Sprachgebrauch Die Unwörter des Jahres 2017

Fake News, Sondierungsgespräche oder Obergrenze – diese und weitere Begriffe wurden für das Unwort des Jahres eingereicht. Welche Wörter die Jury ausgewählt hat und warum.

"Alternative Fakten" ist Unwort des Jahres 2017. - © picture alliance/APA/picturedesk.com

"Alternative Fakten" ist das Unwort des Jahres 2017. Dies gab eine Jury aus Sprachwissenschaftlern am Dienstag, 16. Januar, bekannt. Insgesamt erhielt die Jury mehr als 1300 Einsendungen mit fast 700 verschiedenen Ausdrücken.

In der Begründung der Jury heißt es: "Die Bezeichnung 'alternative Fakten' ist der verschleiernde und irreführende Ausdruck für den Versuch, Falschbehauptungen als legitimes Mittel der öffentlichen Auseinandersetzung Salonfähig zu machen. Der Begriff ist vor allem aus dem amerikanischen Sprachgebrauch bekannt. Eine Beraterin von US-Präsident Donald Trump bezeichnete die falsche Tatsachenbehauptung zur Amtseinführung des Präsidenten seien so viele Feiernde auf der Straße gewesen wie nie zuvor bei einer andern Amtseinführung, als 'alternative Fakten' ".

Shuttle-Service und Genderwahn ebenfalls zu Unwörtern des Jahres gewählt

 Die Jury wählte außerdem noch zwei weitere Unwörter des Jahres 2017:

  • Shuttle-Service: Mit diesem Begriff werden sowohl die flüchtenden Menschen als auch vor allem diejenigen diffamiert, die ihnen humanitäre Hilfe leisten, heißt es in der Begründung. Zurückzuführen ist er auf eine Äußerung von Stephan Mayer, innenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Die Seenotrettungseinsätze von Nichtregierungsorganisationen im Mittelmeer seien für ihn "ein Shuttle-Service zum italienischen Festland".
  • Genderwahn: Mit diesem Wort werden in konservativen und rechtspopulistischen Kreisen Bemühungen um Geschlechtergerechtigkeit diffamiert, heißt es in der Begründung der Jury.

Dies waren die häufigsten Vorschläge für das Unwort des Jahres:

Platz Vorschlag Anzahl der Einreichungen
1 Babycaust 122
2 Alternative Fakten 65
3 Nazi 34
4 Sondierungsgespräche 27
5 ergebnisoffen 21
6 Jamaika-Koalition 18
7 Atmender Deckel 16
8 Obergrenze 16
9 Fake News 16
10 Bio-Deutsche(r) 15

Zum "Unwort des Jahres" wird seit 1991 jedes Jahr ein Begriff gekürt, der gegen das "Prinzip der Menschenwürde" oder gegen "Prinzipien der Demokratie" verstößt, weil er gesellschaftliche Gruppen diskriminiere oder "euphemistisch, verschleiernd oder gar irreführend" sei. 2016 war die Wahl auf "Volksverräter" gefallen, 2015 auf "Gutmensch", 2014 auf "Lügenpresse".

>> Ende 2017 wurde bereits das Wort des Jahres gewählt. Das Ranking im Überblick. <<

Über die Jury

Die Jury besteht aus vier Sprachwissenschaftlern und einem Journalisten, die Sprachkritik auch außerhalb der Universität für relevant halten. Die Jury wird im jährlichen Wechsel durch ein weiteres sprachinteressiertes Mitglied aus dem Bereich des öffentlichen Kultur- und Medienbetriebes ergänzt. Sie arbeitet institutionell unabhängig, d.h. ist weder an einzelne Universitäten, Sprachgesellschaften/-vereine oder Verlage gebunden.