Leipziger Buchmesse 2014 Die kreativen Seiten des Handwerks

Die Leipziger Buchmesse steht kurz bevor. Dort werden hunderte von Ausstellern und Autoren ihre neuesten Werke zeigen. Doch nicht nur der Inhalt ist wichtig: Warum Buchbinder, Drucker und Mediengestalter einen großen Anteil am Erfolg eines Buches haben.

Inka Biedermann falzt, schneidet, färbt, leimt und prägt in Ihrem Ein-Frau-Betrieb alles selbst. - © Foto: Kampagnenbüro Handwerk Berlin

Was bei einem Buch als erstes auffällt, ist das Design. Im besten Fall ist es ästhetisch, liegt gut in der Hand und macht Lust auf Lesen. Handwerkskunst trägt zu diesem Erlebnis in einem großen Maß bei.

Ein gut gemachtes Buch wirkt  - auch in Zukunft

Inka Biedermann ist Buchbindermeisterin und arbeitet in ihrem Atelier Artes et Libri im Grafischen Centrum Empelde bei Hannover Tür an Tür mit Werbeagenturen, Verlagen und Print-Unternehmen. "Wir stehen jedoch nicht in Konkurrenz miteinander, sondern inspirieren uns gegenseitig," sagt Biedermann. Die Werbe- und Filmbranche wendet sich an die 44–Jährige, um mit ihren besonderen Buchkreationen Kunden zu gewinnen. Denn ein gut gemachtes Buch wirkt – auch in Zukunft. "E-Books sind zwar praktisch", meint Biedermann, "verglichen mit der sinnlich erfahrbaren Haptik eines gedruckten, handgebundenen Buches aber eher Fastfood."

Buchmacherin Biedermann nutzt auch das Internet

In ihrem Ein-Frau-Betrieb wickelt die Meisterin Bestellungen bis zu 100 Exemplaren ab. Neben den handwerklichen Tätigkeiten wie Falzen, Schneiden, Färben, Leimen und Prägen hat der Kundenkontakt in Biedermanns Berufsalltag einen hohen Stellenwert: „Viele meiner Kunden geben wertvolle, alte Bücher zur Restauration in meine Obhut. Da ist Vertrauen wichtig.“ Die Buchbinderin nutzt auch das Internet, um ihre Firmen-Homepage zum Online-Shop auszubauen. "Obwohl ich vom gedruckten Wort lebe, dient mir auch die virtuelle Welt dazu, neue Kunden zu gewinnen." Privatleute oder Firmen mit ganz individuellen Wünschen wenden sich an Biedermann. "Ausstellungsbände, kleinere Publikationen und Restaurierungen gehören zu meinem Tagesgeschäft."

Mediengestalter werden zu Marketing-Experten

Auch die Mediengestalter der Frischmann Druck und Medien GmbH spüren die Nachfrage nach hochwertigen Printprodukten. „Klassische Werbemittel wie Broschüren, Kataloge oder Großplakate werden nie aussterben“, sagt Projektmanager Uli Frischmann. „Sie funktionieren noch immer – intuitiv.“ Dennoch haben sich die Wünsche seiner Kunden in den vergangenen Jahren geändert. Viele Firmen betrauen den bayerischen Handwerksbetrieb heute mit kompletten Marketing-Abläufen. „Mittlerweile sind wir zu einer Full-Service-Agentur geworden. Wir betreuen unsere Kunden von der Vorplanung, über die Produktion bis hin zum Logistikprozess.“

Medientechnologie ist ein echter Handwerksberuf

Etwa 9500 Aufträge erledigt der 75 Mitarbeiter zählende Familienbetrieb aus dem oberpfälzischen Amberg jährlich. Denn Unternehmen aus der Verlags-, Werbe- und Modebranche setzen nach wie vor auf Druckerzeugnisse jeder Art. Neben Website und Online-Werbespot haben sich Katalog und Co. im Medienmix der Unternehmen neu positioniert. „Wir reagieren gerade im Ausbildungsbereich auf die aktuellen Anforderungen der Printbranche“, erklärt Frischmann. Seine angehenden Medientechnologen müssen Druckmaschine und Software gleichermaßen gut beherrschen. „Trotz der anspruchsvollen IT-Aufgaben darf es unseren Azubis aber nicht an Fingerspitzengefühl fehlen. Denn Medientechnologie ist nach wie vor ein echter Handwerksberuf.“ meh