Der Bestseller-Roman "Der Medicus" von Noah Gordon kommt am 25. Dezember als Film in die Kinos. Wagner Andreas Hauck aus Bayern war daran beteiligt und durfte in die Welt des Films hineinschnuppern.
Mirabell Schmidt
Als der Anruf kam, wusste Andreas Hauck zunächst nicht, was der Mann am anderen Ende der Leitung von ihm will. Er sei von der Filmproduktionsgesellschaft UFA: Ob Hauck für den Medicus eine Kutsche bauen könne? "Ich wusste erst einmal nicht, von was er spricht, denn Medicus sagte mir nichts", erzählt der Handwerker, der im 68-Einwohner-Dorf Großrohrsdorf in Oberbayern eine der letzten Wagnereien Deutschlands führt.
Dann verstand er: Stefan Isfort von der UFA beauftragte ihn, eine Kutsche für die Verfilmung von "Der Medicus", nach dem berühmten Roman von Noah Gordon zu bauen. Ein Film, der im 12. Jahrhundert spielt. Der Hauptdarsteller Tom Payne wagt als junger Arzt Rob Cole eine gefährliche Reise quer durch Europa. In der Kutsche von Andreas Hauck. Für den war das Telefongespräch der Anfang von fünf erlebnisreichen Monaten.
Zwei Monate, zwei Wagen
Die Auftraggeber hatten genaue Vorstellungen, wie die Kutsche aussehen sollte. "Teilweise musste ich ihnen sagen, dass ihre Vorstellungen nicht umzusetzen sind", erinnert sich der Handwerker lachend. "Sie wollten zum Beispiel, dass ich altes Holz für den Bau verwende, aber das konnte ich nicht machen. Der Wagen sollte ja sicher sein." Über drei Monate ging es hin und her, bis Hauck schließlich mit der Arbeit beginnen konnte.
Zwei Monate hatte Hauck Zeit, um zwei identische Fahrgestelle und acht Räder für die Kutschen zu bauen. Allein die Räder brachten 720 Kilo auf die Waage und hatten jeweils einen Durchmesser von 1,30 Meter. Das Fuhrwerk war fast sechs Meter lang. Den Aufbau auf der Kutsche fertigte aus zeitlichen Gründen ein Betrieb aus Köln.
Kutsche auf alt gemacht
Damit die neue Kutsche schließlich doch noch aussah wie aus dem Mittelalter, setzte das Kölner Unternehmen dem Holz mit Hochdruckreiniger und Drahtbürsten zu. Die Requisiteure der Produktionsfirma kümmerten sich um die Ausstattung. Hauck sah seine Wagen erst am Drehort im Harz wieder. Einen Tag durfte er gemeinsam mit seiner Frau dort dabei sein. "Da habe ich erst gemerkt, was alles dahinter steht", erzählt Hauck. "Da hat es mich dann auch nicht mehr gewundert, dass die Auftragsvergabe zuvor teils so hektisch und chaotisch ablief."
Rad MedicusEin riesiges Aufgebot sei das am Drehort gewesen. Die Filmemacher hatten ein frühmittelalterliches Dorf aufgebaut. "Die Kutsche sah ganz speckig und dreckig aus, richtig authentisch", sagt Hauck. Noch immer ist der Wagner begeistert von seinem Erlebnis beim Film. Der ganze Ort sei voll von den Filmleuten gewesen. Zwischendurch sei Regisseur Philipp Stölzl förmlich ausgerastet, als sie eine Szene, in der ein Pferd grasen sollte, immer und immer wieder drehen mussten.
Künftig nur noch Wagnerei
Und fast hätte Hauck auch selbst in dem Film mitgespielt. Denn nicht die Schauspieler, sondern ein Double lenkt die von ihm gebaute Kutsche. Die Produktionsfirma fragte den Handwerker zunächst, ob er das machen möchte. "Ich hatte mir das kurz überlegt, aber dann wäre ich ja wochenlang weggewesen", erzählt Hauck. Also lehnte er ab.
Doch Hauck hat Blut geleckt. Künftig will er vermehrt Filmproduktionen seine Arbeit als Handwerker anbieten. Damit er sich voll darum kümmern kann, wird er ab April seine Nebenbeschäftigung aufgeben. Denn bisher baut er zusätzlich zur Wagnerei Lärmschutzwände. Doch in vergangener Zeit kamen sehr viele Anfragen für Wagen, sein Bekanntheitsgrad ist im Laufe der Jahre gestiegen. "Ich habe nicht mehr so viele Bedenken, dass ich von der Wagnerei nicht leben kann", sagt der gebürtige Rheinländer.
Besonderes Erlebnis
Zur Premiere von "Der Medicus", der am 25. Dezember in Deutschland anläuft, ist Hauck aber nicht eingeladen. Obwohl er sich anfangs furchtbar wichtig gefühlt habe, sei er ja nur ein kleiner Teil dieser riesigen Produktion, sagt er grinsend. "Für mich war es aber etwas total Besonderes."
Sehen Sie hier den Trailer zum Film:
Fakten über den Film
Darsteller: u.a. Tom Payne, Ben Kingsley, Stellan Skarsgård, Elyas M’Barek
Regie: Philipp Stölzl
Länge: zweieinhalb Stunden
Kinostart: 25. Dezember 2013
