Derzeit sind die Aussichten im Handwerk gut. Die Konjunktur brummt. Die Zahl der Ausbildungsplätze steigt. Doch sind noch immer viele Lehrstellen unbesetzt.
Karin Birk

Die positiven Fakten zur Konjunktur sollte das Handwerk noch stärker für die Nachwuchswerbung nutzen, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke auf der ZWH- Bildungskonferenz in Düsseldorf. "Wir dürfen uns nicht zurücklehnen", mahnte er. Vielmehr müsse das Handwerk angesichts des Trends zur Akademisierung alles tun, um die berufliche Ausbildung attraktiver zu machen. Entscheidend sei, Perspektiven im Handwerk aufzuzeigen und diese auch auszubauen. "Die Berufsausbildung im Handwerk darf nicht als Sackgasse gesehen werden."
Handwerk korrigiert Umsatzprognose deutlich nach oben
Gerade jetzt können die Betriebe Nachwuchs gebrauchen. "Den Betrieben des Handwerks geht es wirtschaftlich zur Zeit wirklich gut", sagte der Generalsekretär. So hat der Verband nach der jüngsten ZDH-Konjunkturprognose seine bisherige Umsatzprognose für 2016 von 2,0 auf 3,5 Prozent nach oben korrigiert. Damit dürfte das Handwerk stärker wachsen als die Gesamtwirtschaft, für die der Sachverständigenrat ein Plus von 1,9 Prozent erwartet. Auch für 2017 ist das Handwerk mit einem erwarteten Umsatzplus von 2,5 Prozent zuversichtlich.
Wieder mehr neue Ausbildungsverträge
Zum zweiten Mal in Folge sei es 2016 auch gelungen, die Zahl der neuen Ausbildungsverträge zu erhöhen, sagte Schwannecke. Bis Ende September seien rund 131.180 Ausbildungsverträge abgeschlossenen worden – ein Plus von einem Prozent. Dabei habe sich die Zahl der offenen Lehrstellen um 8,4 Prozent verringert. Allerdings hätten rund 18.000 Lehrstellen noch nicht besetzt werden können.
In der gesamten Wirtschaft gab es noch rund 43.500 offene Ausbildungsplätze, wie die Bundesagentur für Arbeit berichtet. Das sind fünf Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei war die Anzahl der gemeldeten Bewerber mit 547.700 in etwa so hoch wie die bei den Jobcentern gemeldeten 546.900 Ausbildungsstellen. Doch wie so oft passten Region, Qualifikation und Berufswunsch nicht zusammen.
Interessante Perspektiven für Leistungsstarke und Leistungsschwache
Um die duale Ausbildung attraktiver zu machen, will das Handwerk sowohl für leistungsschwache- wie leistungsstarke Schulabgänger die Perspektiven verbessern. So sollen insbesondere Auszubildende mit Förderbedarf und ihre Ausbildungsbetriebe länger unterstützt werden. Die assistierte Ausbildung müsse über das Jahr 2018 hinaus staatlich gefördert und die Berufsorientierung ausgebaut werden, forderte der ZDH.
Mit Blick auf die guten Schüler will das Handwerk in fünf Bundesländern mit dem Berufsabitur an den Start. "Wir wollen das erstmals 2017 erproben", sagte Schwannecke. Schüler sollen dann parallel zu einer betrieblichen Ausbildung das Abitur machen. Darüber hinaus will der Verband unterschiedliche Karrierewege von der Lehre über die Meisterausbildung bis zum Betriebswirt im Handwerk bekannter machen. "Die berufliche Fortbildungslaufbahn muss zur echten Alternative zum Studium werden", forderte er. Um im Wettbewerb mit den Hochschulen bestehen zu können, müsse das Thema Digitalisierung in der beruflichen Aus- und Weiterbildung ausgebaut werden. Nach Ansicht des Arbeitsmarktexperten Hilmar Schneider sollte das Handwerk herausstellen, dass die duale Ausbildung eng auf die Bedürfnisse des Marktes ausgerichtet ist.
Mehr Geld für duale Ausbildung gefordert
Für Schwannecke ist es höchste Zeit, dass die berufliche Bildung finanziell besser ausgestattet wird. "Zwischen akademische Ausbildung und beruflicher Bildung stimmen die Gleichgewichte nicht", sagte er mit Blick auf die in den vergangenen Jahren bereitgestellten rund 20,2 Milliarden Euro für den Hochschulpakt und rund zwei Milliarden Euro für den Qualitätspakt Lehre.