Die Atomkatastrophe in Japan hat zwar in den meisten EU-Ländern den Widerstand gegen die Kernenergie verstärkt. Aber bislang hat nur Deutschland ein "Atom-Moratorium" verfügt. Die EU tut sich schwer mit einheitlichen Stress-Tests für die AKW, schreibt die Schweizer Nachrichtenagentur SDA.
Die meisten EU-Länder halten an der Atomkraft fest
Bern (dapd). Die Atomkatastrophe in Japan hat zwar in den meisten EU-Ländern den Widerstand gegen die Kernenergie verstärkt. Aber bislang hat nur Deutschland ein "Atom-Moratorium" verfügt. Die EU tut sich schwer mit einheitlichen Stress-Tests für die AKW, schreibt die Schweizer Nachrichtenagentur SDA.
16 der 27 EU-Staaten setzen auf Atomkraft. Es gibt 143 Reaktoren, die ein Drittel des gesamten Stroms und etwa 15 Prozent der EU-weit verbrauchten Energie produzieren. Laut Lissabon-Vertrag kannjeder Staat selbst über die Nutzung der Atomkraft entscheiden.
Die meisten EU-Staaten waren in den letzten Jahren unter demEindruck der Klima- und Energieversorgungs-Diskussion auf eine atomfreundliche Energiepolitik eingeschwenkt. In Deutschland und Schweden etwa beschlossen die Regierungen den "Ausstieg aus dem Atomausstieg". Der GAU im japanischen Atomkraftwerk Fukushima hat bislang keinen grundlegenden Kurswechsel ausgelöst.
Einzig die deutsche Regierung beschloss am 14. März ein Atom-Moratorium. Alle 17 deutschen Atomkraftwerke sollen einer Sicherheitsprüfung unterzogen und dazu die sieben ältesten Kraftwerke drei Monate lang stillgelegt werden. Hierzulande deckt die Kernenergie rund ein Viertel des Strombedarfs.
Die meisten Länder halten an Atomenergie fest
Frankreich dagegen, wo 59 AKW über 75 Prozent des Stroms produzieren, will an der Kernenergie festhalten. Diese ist nach den Worten von Präsident Nicolas Sarkozy ein "grundlegendes Element" der Unabhängigkeit Frankreichs bei der Energieversorgung. Seine Regierung betont die Sicherheit französischer Atomkraftwerke. Auch Großbritannien hält an der Atomenergie und dem Bau neuer Atomkraftwerke fest. Die 19 britischen Atomkraftwerke produzieren rund 18 Prozent an der gesamten Stromproduktion.
Eine ähnliche Haltung nehmen die skandinavischen sowie die meisten mittel- und osteuropäischen EU-Mitglieder ein. Letztere wollen nicht zu stark in die energiepolitische Abhängigkeit Russlands geraten.
Italien zeigt nur bedingt Willen zum Wiedereinstieg
Italien hatte nach der Katastrophe von Tschernobyl 1986 seine vier AKW still gelegt. 2009 arbeitete die Regierung von Silvio Berlusconi ein Gesetz zur Planung neuer Atomkraftwerke aus. Nach der Atomkatastrophe in Japan signalisiert sie indes Bereitschaft, ihre umstrittenen Atompläne zu überdenken. Für Juni ist ein Referendum über die Rückkehr zur Atomenergie geplant.
Österreich, das keine Kernkraftwerke betreibt, aber Atomstrom aus dem Ausland bezieht, macht sich seit Fukushima für einen internationalen Atomausstieg stark. Die Regierung forderte umfassenden Sicherheitstests der europäischen Kernkraftwerke auf Grundlage einheitlicher Standards.
Diskussion um Stress-Tests
Die EU-Staats- und Regierungschefs beschlossen beim Gipfeltreffen in Brüssel Ende März einheitliche "Stress-Tests" für alle AKW, die im Juni beginnen sollten. Da die Atomaufsicht aber bei den Mitgliedstaaten liegt, gibt es weder eine Rechtsgrundlage für die Durchsetzung solcher Tests noch eine Frist für deren Durchführung. Nach langem Ringen um einheitliche Kriterien für die Sicherheitschecks einigten sich die Aufsichtsbehörden der Mitgliedstaaten darauf, dass die Tests mögliche Naturkatastrophen und Unfälle abdecken sollen. Terrorismus hingegen wird nicht in die Untersuchungen einbezogen. Vor allem Frankreich und Großbritannien hatten sich gegen den Einbezug von Terrorrisiken gewandt.
Obschon in der Schweiz kürzlich schon Tests der fünf AKW durchgeführt wurden, sollen die Schweizer AKW-Betreiber nach dem Willen des Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorats ENSI aucham EU-Stresstest teilnehmen.
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