Recht + Steuern -

Steuerprüfung Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Betriebsprüfung

Das Finanzamt kommt zur Betriebsprüfung. Bei vielen Unternehmen schrillen bei einer derartigen Ankündigung sofort die Alarmglocken. Doch das muss nicht sein. In diesem Themenpaket haben wir Ihnen die aktuellen Entwicklungen und Tipps für mögliche Betriebsprüfungen zusammengefasst - von der Ankündigung bis hin zur Schlussbesprechung.

Wer muss mit einer Betriebsprüfung rechnen?

Ob und wie oft bei einem Handwerksbetrieb eine Betriebsprüfung stattfinden, hängt von vielen Faktoren ab. Der häufigste Grund, dass sich der Prüfer des Finanzamts für eine Betriebsprüfung anmeldet, ist die Größenklasse des Handwerksbetriebs. Denn handelt es sich bei dem Betrieb um einen Großbetrieb, nimmt das Finanzamt praktisch die Gewinnermittlung für jedes Jahr im Rahmen einer Prüfung unter die Lupe.

Großbetriebe liegen vor, wenn entweder der Umsatz oder der steuerliche Gewinn bestimmte Grenzen überschreiten (BMF, Schreiben v. 13.4.2018, Az. IV A 4 - S 1450/17/10001). Das sind:

  • Bei einem Handelsbetrieb: Umsätze über 8,6 Mio. Euro oder ein steuerlicher Gewinn von mehr als 335.000 Euro.
  • Bei einem Herstellungsbetrieb: Umsätze über 5,2 Mio. Euro oder ein steuerlicher Gewinn von mehr als 300.000 Euro.
  • Bei anderen Leistungsbetrieben: Umsätze über 6,7 Mio. Euro oder ein steuerlicher Gewinn von mehr als 400.000 Euro.

Alle anderen Betriebe, die beim Finanzamt nicht als Großbetriebe eingestuft sind, werden entweder per Zufallsprinzip für eine Betriebsprüfung ausgewählt oder weil bestimmte steuerliche Sachverhalte vom Üblichen abweichen.

Praxis-Tipp: Die Finanzverwaltung hat ein so genanntes Risikomanagement eingeführt. Hier prüft der Finanzamts-Computer die elektronisch übermittelten Steuererklärungen selbständiger Handwerker und schlägt Alarm, wenn die Angaben in der Erklärung aus dem Rahmen fallen. In diesem Fall landet die Erklärung dann auf dem Schreibtisch des Sachbearbeiters im Finanzamt und dieser klärt, ob er einen Prüfer zur Klärung in den Betrieb schickt oder nicht.

Woran erkenne ich, dass in Zukunft eine Betriebsprüfung stattfinden wird?

Dass für ein Steuerjahr eine Betriebsprüfung droht, erkennt man vor allem an den Einkommen- und Körperschaftsteuerbescheiden. Steht im Betreff des Steuerbescheids " Dieser Steuerbescheid ergeht nach § 164 Abgabenordnung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung" , ist das ein Indiz dafür, dass das Finanzamt sich irgendwann zu einer Betriebsprüfung anmeldet.

In der Regel wird das Finanzamt einen zusammenhängenden Zeitraum von drei Jahren überprüfen. Steht also erstmals der Steuerbescheid 2016 unter dem Vorbehalt der Nachprüfung, wird das Finanzamt nach Abgabe der Steuererklärung 2018 eine Betriebsprüfung ankündigen und durchführen.

Praxis-Tipp: Steht der Steuerbescheid nicht unter Vorbehalt der Nachprüfung, kann es dennoch zu einer Prüfung kommen. In diesem Fall wird das Finanzamt den Bescheid aufgrund der getroffenen Feststellungen aufgrund neuer Tatsachen nach § 173 AO ändern.

Darf ein Prüfer unangemeldet in den Betrieb kommen und die Unterlagen fordern?

Bei einer Betriebsprüfung handelt es sich um eine „Außenprüfung“ und bei einer Außenprüfung muss sich der Prüfer des Finanzamts vor dem Prüfungsbeginn schriftlich per Prüfungsanordnung ankündigen. Bei Großbetrieben sollen zwischen Ankündigung und Prüfungsbeginn mindestens vier Wochen liegen, bei allen anderen Betrieben mindestens zwei Wochen.

Sonderfälle: Es gibt jedoch Ausnahmen. Bei der Lohnsteuer, bei der Umsatzsteuer und seit 2018 auch für Kassen kann der Prüfer tatsächlich unangemeldet klingeln und die Herausgabe der Steuerunterlagen fordern. Hierbei handelt es sich um eine Lohnsteuernachschau, um eine Umsatzsteuernachschau und ab 2018 um eine Kassennachschau.

Wie oft in welchen zeitlichen Abständen kann eine Betriebsprüfung stattfinden?

Bei Großbetrieben prüft das Finanzamt praktisch jedes Jahr. Geprüft werden aber immer Zeiträume zwischen drei und fünf Jahren. Je früher der Prüfer des Finanzamts mit seiner Prüfung beginnt, desto besser ist es für den Handwerker. Denn beginnt die Prüfung Jahre nach Ablauf des Steuerjahrs und der Betriebsprüfer hat Feststellungen mit Steuernachzahlungen (was leider der Regelfall sein dürfte), drohen hohe Nachzahlungszinsen von derzeit sechs Prozent pro Jahr.

