Ausbildungspakt Die Nachwuchssuche macht Sorgen

Trotz zahlreicher Anstrengungen wird die Nachwuchssicherung für Unternehmen nicht leichter. Das gilt nicht nur für das Handwerk. Das gilt für die ganze Wirtschaft. "Ich gehe davon aus, dass es im laufenden Jahr noch schwieriger wird, die angebotenen Ausbildungsplätze adäquat zu besetzen", sagte BDA-Präsident Dieter Hundt nach einer Sitzung des Pakt-Lenkungsausschusses. Für Jugendliche sei die Lage auf dem Ausbildungsmarkt dagegen sehr gut.

Karin Birk

Jugendliche, die nach dem Schulabschluss eine Ausbildung suchen, haben im Moment die freie Auswahl. Viele Unternehmen suchen Azubis. - © Foto: lightpoet/Fotolia

Für Handwerkspräsident Otto Kentzler ist die Sache klar: "Wir müssen das betriebliche Angebot und die Nachfrage der Jugendlichen besser zusammenbringen", sagte er. Dies gelte sowohl in regionaler als auch in berufsspezifischer Sicht. Oft passten auch die Kompetenzen der Jugendlichen und die Anforderungen der Betriebe nicht richtig zusammen. Das alles mache sich in der Zahl der offenen Stellen bemerkbar. Allein im Handwerk waren es Ende Dezember rund 15.000 und damit so viele wie noch nie.

Teilzeitausbildung wenig genutzt

Auch dieses Jahr wird sich am Bedarf der Unternehmen nicht viel ändern: "Ich sehe keinerlei Anzeichen dafür, dass das Angebot an Ausbildungsplätzen zurückgeht", sagte Hundt mit Blick auf das Ausbildungsjahr 2013/2014. Raimund Becker, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, zeigt sich gleichwohl zuversichtlich, dass der Wirtschaft trotz abnehmender Schülerzahlen im laufenden Jahr so viele Bewerber wie im Vorjahr zur Verfügung stehen. Jetzt gehe es darum, diejenigen wieder ins System zubringen, die sich bisher für keine duale Ausbildung entschieden hätten. So gebe es noch immer zu wenig junge Mütter und Väter, die die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung nutzten.

Als Erfolg wertete Becker, dass es in den vergangenen Jahre gelungen sei, die Zahl der Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Übergangssystemen zwischen Schule und Beruf von 450.000 auf 270.000 zu reduzieren. Hier wolle man weiter Fortschritte erzielen. So sollten auch mehr Lehrstellen für Ältere angeboten werden. Nach Ansicht des Deutschen Gewerkschaftsbundes sollte für junge Erwachsene im Alter von 24 bis 35 Jahren sogar ein Sonderprogramm zur Qualifizierung sogar einaufgelegt werden. Jeder Sechste von Ihnen oder umgerechnet rund 1,5 Millionen junge Erwachsene hätten keinen Berufsabschluss, wie eine DGB-Studie zeige.

Wenig Interesse an Ausbildung in Deutschland

Gerade Jugendliche mit ausländischen Wurzeln müssen nach Ansicht der Migrationsbeauftragten des Bundes, Maria Böhmer, für die berufliche Bildung gewonnen werden. Dies gelte umso mehr, da sich deren schulischen Leistungen im Schnitt verbessert hätten. Indessen haben Jugendliche oder junge Erwachsene aus den krisengeschüttelten Regionen Europas bisher wenig Interesse an einer Ausbildung in Deutschland. Sie kämen momentan nur vereinzelt, sagte Becker.

Auch Kentzler spricht von geringer Nachfrage. Das "Hotel Mama" funktioniere offensichtlich noch zu gut, sagte er und verwies auf verschiedene Initiativen des Handwerks im Ausland. Selbst innerhalb Deutschlands sei die Mobilität relativ gering. "Auszubildende sollten wie Studenten ihre Koffer packen", sagte er mit Blick auf diejenigen, die Zuhause keine Stelle fänden. Es gebe Jugendwohnheime und andere Unterstützungsmaßnahmen.

Neben Mobilität ist auch mehr Flexibilität gefragt. Becker appellierte an die Jugend, sich nicht auf einen Traumberuf zu versteifen. Gleichzeitig rief er die Arbeitgeber auf, nicht nur an idealtypischen Profilen festzuhalten. Einig waren sich die Vertreter von Regierung, Wirtschaft und Lehre über die Notwendigkeit einer frühen, flächendeckenden und praxisnahe Berufsorientierung.

Mehr Praktika als Einstieg

Nicht nur im Handwerk, auch in anderen Wirtschaftszweigen wollen die Verantwortlichen noch mehr Jugendliche über Praktika und Einstiegsqualifikationen (EQ) den Berufsalltag näher bringen. Gerade förderbedürftigen Jugendlichen sollte so eine Chance gegeben werden. Zuletzt wurden die insgesamt 10.000 angebotenen Einstiegsqualifikationen jedoch nicht voll genutzt.

Als Grund nannte Hundt die Tatsache, dass Unternehmen, die dringend Auszubildende suchten, zunehmend schwächeren Jugendlichen direkt einen Ausbildungsplatz angeboten hätten. Dies gilt auch fürs Handwerk. Hier wurden bis Ende September von den 4711 (Vorjahr: 5256) zur Verfügung gestellten EQ-Plätzen nur 2814 (2932) Verträge tatsächlich unterzeichnet.

Insgesamt hat die Zahl der unterzeichneten Ausbildungsverträge bis Ende September um rund drei Prozent auf 551.300 Verträge abgenommen. Im Handwerk ging die Zahl auf 137.646 (Vorjahr: 141.791) zurück. Bis Ende Dezember konnte die Zahl durch Nachvermittlungen hier auf knapp 150.000 erhöht werden.