Von der Kraftdroschke zum Ökomobil: Das Auto hat eine lange Reise hinter sich. Nun muss es neu erfunden werden.
Burkhard Riering

Die Väter des Antriebs
Welcher Antrieb denn der beste sei, darüber wurde immer schon viel geredet. Kaiser Wilhelm II., nicht gerade ein Freund des Fortschritts, murrte einmal: „Ich glaube an das Pferd. Das Auto ist nur eine vorübergehende Erscheinung.“ Die hohe Zeit der Pferdekutschen war aber Ende des 19. Jahrhunderts vorbei und die der Kraftwagen angebrochen – auch wenn das der sture Wilhelm nicht wahrhaben wollte.
Es waren die Pioniere Carl Benz und Gottlieb Daimler, die das geschafft haben. Ausgerechnet ein Schwabe und ein Badener sind die Väter des Motorwagens, die mit ihren Ideen die Welt veränderten. Dass sie die ersten waren, daran gibt es kaum Zweifel, auch wenn US-Präsident Barack Obama in einer Rede vor dem Kongress tatsächlich einmal behauptete, dass Amerika das Automobil erfunden habe. Man möchte ihm gemäß einer bekannten Kräuterbonbon-Reklame zurufen: "Wääär hat’s erfunden?“ Obama würde seine Aussage wahrscheinlich nicht wiederholen.
Am Anfang war das "Tricycle“
Die Geschichte des Autos beginnt vor 125 Jahren im heutigen Baden-Württemberg. Am Anfang war das "Tricycle“, ein Dreirad, das einen "Verdampfer“ und natürlich einen Verbrennungsmotor besaß. Am Steuer saß Carl Friedrich Benz, der zunächst seine Runden über den Fabrikhof drehte, dann auf den Straßen Mannheims fuhr, mit nur 0,8 PS. Fast möchte man es Kaiser Wilhelm nicht verdenken, dass er noch an das Pferd glaubte.
Parallel schraubte Gottlieb Daimler an seinem Lebenstraum. Benz und Daimler wussten nichts voneinander, heißt es. Der Schwabe stellte 1885 einen Motor her, der in einen Kutschenwagen passte. Mit 1,1 PS und 18 km/h geht dieses Gefährt als erster "vierrädriger, motorbetriebener, verkehrsfähiger Personenkraftwagen“ in die Geschichte ein.
Dass der Verbrennungsmotor für mehr als ein Jahrhundert das Nonplusultra sein würde, war damals noch nicht klar. Alles Mögliche wurde in den Anfangsjahren versucht, es wurde herumprobiert und -experimentiert. Erste Kutschen fuhren sogar schon vor der Erfindung des Verbrennungsmotors per Dampfmaschine. Und ein Ferdinand Porsche konstruierte anno 1900 den ersten serienmäßigen Hybridantrieb: den Lohner Porsche Semper Vivus, ein batteriebetriebenes Auto. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking erzählte in den vergangenen Jahren gern, mit einem Augenzwinkern, dass der Sportwagenbauer beim E-Auto schon immer vorn dabei war.
Rudolf Diesel, der tragische Held
Viele andere Autotüftler folgten, die sich in die Ahnengalerie der Autowelt einreihen dürfen. Da ist Rudolf Diesel, ein tragischer Held, der 1913 unter ungeklärten Umständen von einem Schiff im Ärmelkanal verschwand und nie wieder auftauchte. Er entwickelte einen Motor, der wegen der hohen Kraftwirkung schnell zu einer Erfolgsstory in der Autoindustrie avancierte. Da ist auch der Amerikaner Henry Ford, an den vielleicht Obama gedacht hat, der immerhin das T-Modell – die berühmte "Tin Lizzy“ – 1913 als Erster in Großserie fertigte. Amerika wurde so das Land der Massenproduktion.
Trotz der langen Geschichte des Autos konnte bis heute ein Problem nicht gelöst werden: Das Auto verbrennt relativ viel Sprit und bringt relativ wenig Leistung. Das war lange Zeit nicht so wichtig – mit Ausnahme der beiden Ölkrisen –, doch inzwischen sehen auch die Autohersteller ein, dass die fossilen Brennstoffreservoire endlich sind und das Auto zu viel klimaschädliches Kohlendioxid ausstößt. Daher forschen die Konzerne mit Nachdruck an den neuen Zukunftstechnologien, auch wenn noch viel Entwicklungsarbeit zu leisten ist.
Strom, Hybrid, Brennstoffzelle
Das Auto neu zu erfinden – das heißt für viele: aus Automobil wird Elektromobil. Nach dem Willen der Bundesregierung sollen bis zum 2020 eine Million Elektroautos auf der Straße rollen. Ein Ziel, das gewagt erscheint. Denn neben dem Stromauto entwickeln Hersteller und Zulieferer auch verbesserte Benziner, Hybrids und andere alternative Antriebe. "Dass am Ende nur ein Antrieb übrig bleibt, ist zurzeit eher unwahrscheinlich“, sagt Daimler-Chef Dieter Zetsche im Interview mit der Deutschen Handwerks Zeitung . Allein im Bereich der Elektromobilität stehen mit der Batterie und der Brennstoffzelle zwei konkurrierende Antriebe im Wettbewerb. Daimler macht nun das eine, ohne das andere zu lassen. Zetsche: "Es geht darum, unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden.“
Von Stuttgart aus starteten am 30. Januar 2011 drei Brennstoffzellen-Fahrzeuge der Daimler AG zu einer Fahrt um die Welt. 14 Länder, vier Kontinente, mehr als 30.000 Kilometer, alles in 125 Tagen, alles emissionsfrei. Daimler will damit zeigen, wie weit man schon mit der umweltfreundlichen Technik ist. Was früher Kutschen ohne Pferd waren, sind heute eben Autos ohne Emission.