DHZ-Gespräch mit Johann Lafer, Star- und Fernsehkoch, zur neuen Kochschule in Guldental
Interview: Susanne Andriessens
„Die Küche ist eine moderne Werkstatt“
DHZ: Was empfinden Sie, wenn Sie in Ihrem neuen Kochstudio am Herd stehen?
Lafer: Für mich ist ein Lebenstraum in Erfüllung gegangen. Ich war schon immer jemand, der versucht hat, die moderne Form des Lebens mit der tatsächlichen Aufgabe zu verbinden. Jetzt muss ich sagen: Es ist uns gelungen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der Kochen absolut Spaß macht.
Bild ohne Titel - 20792DHZ: Was macht eine gute Küche aus?
Lafer: Küche sollte in der Ergonomie, im Design, in der Technik, in der gesamten Raumgestaltung ein Umfeld erzeugen, in dem Kochen zu einem Erlebnis wird. Auch das Zusammenspiel mit gutem Handwerk spielt da eine große Rolle. Küche ist für mich eine moderne Werkstatt, und die muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit man dort gut arbeiten kann. Wenn dann noch Highlights wie eine spezielle Technik hinzukommen, wird es eine ganz besondere Werkstatt.
DHZ: Welche Schwerpunkte sollten Schreiner setzen, die sich auf Küchenbau spezialisiert haben?
Lafer: Ganz wichtig ist ein gewisses Grundverständnis für das Thema Kochen. Wer selbst öfters am Herd steht, hat ein besseres Gespür dafür, wie Arbeitsprozesse erleichtert werden können, zum Beispiel durch die richtigen Platzanordnungen. Es muss möglich sein, eine Pfanne aus dem Herd zu nehmen und sie irgendwo abzustellen. Die Küchengeräte sollten so angeordnet sein, dass man effizient damit arbeiten kann. Alles sollte so konzipiert sein, dass das Kochen nicht umständlich wird.
DHZ: Betrachten Sie sich selbst eher als Handwerker oder als Künstler?
Lafer: Ich glaube, dass Kochen beide Dinge beinhaltet. Die Voraussetzungen sind handwerklicher Natur. Man muss zunächst im handwerklichen Bereich bestimmte Dinge vorbereiten. Wenn es dann schließlich darum geht, diese vorbereiteten Dinge zu einem Gesamterlebnis zu machen, kommt auch ein bisschen Kunst dazu: Feingespür, Vision, Intuition, alles das ist dazu notwenig, um am Ende ein Gesamtkunstwerk zu erhalten. Ich glaube, Handwerk und Kunst sind nicht trennbar.
DHZ: Handwerker, die für Sie gearbeitet haben, sind begeistert von Ihrer Freundlichkeit. Haben Sie eine Maxime, was den Umgang mit Menschen betrifft?
Lafer: Wenn man ein Unternehmen wie meines leitet, mit nahezu 80 Mitarbeitern, dann ist die Personalführung eine der großen Hauptaufgaben. Es ist eine Tatsache: Man ist nur so gut wie seine Mitarbeiter. Das gilt auch für die Handwerker, die für mich tätig waren. Sie waren motiviert, wollten etwas Gutes leisten. Natürlich habe ich sie auch dafür bezahlt aber wenn ich es als Auftraggeber schaffe, sie zusätzlich zu motivieren und vielleicht aus den Menschen etwas herauszuholen, was sonst nicht so üblich ist, weil die Atmosphäre und auch die Zuwendung stimmen, dann profitiere ich davon. Für mich ist das Thema Handwerk irrsinnig wichtig. Handwerker sind für mich sehr wertvolle Menschen, vor allem, wenn sie dazu in der Lage sind, auch neue Wege zu beschreiten.
DHZ: Konnten Sie sich mit Ihrem neuen Kochstudio all Ihre Hightechträume erfüllen oder ließen sich manche (noch) nicht umsetzen?
Lafer: Es gibt sicherlich immer wieder Neues, aber auf den jetzigen Zeitpunkt bezogen, ist es das, was ich mir vorgestellt habe. Es wird in einem Jahr bestimmt wieder einige Dinge geben, die man ändern kann. Jetzt möchte ich aber erstmal mit dem, was ich habe, zufrieden sein und damit Erfahrungen sammeln.
