„Die reduzierte Mehrwertsteuer belastet den Haushalt nicht“

DHZ-Gespräch mit Andreas Popp, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks

Interview: Frank Muck

Andreas Popp, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Friseurhandwerks.Foto: ZV Friseurhandwerk

„Die reduzierte Mehrwertsteuer belastet den Haushalt nicht“

DHZ: Frankreich will den reduzierten Mehrwertsteuersatz in bestimmten Branchen zulassen. Wie sehen Sie die Chancen, dass Deutschland nachzieht?

Popp: Nachdem ein Versuch in den Niederlanden sehr erfolgreich läuft und Herr Steinbrück seine Zustimmung zur europaweiten Einführung zur reduzierten Mehrwertsteuer gegeben hat, sehe ich die Chancen sehr positiv, weil ich denke, dass sich Deutschland dem nicht entziehen kann, wenn alle angrenzenden Länder nach 2010 reduzierte Mehrwertsteuersätze für das Friseurhandwerk einführen.

DHZ: Welche Vorteile sehen Sie speziell für die Friseurbranche?

Popp: Wenn wir eine reduzierte Mehrwertsteuer haben, wird sich kein Friseur weigern können, seine Preise in Höhe der Reduzierung zu senken. Dadurch haben die Kunden einen Preisvorteil und unsere Dienstleistung wird verstärkt nachgefragt. Die Erfahrungen in anderen Ländern haben gezeigt, dass dadurch außerdem ein großer Erfolg im Kampf gegen die Schwarzarbeit zu verzeichnen ist. Sie wissen, dass wir ungefähr 20.000 Betriebe haben, die keine Mehrwertsteuer zahlen. Nach der Anpassung der Preise wäre die Differenz zu diesen Betrieben nicht mehr so hoch. Hinzu kommt, dass durch den erhöhten Umsatz die Löhne angepasst werden können, speziell in den neuen Bundesländern.

DHZ: Für welche Branchen wäre die reduzierte Mehrwersteuer ebenfalls interessant?

Popp: Es gibt ja schon den Versuch, den reduzierten Satz für kleinere Reparaturdienstleistungen, kleinere Reinigungs- und Wartungsleistungen anzuwenden. Teile der Bau- und Ausbaugewerbe wären auch gern dabei. Auch für Reinigungsunternehmen wäre es sinnvoll. Bei allen Gewerben, die sehr personalintensiv sind, wäre eine reduzierte Mehrwertsteuer hilfreich.

DHZ: Der Staatshaushalt ist stark belastet. Sollte der reduzierte Mehrwertsteuersatz kommen, müsste an anderer Stelle gespart werden. Wo sehen Sie Einsparpotenziale?

Popp: Ich bin nicht der Meinung, dass die reduzierte Mehrwertsteuer auf den Haushalt durchschlägt. Durch mehr Umsatz werden mehr Umsatzsteuern eingenommen. Durch die Anpassung der Löhne und durch mehr Sozialabgaben wird das geringere Mehrwertsteueraufkommen ausgeglichen. Bei den hohen Beträgen, die die Bundesrepublik den Banken und Großbetrieben gewährt, wird das eh nicht so groß ins Gewicht fallen. Wir sind der Überzeugung, dass die reduzierte Mehrwertsteuer langfristig nicht belastet.

DHZ: Welche konkreten Hürden sehen Sie noch bei der Durchsetzung?

Popp: Wir vom Friseurhandwerk müssen unsere deutschen Politiker davon überzeugen und mit guten Beispielen darlegen, wie es in anderen Ländern funktioniert. Meist ist es eine persönliche Sache des Finanzministers.