Feinstaubbelastung Die Zeit der freien Fahrt in die Zentren der Großstädte ist vorbei

Für Benzin- und Dieselfahrzeuge ohne Umweltplakette wird es allmählich eng. Bald gibt es kaum noch Großstädte, die sie ungehindert in die Innenstädte lassen. Wer mit seinem Auto verreisen möchte oder gar täglich damit zur Arbeit fährt, wird auf Dauer kaum ohne grüne Umweltplakette auskommen.

Die Zeit der freien Fahrt in die Zentren der Großstädte ist vorbei

Durch eine Nachrüstung mit einem Rußpartikelfilter können viele Dieselfahrzeuge immerhin die Plakette der jeweils nächst höheren Schadstoffgruppe erhalten und dabei auch noch Steuern sparen.

"Freie Fahrt für freie Bürger – das gilt selbst für Fahrzeuge mit Umweltplakette schon bald nicht mehr uneingeschränkt", beschreibt der Sprecher des Autoservice-Dienstleisters Vergölst, Peter Groß, die rechtliche Situation und verweist auf die niedersächsische Landeshauptstadt. In die dortige Umweltzone in der Innenstadt dürften seit 1. Januar nur noch Autos mit gelber Plakette (Diesel Euro 3) oder grüner Plakette (Diesel Euro 4, Benziner mit geregeltem Katalysator).

Für manchen Berufspendler oder auch Besucher mit roter Plakette (Diesel Euro 2) an der Frontscheibe heißt es: Ende der Fahrt, parken! Wer sich nicht daran hält, muss mit 40 Euro Bußgeld sowie einem Punkt in Flensburg rechnen. Ein Jahr später sollen auch die Autos mit gelber Plakette aus der City verbannt werden.

"Hannover ist Vorreiter, aber ähnliche Aktionspläne gibt es längst in vielen Städten", weiß Groß. Viele Experten glauben, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis Dieselfahrzeuge ohne Rußpartikelfilter ganz aus dem Verkehr gezogen werden. Der Münchener Oberbürgermeister und Präsident des Deutschen Städtetages, Christian Ude (SPD), fordert bereits eine "verbindliche Anordnung von Rußfiltern". Denn der Effekt ist klar: Wird ein Rußpartikelfilter nachgerüstet, sinkt die Partikelemission bei Diesel-Pkw dauerhaft um mindestens 30 Prozent und erreicht den Grenzwert der nächst höheren Schadstoffklasse. In Deutschland ist das bei Millionen Fahrzeugen möglich, und allein bei Pkw könnten so über 2.000 Tonnen gesundheitsschädliche Feinstaubpartikel pro Jahr vermieden werden, schätzen Fachleute.

Gefördert wird der Einbau eines Filters noch bis zum Ende dieses Jahres mit einem einmaligen Steuernachlass von 330 Euro. Der Aufschlag bei der Kfz-Steuer für nicht nachgerüstete Fahrzeuge in Höhe von 1,20 Euro pro 100 Kubikzentimeter Hubraum entfällt dann. Diesel-Besitzer können sich auf verschiedenen Web-Seiten informieren, welche Nachrüstmöglichkeiten angeboten werden, beispielsweise unter vergoelst.de/abgasreinigung. Auch die Auto-Hersteller und -Importeure geben Auskunft.

Doch nicht nur die Diesel-Fraktion kann ihre Umweltbilanz verbessern. "Es besteht außerdem die Möglichkeit, viele Fahrzeuge mit Benzinmotor mit einen Schadstoffminderungssystem nachrüsten zu lassen", teilt Groß mit. Auch dazu fänden sich einschlägige Hinweise im Internet. Welche Fahrtbeschränkungen in welchen Städten gelten, hat das Umweltbundesamt auf seiner Webseite aufgelistet.

Norbert Michulsky/ddp