Zimmerermeister Max Resch ist seit 40 Jahren Kursleiter bei der Handwerkskammer und macht sich für Innovationen in der Ausbildung stark. Mit einer digitalen Idee hat er dazu beigetragen, die Zwischen- und Gesellenprüfung im bayerischen Zimmererhandwerk zu modernisieren.

Max Resch ist Frühaufsteher. "Da kommen mir immer die besten Ideen", erzählt der Kursleiter. Seit 38 Jahren arbeitet er im HWK-Bildungszentrum Pfarrkirchen als Zimmerermeister und Bautechniker in der Aus- und Weiterbildung. Die Freude am Arbeiten mit Holz und die Faszination für den Bau liegt in seiner Familie, sein Vater ist gelernter Baupolier, auch Reschs Sohn ist als Bauingenieur tätig. "Holz ist meine Leidenschaft und das wird so bleiben, das kann ich gar nicht ändern", sagt Max Resch selbst.
Eine kleine Sensation
Mindestens genauso sehr begeistert er sich für die Ausbildung. Aktuell sitzen in seinem Lehrsaal neun Zimmererlehrlinge, die ihre überbetriebliche Lehrlingsunterweisung in der Handwerkskammer absolvieren. Auf dem Stundenplan steht das digitale Zeichnen einer kleinen Gartenlaube mit Holzstützen – für die Kursteilnehmer prüfungsrelevanter Inhalt und das ist eine kleine Sensation. Denn seit letztem Jahr wird in der Zwischenprüfung im bayerischen Zimmererhandwerk auch eine CAD-Aufgabe abgefragt. Die Idee zur Prüfungsaufgabe kommt von Max Resch, auch die hatte er frühmorgens. "Das ist ein Pilot, was wir hier machen, aber es kommt total gut an", sagt er und das merkt man. In seinem Lehrsaal könnte man eine Stecknadel fallen hören, die Schüler sind hochkonzentriert, bei jeder Frage Reschs gehen mehrere Finger nach oben.
Veränderung ist Fortschritt
Auch die 17-jährige Auszubildende Svenja Brinninger aus Eggenfelden ist vom Kursinhalt begeistert. "Ich finde es schon wichtig früh damit anzufangen und sich damit zu beschäftigen", sagt sie. Ähnlich sieht es der 16-jährige Andreas Krenn aus Maging bei Osterhofen. Das Zeichnen ist für ihn ein perfekter Ausgleich zur praktischen Arbeit in der Werkstatt.
"Die Zukunft ist digital", das ist Max Reschs Überzeugung. Aus diesem Grund schlug er im Jahr 2022 im "Arbeitskreis Entwicklungs-Team des bayerischen Zimmererverbandes", in dem er Mitglied ist, seine Idee zur digitalen Praxisaufgabe vor. "Ich habe mir gedacht ich wage es einfach mal, aber es war schon ein Risiko, denn es hätte auch abgelehnt werden können", erinnert er sich. Doch das Gegenteil war der Fall, sein Einfall ist sofort auf fruchtbaren Boden gefallen. "Die Zimmerer sind Leute, die nicht rückwärts, sondern immer vorwärts denken", sagt er. Und das sei wichtig. Denn in den letzten Jahrzehnten habe sich viel verändert, gerade was die ständige Entwicklung und stärker werdende Nachfrage der Holzbauweise anginge. Entsprechend wichtig sei es, den Nachwuchs auf diese neuen Aufgaben und Anforderungen vorzubereiten.

In die Zukunft investieren
Die Notwendigkeit hierfür erlebt er auch im Gespräch mit Betriebsinhabern. "Viele Betriebe möchten gerne mehr Auszubildende in der Arbeitsvorbereitung und Planung einsetzen, aber dann haben sie nur einen da, der das Programm wirklich beherrscht. Das muss sich verändern und wird sich auch verändern." Die CAD-Aufgabe, die in diesem Jahr in der Zwischenprüfung gefordert ist, hält 2025 auch Einzug in die Gesellenprüfung. Das sei ein bedeutender Schritt in diese Richtung und werde auch in den Berufsschulen gut angenommen. "Die Schulen, die sich am Anfang am meisten gewehrt haben, sind mittlerweile am meisten davon überzeugt."
"Das Handwerk ist ein innovationsfreudiger Wirtschaftszweig, der notwendig ist, um Herausforderungen und Aufgaben der Zukunft umsetzen zu können", davon ist auch Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer, überzeugt. Aus diesem Grund stellt die Handwerkskammer den ostbayerischen Handwerkerinnen und Handwerkern eine Vielzahl digitaler und technischer Innovationen und Ressourcen zur Verfügung, die sowohl für große Unternehmen als auch für kleine Betriebe nutzbar gemacht werden können. "Auch bei der Ausbildung legen wir großen Wert darauf, dem Nachwuchs den Zugang zu digitalen Produkten und Dienstleistungen zu ermöglichen, um das ostbayerische Handwerk fit für die Zukunft zu machen", so Kilger.
Mit der Zeit gehen
Schon in der Vergangenheit hat sich Max Resch für die Umsetzung neuer Inhalte in der Ausbildung im Zimmererhandwerk starkgemacht und beispielsweise den Vorarbeiter-Kurs im Bildungszentrum Pfarrkirchen mit aufgebaut. Das Beste für den Nachwuchs seines Gewerks rauszuholen liegt ihm besonders am Herzen. "Ich bin einfach der Meinung, dass viel zurückkommt im Leben", sagt er. Auch nach fast 40 Jahren bei der Handwerkskammer erinnert er sich an einzelne Kursteilnehmer zurück, nimmt gleichermaßen Anteil an deren Schicksalsschlägen und Erfolgsgeschichten.
Viele von ihnen sind mittlerweile Betriebsinhaber, manche ihrer Kinder stehen heute wieder vor Max Resch im Lehrsaal und in der Werkstatt des Bildungszentrums Pfarrkirchen. So auch der 18-jährige Fabian Brunthaler aus Egglham, der mit dem Beruf Zimmerer aufgewachsen ist. Mit der CAD-Software hat er bislang noch nicht gearbeitet, hat aber großen Spaß daran. "Man lernt schon sehr viel dabei und es ist einfach wichtig, mit der Zeit zu gehen." Mit der Zeit gehen und Neues ausprobieren, das ist für Max Resch selbstverständlich – und das war es schon immer. "Wenn ich die Wahl hätte, würde ich wieder alles genauso machen", sagt er rückblickend.