Passeiertal Die Südtiroler Alternative zum Jakobsweg

Das Passeiertal in der Ferienregion Meraner Land bietet unberührte Natur, klimatische Vielfalt und lebendige Kultur. Von Christine Heilmannseder

Die elf Schildhöfe in Passeiertal sind sehr unterschiedlich erbaut: Manche wurden burg- oder schlossähnlich errichtet, einige wiederum, wie der Hof in Kaln, in typischem Tiroler Bauernstil. Fotos: Petr Blaha

Die Südtiroler Alternative zum Jakobsweg

Nördlich von Meran liegt ein Tal voller Gegensätze: Hier wachsen Edelweiß und Palmen, es wird gleichzeitig Golf gespielt und Ski gefahren, mittags bekommt man Bauernschmankerl und am Abend Scampi – hier erlebt der Gast die ganze Vielfalt Südtirols. Ein Zusammenspiel aus weitgehend unberührter Natur, klimatischer Vielfalt und lebendiger Kultur machen das Passeiertal zu einem der ursprünglichsten Täler Südtirols. Die Heimat des Tiroler Freiheitskämpfers Andreas Hofer hat 300 Sonnentage im Jahr aufzuweisen, bereits ab April erstrahlt die Blütenpracht der Apfelwiesen und im Juni erreicht der Bergfrühling mit der Blüte der Alpenrosen sein Finale.

Großes Netz an Wanderwegen

Sport wird im Passeiertal großgeschrieben, allem voran das Wandern. Wer schrittweise die Natur erobern will, dem stehen rund 200 km gut ausgeschilderte Wanderwege zur Verfügung. Eine Besonderheit sind die sechs Waalwege mit insgesamt 38,5 km. Das sind uralte Bewässerungskanäle, die vom Hinterpasseier bis nach Meran führen. Es gibt aber auch geführte Wanderungen am Schneeberg, alpines Gipfelwandern mit der Bergführervereinigung Passeier-Schnals, Höfewanderungen mit den Passeirer Bäuerinnen sowie naturkundliche Wanderungen. Wer jedoch die alten Pfade von Kelten, Römern und Rätern betreten will, der folgt dem Meraner Höhenweg, dem Tiroler Höhenweg oder dem Europäischen Fernwanderweg.

In Hinterpasseier, im Herzen des Naturparks Texelgruppe und der Ötztaler Alpen, liegt der Ort Pfelders. Wo blühende Almwiesen und schattige Wälder grüne Ferien versprechen, ist kein Platz für Blechkolonnen. Der autofreie Urlaubsort ist bei Wanderern äußerst beliebt, zudem ist er auch einer der Einstiege in den berühmten Meraner Höhenweg.

Die traumhaften Ausblicke auf das Passeiertal und die abwechslungsreiche Landschaft machen auf diesem atemberaubenden Weg das Wandern zu einem echten Erlebnis. Wohl auch deshalb wird er von Kennern augenzwinkernd als Alternative zum Jakobsweg genannt. Obschon er nicht so lang ist wie dieser, umrundet er doch auf einer Länge von immerhin 100 km den Naturpark Texelgruppe und gilt mit zahlreichen Auf- und Abstiegsmöglichkeiten und herrlichen Aussichten auf die umliegenden Südtiroler Dreitausender als einer der schönsten Wanderwege der Alpen. Beim Höhenweg-Wandern fällt der Blick auch auf die Pfandler Alm, die durch den Tiroler Andreas Hofer berühmt wurde. Hofer hielt sich hier vor den Franzosen versteckt, bis er 1809 gefangen genommen wurde.

Prächtige Schildhöfe

Eine Besonderheit des Passeiertals sind die prächtigen Schildhöfe, Symbol für den Stolz und das Selbstbewusstsein der Psairer. Elf stehen heute noch im Tal, prächtig bemalt und mit trutzigem Turm. Den Schildherren wurden Adelsprivilegien zugestanden wie das Fischen und Jagen, denn sie sicherten den Grafen von Tirol auf ihrem Stammschloss bei Meran Unterstützung mit Waffen und Männern zu. Heute beherbergen einige der historischen Schildhöfe Gäste, auch auf Vier-Sterne-Niveau. Andere sind beliebte Ausflugsziele, wie die Jaufenburg bei St. Leonhard, deren gut erhaltener Bergfried schon von Weitem zu sehen ist.

Auf dem gesamten Rundweg laden Gasthöfe, Schutzhütten und Jausenstationen zur Einkehr bei typischen Südtiroler Schmankerl wie Bauernspeck, Almkäse, hausgemachten Knödel oder Apfelstrudel ein.

Bei der Planung und Erbauung des Meraner Höhenweges wurden zum größten Teil bereits vorhandene historische Wege, die schon jahrhundertelang von Bergbauern benutzt wurden, eingebunden und zu diesem einzigartigen Wanderweg verbunden.