorstoß unternommen, um das Berufskrankheitenrecht zugunsten der Betroffenen zu reformieren. Unter anderem sollen die Nachweise erleichtert werden, indem auch Daten von vergleichbaren Fällen herangezogen oder der Zusammenhang zwischen Erkrankung und Belastung am Arbeitsplatz glaubhaft gemacht werden kann.

Die Versicherung, die jeder braucht

Das Risiko, berufsunfähig zu werden – nicht nur aufgrund einer Berufskrankheit – wird massiv unterschätzt. Dieses Schicksal trifft viele Menschen. Laut Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) wird statistisch gesehen derzeit jeder vierte Arbeitnehmer vor dem Erreichen des Rentenalters berufsunfähig. Wenn das Einkommen wegfällt, reicht die staatliche Erwerbsminderungsrente vorne und hinten nicht – der bisherige Lebensstandard lässt sich damit nicht halten. Sie liegt nämlich oft noch unter einem Drittel des letzten regulären Monatsgehalts. So bezogen 2015 knapp 1,8 Millionen Menschen eine Erwerbsminderungsrente. Im Durchschnitt bekamen sie 731 Euro im Monat. Dieses finanzielle Risiko lässt sich mittels einer Berufsunfähigkeitsversicherung absichern. Diese zahlt im Fall der Fälle eine monatliche Rente bis zum vereinbarten Ablauftermin, der idealerweise dem Renteneintritt entspricht. Assekuranz und Verbraucherschützer sind sich daher einig, dass jeder im arbeitsfähigen Alter eine solche Police abschließen sollte. czy

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