Die Kraft der Erde

Geothermie: Ein wachsender Markt für das Elektro- sowie das Heizungs- und Klimahandwerk.

Karin Birk und Frank Muck

Die Kraft der Erde

Seit rund zehn Jahren installiert Rainer Schwickert Erdwärmepumpen als Heizungssysteme und noch immer ist er von der Technik begeistert: „Das ist für mich die Heizung der Zukunft“, sagt er. Denn anders als eine Öl- oder Gasheizung nutzt die Erdwärmepumpe nur Energie aus dem Erdreich für Heizungszwecke. Mittlerweile hat der gelernte Elektroinstallateur mit seinem Vier-Mann-Betrieb mehr als 150 Anlagen installiert.

Auf einem Seminar hat der 39-jährige Handwerksmeister im Jahr 1997 zum ersten Mal von der Technik gehört. Und weil er ein eigenes Grundstück mit vier Reihenhäusern bebauen wollte, hat er sich die Sache genauer angeschaut. Schnell war ihm klar, dass die Investitionskosten zwar deutlich höher sind als bei einer herkömmlichen Heizungsanlage, sich aber die Anlage über die Jahre rechnet. Vorteilhaft war das eigene Projekt aber nicht nur deshalb: Vom ersten Tag an nutzte er die eigene Baustelle als Anschauungsobjekt und organisierte mehrere Tage der offenen Tür. Überzeugend ist für viele seiner Kunden auch, dass er eigenes Geld in die neue Technologie investiert hat.

Seine Kunden – von der jungen Familie über das Rentnerehepaar bis zum Betriebsinhaber – wollen sich angesichts der steigenden Öl- und Gaspreise von fossilen Brennstoffen unabhängiger machen, zumindest mittelfristig Kosten sparen und ganz einfach umweltfreundlicher heizen, denn die Wärmepumpe verbraucht nur wenig Strom: "Aus einer Kilowattstunde Strom lassen sich drei bis fünf Kilowattstunden Heizenergie erzeugen", sagt Schwickert.

Auch der Zentralverband des Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerks preist die Energieeffizienz dieser Technik und setzt auf neue Erlösfelder. Elektrohandwerkliche Betriebe könnten sich mit Hilfe dieser Technik am Wärmemarkt etablieren. Nachdem die Elektrospeicherheizung weiter an Bedeutung verliere, seien Ersatzlösungen gefragt. Wärmepumpensysteme böten sich hierfür ideal an. Der Verband empfiehlt interessierten Betrieben den Besuch von Wärmepumpenkursen, etwa bei den verbandsnahen Bildungsträgern. Der ZVEH entwickelt derzeit zusammen mit dem bundesweiten Bildungsnetzwerk ELKOnet Qualifizierungsmaßnahmen.

Konrad Rebholz jun. ist ebenfalls der Meinung, dass Elektromeister nicht ohne Fortbildung in diesen Markt einsteigen sollten. "Eine Anlage verzeiht keine Fehler", sagt der Diplom-Ingenieur und Inhaber eines Elektrofachbetriebs in Augsburg. Rebholz ist seit vielen Jahren am Erdwärmemarkt etabliert. Und der Markt boomt. Allein drei seiner 20 Mitarbeiter hat er für die Arbeit an der Wärmepumpentechnik abgestellt. Seine Kunden sind hauptsächlich Besitzer privater Ein- und Zweifamilienhäuser, wo die alten Gas- und Ölheizungen ausgetauscht werden. Der Trend werde sich in den nächsten Jahren verstärken, prophezeit er. Schließlich müsse nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz der Anteil regenerativer Energien 15 Prozent im Neubau betragen. Weiterer Vorteil: Eine Ersparnis von bis zu 50 Prozent an den Heizkosten.

Eine Reihe von Fördermöglichkeiten erleichtere zudem den Handwerkern die Werbung beim Kunden. Die KfW-Bankengruppe vergibt zinsgünstige Darlehen und regionale Stromversorger unterstützen Investitionen. Darüber hinaus hat die Bundesregierung Wärmepumpen in das Marktanreizprogramm für erneuerbare Energien aufgenommen. Neubauten werden mit bis zu 3.000 Euro und Altbauten mit bis zu 4.500 Euro je Wohneinheit gefördert.

Vom Boom der Wärmepumpen profitiert neben dem Elektro- vor allem das SHK-Handwerk. Trotz elektronischer Komponenten bei der Installation wird der Markt aufgrund der Ausbildung und der Vorkenntnisse vom Heizungs- und Klimahandwerk dominiert. Nach Informationen des ZVSHK werden rund 80 Prozent aller Wärmepumpeninstallationen von Heizungs- und Klimahandwerkern durchgeführt. Matthias Wagnitz, Referent für Energie- und Wärmetechnik beim Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), setzt aufgrund der Vorbildung den Fortbildungsbedarf bei Elektrotechnikern höher an. Da die Installation solcher Geräte im Gegensatz zum SHK-Handwerk nicht Teil der Elektroausbildung sei, ist für ihn das eigene Gewerbe erster Ansprechpartner für den Einbau dieser Technik.

Wagnitz empfiehlt interessierten Betrieben, sich eingehend mit der Technik zu beschäftigen. Betriebe sollten sich in regionalen Schulungen bei ihren Fachverbänden über den vernünftigen Einsatz dieser Energieerzeugung einerseits und über den eigentlichen Einbau andererseits informieren. Denn wahllos sollten Wärmepumpen nicht eingebaut werden. Es sei sinnvoll, vorher die Kombination anderer Energieträger zu prüfen. Außerdem favorisiert Wagnitz neutrale Schulungen bei den Fachverbänden neutral. Reine hersteller- und damit systemabhängige Schulungen engten die Sichtweise stark ein: "Der Blick über den Tellerrand schadet nicht."

Auch beim Bundesverband Wärmepumpen in Berlin sieht man ein großes Marktpotenzial. Derzeit seien rund 300.000 Wärmepumpen in deutschen Haushalten installiert. Darunter solche, die auch die Wärme des Grundwassers oder der Außenluft nutzen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Anzahl in den kommenden fünf Jahren verdoppeln wird", sagt Geschäftsführer Karl-Heinz Stawarski. Diese Zahl könne noch höher ausfallen, sollten Öl- und Gaspreis weiter steigen. Befürchtungen, die Sonden könnten durch Erdbeben Schaden nehmen oder dem Erdboden könnte zu viel Energie entzogen werden, versucht er unter Verweis auf ausländische Erfahrungen zu entschärfen. In der Schweiz oder in Schweden, wo die Wärmepumpen eine viel größere Rolle spielten, gebe es keine negativen Beispiele.

Rainer Schwickert sieht zuversichtlich in die Zukunft. Wer auf diesem Feld Erfolg haben wolle, dürfe jedoch das Geschäft nicht nebenher betreiben. "Fachkompetenz und gute Kooperationspartner sind das A und O", hebt er hervor. Er selbst arbeite mit speziellen Bohrunternehmen zusammen und ziehe auch Heizungsbauer hinzu. Doch einer sollte stets federführend für das Projekt sein. Und die beste Werbung sei immer noch, beim eigenen Haus anzufangen.