Schutzkleidung wird immer funktioneller – mitunter werden bis zu acht Schutzklassen in einem Anzug kombiniert. Meist ging Sicherheit zu Lasten des Tragekomforts: So vermittelte die Arbeitsgarderobe das Gefühl, in einer Plastiktüte zu stecken. Doch dank neuer Entwicklungen bei Fasern und Gewebe hat sich das Blatt gewendet.
Sabine Anton-Katzenbach

Feuchtigkeitsmanagement, Atmungsaktivität und Klimakomfort gehören zu einer modernen Schutzkleidung. Eine Schutzkleidung muss in erster Linie Sicherheit gegen die Risiken am Arbeitsplatz garantieren. Flammen, Hitze, flüssiges Metall, schlechtes Wetter und eingeschränkte Sichtverhältnisse, Chemikalien, die Gefahr einer Störlichtbogenbildung und einer statischer Entladung zählen zu den Risiken, denen Mitarbeiter ausgesetzt sein können.
Da in vielen Arbeitsbereichen eine Kombination verschiedener Gefährdungen auftreten kann, begann vor einigen Jahren der Siegeszug der multifunktionellen Schutzkleidung. Sie vereint wenigstens drei und maximal acht Normen in einem Teil. Doch der hohe Funktionsgrad ging in der Regel zu Lasten des Tragekomforts. Schwitzen unter der Garderobe, hohes Gewicht der Kleidung oder auch eingeschränkte Bewegungsfreiheit waren meist programmiert. Außerdem schränken Fluorcarbon-Ausrüstungen, die etwa für Chemikalien- und Wetterschutzkleidung benötigt werden, den Komfort zusätzlich ein. Das führte dazu, dass die Beschäftigten die Schutzkleidung nur in Ausnahmesituationen trugen.
Stabile Körpertemperatur
Durch die Nutzung von ausgewählten Spezialfasern kann der Komfort von Schutzkleidung erheblich verbessert werden. Schwer entflammbare, saugfähige Fasern wie Wolle oder die Viskosefaser Lenzing FR verhindern beispielsweise eine Erhöhung der Körperkerntemperatur, die durch körperliche Anstrengung oder eine heiße Umgebung hervorgerufen wird. Darüber hinaus verleihen sie den Geweben für Hitze-, Schweißer- und Störlichtbogenschutzkleidung einen sehr textilen Charakter und einen angenehm weichen Griff.
Die Eigenschaften leiden durch den hohen Anteil an Aramid-Fasern, zu denen Nomex oder Kermel zählen. Ohne Einschränkung der Sicherheit verbessern ausgewählte Mischungen der Komponenten das Eigenschaftsprofil der Kleidung. Der Wohlfühlfaktor steigt, die durch Unwohlsein in der Garderobe verursachte Unaufmerksamkeit nimmt ab. Eine weitere Mischungskomponente für die Viskosefaser aus Österreich sind Modacryle. Sie verbessern die Atmungsaktivität und Feuchtigkeitsaufnahme der im Vergleich preiswerteren Gewebe. Die schwer entflammbaren Materialien bieten sehr gute Wetter- und Lichtbeständigkeit, sehr hohe mechanische Festigkeit und eine ausreichende Chemikalienbeständigkeit.
Auch die aus der Sportswear bekannten Mehrkanal-Fasern haben als schwer entflammbare Variante Einzug in die Schutzkleidung gehalten. Ihre spezielle, mehrkanalige Oberfläche wirkt wie ein Löschblatt: Schweiß wird abtransportiert. Die Haut bleibt trocken, die Körpertemperatur normal. Die Leistungsfähigkeit bleibt erhalten.
Outdoor-Material hilft
Ebenfalls aus Outdoor- und Sportbekleidung bekannt sind Softshells, die weich, wärmend und wetterfest sind. Die erst vor wenigen Jahren auf dem Markt eingeführten Materialien sind im Schutzkleidungsbereich angekommen. Sie fassen unterschiedliche Materialien und deren Vorteile zusammen. So wird eine robuste und leicht dehnbare Außenschicht mit einer wasser- und windundurchlässigen, atmungsaktiven Membran kombiniert. Die Innenschicht besteht aus dauerhaft flammhemmenden Fleece, das dem Textil eine wärmende Funktion verleiht.
Unter den neuen Schutzkleidungsgeweben gibt es auch eine Hightech-Lösung. Sie heißt Teflon und kommt in Form einer Mischung mit Nomex daher. Da Polytetrafluorethylen (PTFE, Teflon) neben seiner Schwerentflammbarkeit auch einen kühlenden Effekt auf die Haut hat, wird die Faser zur Innenseite verarbeitet. Einziger Schönheitsfehler ist jedoch der Preis. Die schützenden Textilien werden daher überwiegend in Berufsgruppen vertrieben, bei denen die Schutzkleidung ein Höchstmaß an Schutz und Komfort erbringen muss. Dazu zählen beispielsweise Sondereinsatzkräfte, Formel-1- und Jet-Piloten.
Weniger Flächengewicht
Die Verringerung des Flächengewichts von Schutzgeweben ist ein weiterer Ansatz, den Komfort einer Schutzkleidung zu verbessern. Üblicherweise wiegen Gewebe, die gegen Flamme, Hitze und geschmolzenes Metall schützen, weit mehr als 400 Gramm pro Quadratmeter. Ein fertiges Bekleidungsteil bringt dann – je nach Ausstattung und Größe – ein Kilogramm und mehr auf die Waage. Diese herkömmliche Bekleidung fühlt sich dadurch schwer an, ist bei warmen Temperaturen unangenehm zu tragen und wird für den Nutzer der Bekleidung zu einer Belastung.
Eine Verringerung des Flächengewichts der eingesetzten Schutzgewebe sorgt – im wahrsten Sinne des Wortes – für Erleichterung. Tatsächlich sind bereits leichtgewichtigere Textilien im Einsatz. Dazu zählen Nomex-Gewebe, die trotz ihres geringen Gewichts von 220 Gramm pro Quadratmeter (g/m²) die Normen für Hitze- und Flammschutz, leichten Chemikalien- sowie Störlichtbogenschutz erfüllen. Aufgrund ihrer wesentlich höheren Flexibilität bieten sie außerdem mehr Bewegungsfreiheit und einen guten Tragekomfort. Das gilt auch für mit Proban ausgerüstete Baumwoll- und Baumwollmischgewebe, die sich durch eine gute Aufnahme von Körperfeuchtigkeit und ein rasches Abtrocknen auszeichnen. Heute sind nicht nur schwere Gewebe, sondern auch solche mit einem Gewicht von 310 g/m² verfügbar.
Darüber hinaus beeinflussen natürlich auch die Konstruktion, der Aufbau eines Kleidungssystems oder der Materialmix den Komfort einer Kollektion. Je eher sich die Beschäftigten in ihrer Schutzkleidung wohl fühlen, desto wahrscheinlicher wird sie getragen – und umso besser kann sie ihre Funktion erfüllen: schützen.
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