Den Sicherheitsbehörden in Schleswig-Holstein steht ein unruhiges Wochenende bevor: Wie der Verfassungsschutz am Dienstag bestätigte, planen einige der radikalsten Islamisten Deutschlands, von Freitag bis Sonntag ein mehrtägiges "Islamseminar" in Lübeck abzuhalten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd werden dabei die Prediger Abu Dujana und Abu Abdullah auftreten.
Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Prediger
Lübeck (dapd-nrd). Den Sicherheitsbehörden in Schleswig-Holstein steht ein unruhiges Wochenende bevor: Wie der Verfassungsschutz am Dienstag bestätigte, planen einige der radikalsten Islamisten Deutschlands, von Freitag bis Sonntag ein mehrtägiges "Islamseminar" in Lübeck abzuhalten. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd werden dabei die Prediger Abu Dujana und Abu Abdullah auftreten. Ihre Ansprachen gelten als integrations- und verfassungsfeindlich, sowie als Gewalt befürwortend.
In einem Video wird auch ein Auftritt des Frankfurter Predigers Abdellatif R. angekündigt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn, weil er Muslime für den bewaffneten "Heiligen Krieg" angeworben haben soll. "Wir werten dazu zurzeit die bei Durchsuchungen beschlagnahmten Unterlagen aus", sagte die Sprecherin der Frankfurter Staatsanwaltschaft, Doris Möller-Scheu. Auch der mutmaßliche Todesschütze vom Frankfurter Flughafen, Arid U., hatte auf seiner Facebook-Seite Sympathie für den 39-jährigen Prediger gezeigt.
Veranstalter des Treffens ist die Bonner Gruppe "Die wahre Religion". Sie gehört zur Bewegung des Salafismus, der am schnellsten wachsenden radikalen Strömung innerhalb des Islam. Unter den salafistischen Gruppierungen gilt sie als besonders extrem. "Die 'wahre Religion' geht immer noch einen Tick weiter als andere Gruppen", sagte der Leiter des schleswig-holsteinischen Verfassungsschutzes, Horst Eger, am Dienstag auf Anfrage der dapd. Ziel der Organisation sei es, Teilnehmer aus der Gesellschaft herauszulösen.
Einer der Vorbeter der "wahren Religion", der für das Seminar angekündigte Prediger Abu Abdullah, verherrlicht in seinen Internet-Botschaften offen den bewaffneten "Heiligen Krieg" und den Kampf von Märtyrern für Allah: "Wenn der erste Blutstropfen den Körper verlassen hat, hat Allah ihm alle seine Sünden vergeben. Allahu Akbar! Warum? Weil er hat alles gegeben für Allah." In Sicherheitskreisen gelten solche Ansprachen als Weg bereitend für die Ausreise in den "Heiligen Krieg" oder in Terrorcamps ins afghanisch-pakistanische Grenzgebiet.
Das Seminar soll in der Assalam-Moschee in einem Wohn- und Gewerbegebiet im Lübecker Stadtteil St. Lorenz Süd stattfinden. Das Vorstandsmitglied Ali Gasmi, der seine Gemeinde auf Anfrage als liberal und Treffpunkt vor allem für Lübecker Muslime aus Nordafrika bezeichnete, bestätigte, der Anfrage für das Seminar zugestimmt zu haben. Den Hintergrund der Gruppe und ihre Vorbeter kenne er aber nicht. "Wenn die etwas machen, was mir nicht gefällt, werde ich das unterbinden", sagte Gasmi. Im vergangenen Jahr hatten Moscheevereine ihre Zusagen für Seminare der Gruppe nach Medienberichten und öffentlichen Protesten wiederholt zurückgenommen.
Verfassungsschutz-Chef Eger sicherte zu, das Seminar im Blick zu haben. "Solange die Gruppe nicht verboten ist, kann der Staat aber auch ihre Treffen nicht verbieten", sagte Eger.
dapd
