Die Saat geht auf

Linzgau Korn: Ein regionales Netzwerk vereint Bauern, Müller und Bäcker

Uli Steudel

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    Erntet die Früchte seines Engagements für faire Partnerschaft: Seit Oktober verwendet Bäckermeister Josef Baader für seine Brote ausschließlich Mehl, das aus Linzgauer Getreide gemahlen wurde. Fotos: Balser (2)
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    Fest verwurzelt in der Region: Müllermeister Johannes Schuler. Foto: Steudel

Die Saat geht auf

Im Bodenseekreis wurde dieses Jahr besonders euphorisch Erntedank gefeiert. Nicht nur die üppige Getreideernte bot Anlass zur Freude. Erstmals haben 14 Landwirte, ein Bäcker- und ein Müllermeister quasi ein gemeinsames Feld bestellt, dessen Ertrag nun auf fruchtbaren Boden fällt. Seit Mitte Oktober wird in der Landbäckerei Baader in Frickingen Brot ausschließlich mit Mehl aus Linzgauer Korn gebacken. Transparenz vom Acker bis zur Ladentheke, so das Versprechen. Und weil sich die gesamte Wertschöpfungskette ausschließlich durch die Region zieht, erhalten alle Beteiligten faire Preise.

Der Bauer als Partner

Als Josef Baader 1989 die elterliche Bäckerei im Herzen von Frickingen in siebenter Generation übernahm, kosteten 100 Kilogramm Weizen rund 90 Mark. Im Jahr 2006 bezahlte er noch 22 Euro. In gleichem Maß, wie der Getreidepreis fiel, war Gebäck immer teuerer geworden. „Ich konnte doch keinem Landwirt mehr in die Augen schauen“, gesteht der Initiator des Projektes Linzgau Korn, in dessen Unternehmensphilosophie das Wort Partnerschaft eine zentrale Rolle spielt.

Heute bekommen die Bauern, die sich dem Projekt angeschlossen haben, einen Aufschlag von 4 Euro auf den Basispreis, der bei den Preisverhandlungen im August bei 18 Euro lag. Also erhalten die Landwirte für ihre Ernte 22 Euro pro Dezitonne Getreide. Da der Preis bei diesem Betrag nach unten gedeckelt wurde, profitieren die Bauern nun noch stärker von der Partnerschaft. Denn Anfang November hätten sie für ihr Getreide auf dem freien Markt nur noch 12 Euro bekommen.

Für die Verbraucher wirkt sich der höhere Einkaufspreis der Bäckerei nur geringfügig aus. 1 Cent pro Brötchen und 5 Cent beim Brot müssen die Kunden der Landbäckerei Baader drauflegen. Dafür erhalten sie ein Lebensmittel, dessen wichtigste Zutaten auf heimischer Krume gewachsen sind. Und das nach strengen Auflagen. Fünf der Projektpartner sind Biohöfe, die nach den Vorgaben von Demeter oder Bioland wirtschaften. Die restlichen Landwirte arbeiten nach den Kriterien des Qualitätszeichens Baden-Württemberg. Alle dürfen zum Beispiel kein gentechnisch verändertes Saatgut und keine Halmverkürzer einsetzen, mit denen die Agrarwirtschaft ihre Erträge erhöht. Außerdem müssen sie eine viergliedrige Fruchtfolge einhalten und Blühstreifen anlegen. Die Blumen und Kräuter der „Tübinger Mischung“ sorgen dafür, dass es über den gesamten Vegetationszeitraum genügend Nahrung für Insekten gibt.

„Unsere Kunden bezahlen gern ein paar Cent mehr, wenn sie nachvollziehen können, dass damit die Umwelt geschützt und die Region gestärkt wird“, ist sich Baader sicher. Wohl wissend, dass das wirtschaftliche Umfeld mit Vollbeschäftigung im Linzgau die Umsetzung seiner Idee vom fairen Miteinander vereinfacht.

Unterstützung vom Land

Doch wie hat Bäckermeister Baader sein Netzwerk geknüpft? Entscheidende Unterstützung erhielt der 43-Jährige durch das „Projekt des Landes zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt“, kurz Plenum, das in ganz Baden-Württemberg Initiativen zur nachhaltigen Regionalentwicklung fördert, auch finanziell. Von den gut 40.000 Euro, die das Projekt Linzgau Korn in den ersten beiden

Jahren für Marketing und Organisation verschlingt, werden 60 Prozent bezuschusst. Den Rest trägt die Landbäckerei Baader. „Das Geld ist gut angelegt“, versichert der Inhaber und freut sich, wenn seine Kunden von Spaziergängen berichten, bei denen sie anhand der Feldschilder erkennen konnten: Hier wächst das Getreide, aus dem einmal mein Brot gebacken wird.

In insgesamt acht Sitzungen mit den Landwirten wurde das Projekt seit April 2007 intensiv vorbereitet. Von den anfangs 25 interessierten Bauern haben sich schließlich 14 dem Verbund angeschlossen und in diesem Jahr erstmals Weizen, Roggen, Dinkel, Nackthafer und Emmer – eine Art Urweizen – für das Projekt Linzgau Korn angebaut.

In der Region verwurzelt

Mit der Mönchmühle in Ravensburg arbeitet die Landbäckerei Baader schon länger zusammen. Müllermeister Johannes Schuler war von der Idee seines Kunden gleich überzeugt. „Grundnahrungsmittel tausende Kilometer durch Europa zu karren, macht volkswirtschaftlich keinen Sinn. Bald wird sich das wegen steigender Energiepreise ohnehin niemand mehr leisten können“, blickt Schuler in die Zukunft. Er hat deshalb kräftig investiert und ein Getreidesilo mit einer Kapazität von 10.000 Tonnen gekauft. Dort kann auch das Linzgau Korn separat gelagert werden.

Die Mönchmühle, deren Geschichte sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt und die seit 1860 der Familie Schuler gehört, ist selbst fest in der Region verankert. Der Mühlenladen musste sogar erweitert werden, so groß war der Zustrom ernährungsbewusster Kunden geworden. Außerdem beliefert Schuler 30 kleine Lebensmittelgeschäfte der Region mit seinen Naturprodukten. Dass der Müllermeister für das Projekt Linzgau Korn nicht erst überzeugt werden musste, liegt auf der Hand.

800 Tonnen Getreide hat die erste Ernte des Projektes Linzgau Korn eingebracht. „Der hohe Ertrag ist die beste Motivation für alle Beteiligten“, freut sich Josef Baader. Und so fruchtbar wie das Land, scheint auch die vom Bäckermeister angestrebte Partnerschaft zu sein. Der nächste Bäcker für das Projekt steht schon in den Startlöchern. Auch die Schar der angeschlossenen Landwirte wird wachsen – auf das das Projekt weiterhin gut gedeiht.