EU-Vorgabe Diese Assistenzsysteme sind künftig serienmäßig Pflicht

Die EU hat eine ambitionierte Vision für die Zukunft: spätestens im Jahr 2050 soll es auf Europas Straßen keine Verkehrstoten mehr geben. Einen Schritt in diese Richtung macht sie mit einer neuen Verordnung. Hersteller sind ab 2024 verpflichtet, serienmäßig alle Neuwagen mit einem Basis-Paket an Fahrassistenten auszustatten. Um diese Systeme handelt es sich.

Laut EU-Statistik sind bis zu 95 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. Durch verpflichtende Assistenzsysteme soll die Zahl der Unfälle deutlich sinken. - © Kadmy - stock.adobe.com

Pkw, Transporter, Lkw: sie alle sollen sicherer werden. Dabei helfen soll eine Reihe von Assistenzsystemen. Am 6. Juli 2022 ist eine neue EU-Verordnung in Kraft getreten, die Hersteller zum Einbau diverser Assistenzsysteme verpflichtet. "Zunächst gilt die Pflicht nur für ganz neue Modelle, die ihre Typgenehmigung nach dem Stichtag erhalten haben. Ab 2024 gelten die Regeln dann für alle Neuwagen", erklärt ein Sprecher des Zentralverbands Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK). Konkret handelt es sich laut TÜV Rheinland um die folgenden Assistenzsysteme:

Diese Assistenzsysteme sind künftig Pflicht

Geschwindigkeitsassistent: Warnt mit einem optischen akustischen Signal, sofern die geltende Geschwindigkeit überschritten wird.

Müdigkeits- und Aufmerksamkeitswarner: Warnt mit einem akustischen und optischen Zeichen bei Müdigkeit und nachlassender Aufmerksamkeit des Fahrers. Der körperliche Zustand wird durch die Aufzeichnung von Augen- bzw. Lidbewegungen und/oder der Lenkbewegungen überwacht.

Notbremsassistent: Bremst bei Gefahrensituationen selbstständig ab oder unterstützt den Fahrer bei einem Bremsvorgang. Für die Zulassung schwerer Lkw und Busse bereits seit 2015 Pflicht.

Notbremslicht: Das auch als adaptives Bremslicht bezeichnete System signalisiert anderen Verkehrsteilnehmern einen abrupten Bremsvorgang.

Notfall-Spurhalteassistent für Pkw (M1) und leichte Nutzfahrzeuge (N1): Warnt, wenn das Fahrzeug ungewollt die Fahrspur verlässt. Wird eine Notsituation erkannt, korrigiert der Assistent die Fahrtrichtung automatisch.

Reifendrucküberwachung: Bereits seit 2014 Pflicht für neuzugelassene Pkw, müssen ab Juli 2022 alle neuen Typen von leichten, mittelschweren und schweren Nutzfahrzeugen (N1, N2 und N3), Bussen (M2 und M3) und großen Lkw-Anhängern (O3 und O4) über dieses System verfügen.

Rückfahrassistent: Unterstützt den Fahrer beim Rückwärtsfahren dabei, ungeschützte Verkehrsteilnehmer hinter seinem Fahrzeug zu erkennen.

Totwinkelassistent für mittelschwere und schwere Nutzfahrzeuge (N2, N3) sowie Busse (M2 und M3): Warnt vor einer Kollision mit Radfahrenden, die sich beim Abbiegen von Lkw und Bussen im "Toten Winkel" befinden.

Vorrichtung zum Einbau einer alkoholempfindlichen Wegfahrsperre: Vorgeschrieben ist die Einrichtung einer standardisierten Schnittstelle, an die ein in der Verordnung nicht spezifiziertes Kontrollgerät angeschlossen werden kann. Das Kontrollgerät selbst muss aber noch nicht verbaut werden.

Unfalldatenspeicher für Pkw (M1) und leichte Nutzfahrzeuge (N1): Ähnlich einer Black Box in Flugzeugen werden wesentliche Parameter anonym gespeichert, die im Zusammenhang mit einem etwaigen Unfall stehen. Ziel ist es, eine effektive Unfalluntersuchung zu gewährleisten und die Leistungsfähigkeit der Sicherheitssysteme zu analysieren.

EU: Assistenzsysteme können mehr als 25.000 Menschenleben retten

Viele der Systeme seien bereits heute in zahlreichen Modellen verbaut, so der ZDK. Die EU-Vorgabe bewertet der Verband als sinnvoll. "Vorschriften tragen dazu bei, für eine flächendeckende Verbreitung zu sorgen, wie das etwa schon bei Kopfstützen, Sicherheitsgurten oder Airbags der Fall war", so ein Sprecher des Verbands.

Laut EU-Statistik sind bis zu 95 Prozent aller Verkehrsunfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen. In seiner jüngsten Verkehrsunfallstatistik geht das Europäische Parlament davon aus, dass durch die jetzt vorgeschriebenen Assistenzsysteme bis zum Jahr 2038 mehr als 25.000 Menschenleben gerettet und mindestens 140.000 schwere Verletzungen vermieden werden.

Neben einem Plus an Sicherheit dürften allerdings auch die Kosten für Fahrzeughalter steigen – nicht nur beim Neukauf. Damit die Funktionsfähigkeit der Systeme immer gewährleistet ist, rät der TÜV Rheinland zu regelmäßigen Checks. Weist einer der Fahrassistenten einen Defekt auf, kann bei der Hauptuntersuchung (HU) zudem keine neue Plakette ausgestellt werden. Die Kfz-Betriebe überprüfen die Fahrassistenten im Rahmen der Wartungsintervalle, die von den Herstellern vorgeschrieben sind.