Die Zeit des Zögerns ist vorbei

Unternehmen können die Energiekosten aus eigener Kraft senken

Von Hajo Friedrich

Die Zeit des Zögerns ist vorbei

Nicht zuletzt die Atomkatastrophe in Japan hat gezeigt: Wir müssen mehr tun, um unsere Abhängigkeit von Energiequellen aller Art zu vermindern. Denn, egal ob wir auf AKWs, Braunkohlekraftwerke, Solar- oder Windkraftanlagen setzen - all diese Techniken erzeugen nicht nur Energie. Sie haben auch einen Preis, der bei den Hausbesitzern und Betrieben mal mehr, mal weniger zu Buche schlägt. Um unsere Energieabhängigkeit wirkungsvoller, nämlich an der Wurzel, zu vermindern, müssen wir nicht nur mehr, sondern können auch mehr tun. Aus eigener Kraft, ohne Brüsseler Vorgaben.

Das zeigen bereits heute viele Handwerksunternehmen, die ihren Kunden Lösungen anbieten, mit Energie wirkungs- und verantwortungsvoller umzugehen. Die jetzt anlaufende Diskussion über eine europäische Ressourcenpolitik ruft geradezu danach, an solchen Erfolgsgeschichten aus dem Handwerk beherzt anzuknüpfen. Hier und heute. Wir brauchen dafür keine Brüsseler Direktiven.

Das Handwerk weiß aus Erfahrung: Das wirkungsvollste Mittel gegen den Klimawandel und die immer höheren Energierechnungen ist die Einsparung von Energie. Das muss nicht unbedingt auf Kosten eines geringeren Lebensstandards gehen. Höhere Energieeffizienz ist ein Stichwort, wie mit demselben Energieeinsatz zum Beispiel mehr Wärme in einem Haus oder Betrieb genutzt werden kann.

Der Begriff hat zurzeit in Brüssel Hochkonjunktur. Die Europäische Kommission hat jetzt dazu ein Bündel von teilweise praktischen, teilweise eher bürokratischen Vorschlägen unterbreitet, wie die öffentliche Hand, die Wirtschaft und die Bürger Energie wirkungsvoller nutzen können. Recht hat Brüssel, die öffentliche Hand an ihre Vorbildfunktion zu erinnern, die Sanierung des öffentlichen Gebäudebestandes zu beschleunigen. Fragwürdig ist aber, ob dafür jetzt wieder Kriterienkataloge und Zielgrößen aufgestellt werden müssen.

Das Handwerk kann zum Beispiel bereits heute durch die Sanierung von Gebäuden einen großen Beitrag leisten, damit die Kunden mit dem immer knapperen und teueren Gut Energie besser haushalten können. Doch dieses Potenzial wird leider immer noch nicht ausgeschöpft. Viel zu viele Hausbesitzer zögern dringend notwendige Reparaturen und Sanierungsarbeiten hinaus, weil es ihnen zu teuer erscheint und manchmal auch keine überzeugenden Konzepte über den mittel- und langfristigen Nutzen von Investitionen vorliegen. Die Zeit des Zögerns und Abwartens ist abgelaufen. Das ist auch eine wichtige Lehre aus der Katastrophe in Japan.