Die unbekannte Normandie entdecken

Diesen atemberaubenden Blick hatte schon Richard Löwenherz: Vom Château Gaillard über das Seinetal. Als König von Frankreich war er auch Herzog der Normandie. Um seine Herrschaft gegen König Philipp II. von Frankreich zu verteidigen, ließ Richard Löwenherz Ende des 12. Jahrhunderts in Les Andélys in nur zwei Jahren die Wehrburg errichten.

Daniela Lorenz

Vom Hügel des Château Gaillard aus hat man einen wunderschönen Blick über das Seinetal. Foto: Dieter Basse

Ihre Lage war ideal, um den Fluss Seine zu überwachen und die Stadt Rouen zu schützen. Heute kann man von der Ruine aus immer noch den wunderschönen 360-Grad-Panorama-Blick genießen.

Ihren 1.100 Geburtstag feiert die Normandie in diesem Jahr und viele Jahrhunderte lang war ihre Geschichte eng mit der Geschichte Südenglands verbunden. Doch es sind nicht nur die bekannten Touristenziele wie beispielsweise der Mont Saint Michel, die Kathedrale von Rouen, der Wandteppich von Bayeux oder Claude Monets Wohnort Giverny, die diese Region im äußersten Norden Frankreichs ausmachen. Es gibt auch einen unbekannten Teil der Normandie, den es zu entdecken gilt.

Versailles der Pferde

Das Departement Orne beispielsweise ist bekannt für seine Pferde. Hier lohnt sich ein Besuch im Nationalgestüt Haras du Pin. Es wurde vom Sonnenkönig Ludwig XIV erbaut, was die prunkvolle barocke und schlossähnliche Architektur mit Schloß, Ställen und Ehrenhof erklärt und weswegen es auch den Namen „Versailles der Pferde“ trägt. Heute züchtet das Nationalgestüt verschiedene Pferderassen, allen voran Vollblüter, aber auch den normannischen Esel und kümmert sich um die Erhaltung alter normannischer Rassen wie des Percheron, eine Zugpferdrasse. Regelmäßig finden Vorführungen statt, vor einem Besuch aber unbedingt die Öffnungszeiten prüfen (haras-national-du-pin.com). Im Jahr 2014 werden die Weltreiterspiele in der Normandie ausgetragen.

Kunstliebhaber sollten sich den Park des Château de Vascoeuil, etwa 20 km östlich von Rouen, anschauen. In diesem wunderschönen Park sind 50 Kunstwerke ausgestellt. Skulpturen etwa von Dali, Volti und Braque. Wenige Kilometer weiter liegt ein typisches normannisches Dorf: Lyons-la-Forêt mit seinen Fachwerkhäusern und der hölzernen Markthalle. Das Dorf trägt das Label „Plus beaux village de France“.

Unbezahlbare Handarbeit

Alençon im Süden der Normandie hingegen ist die Hauptstadt der Spitze (frz. dentelle). Das Musée des Beaux Arts et da la Dentelle d’Alençon zeigt eine Sammlung dieser feinen, mit der Nadel gestickten Handwerkskunst und eine ausführliche Dokumentation der Herstellungsweise.

Dass diese Handarbeit in Alençon angesiedelt ist, geht ebenfalls auf den Sonnenkönig Ludwig XIV. zurück. Zu seiner Zeit war venezianische Spitze in Mode. Ein weißer Spitzenkragen zeugte bei Adel und Klerus von großem Reichtum, denn schon damals war die feine Handarbeit sehr teuer. Für einen Quadratzentimeter Spitze sind 10 bis 14 Arbeitsstunden nötig. Da es Ludwig XIV. missfiel, dass das ganze Geld für die teure Spitze nach Italien floss, richtete er in Alençon eine Spitzenmanufaktur ein.

Die Bewahrung dieser handwerklichen Kunst, die immaterielles Unesco-Weltkulturerbe ist, wird heute gefördert. Acht Frauen erhalten in Alençon die Tradition aufrecht. Sie arbeiten morgens und auch nur für drei Stunden am Tag, weil die Arbeit für die Augen so anstrengend ist. Der Faden aus ägyptischer Baumwolle ist so dünn wie ein Haar. Jedes Stück Spitze wird in zehn aufwendigen Arbeitsschritten gefertigt. Zu kaufen gibt es die Spitze heute nicht mehr.

Noch ein Tipp: Wohnen kann man in der Normandie beispielsweise in so genannten Chambres d’Hôtes. Das sind Gästezimmer in Privathäusern. Ein besonders schönes und gastfreundliches Domizil ist das La Louvière (louviere.fr) in Saint-Denis-sur-Sarthon in der Nähe von Alençon.

Kontakt:

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Tourismusverband der Normandie
14, rue Charles Corbeau
27000 Evreux
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