Ist ein Handwerksbetrieb beim Finanzamt nicht als Großbetrieb eingestuft, wird das Finanzamt sich meist nicht allzu oft zu Betriebsprüfungen anmelden. Nach dem Zufallsprinzip wird das Finanzamt alle 10 bis 20 Jahre mal eine Betriebsprüfung durchführen.

Wie kann man einer Betriebsprüfung vorbeugen?

Bei Großbetrieben nein, weil diese wie beschrieben, für jedes Steuerjahr eine Prüfung über sich ergehen lassen. Für alle anderen Betriebe gilt Folgendes: Die Prüfung kann verhindert werden, wenn dem Finanzamt mit den Steuererklärungen möglichst viele Informationen zu Gewinnermittlung übermittelt werden. Ist die Gewinnermittlung plausibel erläutert, muss das Finanzamt nicht mehr vor Ort nach dem Rechten schauen.

Doch selbst wer dem Finanzamt alle erdenklichen Infos zur Gewinnermittlung zukommen lässt, kann eine Betriebsprüfung nicht komplett ausschließen. Denn wie bereits erwähnt, gibt es auch Zufallsprüfungen, bei denen der Finanzamts-Computer nach dem Zufallsprinzip einen Betrieb auswählt und zur Prüfung vorschlägt.

Kann ich mich gegen den für die Prüfung vorgesehenen Prüfer wehren bzw. ihn austauschen lassen?

In der schriftlichen Prüfungsanordnung, mit der sich der Prüfer des Finanzamts für eine Betriebsprüfung anmeldet, finden Sie Infos zum Prüfungsbeginn, zum Prüfungsumfang (Jahre und Steuerarten), zum Prüfungsort und auch zum Prüfer selbst.

Haben Sie schon viel (und nichts Gutes) von dem vorgesehenen Prüfer gehört, können Sie leider nichts dagegen tun. Der eingeteilte Prüfer kann nicht durch einen Einspruch gegen die Prüfungsanordnung abgewählt werden. Es gibt jedoch tatsächlich Fälle, bei denen der Leiter der Betriebsprüfungsstelle im Finanzamt oftmals den Prüfer austauscht. Gemeint sind folgende Fälle:

  • Der Prüfer hat bereits in der Vergangenheit Ihren Betrieb geprüft und es kam zu nachweisbaren unsachlichen Streitigkeiten.
  • Der Prüfer ist mit einem direkten Konkurrenten von Ihnen verwandt odernachweisbar mit diesem befreundet und Sie haben Bedenken, dass Ihre Firmeninterna in die falschen Hände kommen.

Praxis-Tipp: Sind Sie mit dem vorgesehenen Prüfer des Finanzamts nicht einverstanden, wenden Sie sich schriftlich an den Leiter der Betriebsprüfungsstelle und schildern Sie ihm sachlich Ihres Bedenken. Sollte der Leiter der Prüfungsstelle sich davon unbeeindruckt zeigen, wenden Sie sich mit Ihrem Anliegen an die übergeordnete Behörde (Landesamt für Finanzen oder Oberfinanzdirektion). Vielleicht ist man dort sachlicher und wird Ihrem Wunsch entsprechend einen anderen Prüfer einsetzen.

Verhaltensknigge während der Prüfung

Während der Prüfung sollten Sie den Prüfer zuvorkommend und höflich behandeln. Benennen Sie ihm seine Ansprechpartner, an die er sich bei Fragen wenden soll (Steuerberater, Buchhalter, Sie selbst) und weisen Sie allen anderen Mitarbeiter im Unternehmen an, keine Antworten auf seine Fragen zu geben.

Hat der Prüfer Fehler entdeckt, lassen Sie sich diese schriftlich erläutern. Nur so sind Sie und Ihr Steuerberater in der Lage, sich gezielt auf eine abschließende Besprechung vorzubereiten.

Praxis-Tipp: Verzichten Sie besser darauf, den Prüfer als Geste der Höflichkeit zum Essen einzuladen. Wasser und Kaffee sind in Ordnung. Ein Essen ist zu viel des Guten, zumal der Prüfer die entspannte Stimmung dazu nutzen könnte, Ihnen Infos zu entlocken, die zu neuen steuerlichen Feststellungen führen können.

Schlussbesprechung ein Muss

Hat der Prüfer Feststellungen, sollten Sie darum bitten, dass diese alle in einer Schlussbesprechung erneut diskutiert werden sollen. Bei der Schlussbesprechung sollte immer der Steuerberater mit von der Partie sein. Denn bei der Schlussbesprechung sollte versucht werden, einen für beide Seiten annehmbaren Kompromiss gefunden zu werden.

Signalisiert Ihr Steuerberater bei verschiedenen Feststellungen, dass er sich hiergegen mit einem Einspruch wehren wird, dürfte das die Kompromissbereitschaft des Prüfers erhöhen. Schließlich kostet ihn ein Einspruchsschreiben viel Zeit, die eigentlich nicht hat.

© deutsche-handwerks-zeitung.de 2019 - Alle Rechte vorbehalten