Neues zu lernen ist wichtig und gehört zum Alltag der Auszubildenden. Ebenso wichtig ist es, dass Azubis vergangene Lernsituationen reflektieren. Ausbildungsberater Peter Braune erklärt, wie Reflexion beim Lernen hilft und gibt den passenden Fragenkatalog an die Hand.

Die schlaue Google-Quelle sagt uns, Reflexion käme aus dem Lateinischen und würde so viel bedeuten wie zurückbeugen. Es wäre auch ein Rückblick auf das, was passiert ist, um sich Erlebtes bewusst werden zu lassen, es genau zu betrachten, auf den Grund zu gehen, um so Erkenntnisse daraus zu gewinnen. Auf die Berufsausbildung übertragen würde "Reflexion" Nachdenken, Überlegung, Betrachtung oder Spiegeln bedeuten. Die Lehrlinge stellen über solche Fragen eine Reflexion über etwas an.
Mit den entsprechenden Reflexionsfragen zu einem Lernziel könnten die Lehrlinge ihre Tätigkeiten widerspiegeln. Sie erarbeiten zum Beispiel auch positive und negative Beispiele zu einer ganzen Berufsbildposition. Dafür müssen sie sich ganz bewusst mit dem Thema auseinandersetzen. Es ist vorhandenes Wissen und Können zur Lösung der Fragen nutzbar. Sie erarbeiten auf diesem Weg natürlich auch neue Kenntnisse.
Reflexion: Nachdenken über Gelerntes und neue Kenntnisse
Solche Reflexionsfragen können am Ende von jedem Lernziel aus dem betrieblichen Ausbildungsplan gestellt werden. Die dafür erforderlichen Fragen sind natürlich besonders geeignet, um das Verständnis der Lehrlinge nachzuvollziehen. Sie können durch Themen zu besonderen Gesichtspunkten oder Rahmenbedingungen ergänzt werden. Denkbar wären Fragen nach Ideen, Verbesserungsvorschlägen oder Verbindungen zu anderen Lernzielen und Themen sowie Bereichen im Betrieb.
Zu den Vorteilen von Reflexion anhand von Fragen gehören eine gesteigerte Aneignung von Fachwissen, eine bessere Auseinandersetzung mit einem Thema und ein gründliches Verständnis von schwierigen Fachinhalten.
Für die Lehrlinge sind die Fragen hilfreich, um über ein Fachgebiet intensiv nachzudenken, ihre Tätigkeiten zu hinterfragen oder sich selbst zu verstehen. In der Ausbildung sind diese Fähigkeiten besonders wichtig. Sie helfen Stärken und Schwächen zu erkennen, aber auch um sich persönlich weiterzuentwickeln.
Diese Fragen helfen Azubis bei der Reflexion
Die Ausbilderin oder der Ausbilder überprüfen, ob die Fragen den Anforderungen gemäß selbstständig, eigenverantwortlich und situationsgerecht bearbeitet wurden.
Die Lösungen müssen belegbar sein, um einen guten Zusammenhang zwischen Theorie und Praxis herstellen zu können.
Mögliche Reflexionsfragen könnten sein:
- Welche organisatorischen Vorgaben behinderten die Tätigkeiten?
- Welche fachlichen Regeln haben den Arbeitsablauf beeinflusst?
- Weshalb waren Vorschriften zur Unfallverhütung zu beachten?
- Was war bei den Tätigkeiten am leichtesten zu bearbeiten?
- Was hätte man anders machen können oder nicht machen sollen?
- Bei welchen Arbeitsschritten musste man etwas entscheiden?
- Wo gab es Schwierigkeiten und wie hat man sie gelöst?
- Worauf kann man bei den Ergebnissen besonders stolz sein?
- Was hat beim Lernen die größte Befriedigung verschafft?
Fragen zur Reflexion in Verbindung mit Verbesserungsvorschlägen:
- Welche Vorgaben haben den Arbeitsablauf beeinflusst und wie könnte man die Kommunikation zwischen Ihnen und den Beschäftigten verbessern?
- Welche Vorschriften mussten Sie beachten und könnte man den Gesundheitsschutz sowie die Sicherheit verbessern?
Mögliche Reflexionsfragen in Verbindung mit anderen Lernzielen:
- Bei welchen Arbeitsschritten mussten Sie etwas entscheiden und welche Fehlfunktionen sind an anderen Anlagen, Maschinen und Geräten möglich?
- Was hätten Sie in Gesprächen mit Vorgesetzten und Beschäftigten im Zusammenhang mit anderen Lernzielen anders machen können oder nicht machen sollen?
Mögliche Reflexionsfragen in Verbindung mit anderen Themen:
- Wo sind Sie auf Schwierigkeiten bei der Abfallvermeidung gestoßen und was haben Sie getan, um damit umzugehen?
- Welche Sicherheitsvorschriften mussten Sie beachten und welche Prüfarten und Prüfmittel sind in Zukunft auszuwählen?
Fragen zur Reflexion in Verbindung mit anderen Bereichen im Betrieb:
- Was hat Ihnen am Lernen die größte Zufriedenheit verschafft und spielen die Ergebnisse Ihrer Tätigkeit in der Buchhaltung eine Rolle?
- Worauf waren sie bei Ihren Resultaten besonders stolz und wie hat die Betriebsleitung auf Ihre Bemühungen reagiert?
Ihr Ausbildungsberater Peter Braune
Peter Braune hat Farbenlithograph gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.