Zwischen Krise und Lichtblicken Die Konjunktur am Bau ist gespalten wie nie

Während das Elektrohandwerk und die SHK-Betriebe von der Energiewende profitieren, leidet das Bauhauptgewerbe unter der Krise im Wohnungsbau. Dass sich die einzelnen Sparten des Baugewerbes so unterschiedlich entwickeln, ist ein Novum. Ein Umsatzausblick.

In Zeiten, in denen weniger neue Häuser gebaut werden, versuchen sich Metallbauer, Tischler, Maler oder Raumausstatter mehr auf Sanierungen zu konzentrieren. - © photo 5000 - stock.adobe.com

Die konjunkturelle Entwicklung am Bau verläuft sehr unterschiedlich. Noch nie seit der Gründung der Bundesvereinigung Bauwirtschaft (BVB) im Jahr 2001 hätten sich die einzelnen Sparten der Baubranche so unterschiedlich entwickelt, sagte der BVB-Vorsitzende Marcus Nachbauer. Dieser Trend werde auch 2024 anhalten. Während das Bauhauptgewerbe angesichts der Wohnungskrise mit einem Umsatzminus von vier Prozent rechne, erwarteten Unternehmen in der Gebäudetechnik ein weiteres Umsatzplus. Unter dem Strich prognostizieren die in der BVB vertretenen Verbände der Bau- und Ausbauwirtschaft für 2024 ein Umsatzplus von 0,6 Prozent auf rund 422 Milliarden Euro sowie einen leichten Beschäftigungsabbau.

Bauwirtschaft fordert echte Impulse für den Wohnungsbau

Angesichts der gespaltenen Konjunktur fordern Nachbauer sowie der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbandes des Deutschen Baugewerbes (ZDB), Felix Pakleppa, endlich nennenswerte politische Impulse für den Wohnungsbau. Die Politik müsse die angekündigten Neubauförderprogramme umsetzen und die bestehende Förderkulisse anpassen. So sollte die staatliche Unterstützung bei den Zinsen erhöht und die Anforderungen an die Energieeffizienz gesenkt werden. Die Bundesvereinigung beobachte seit Monaten eine Anhebung der Zinssätze in den Förderprogrammen. Die Zinssätze lägen jetzt nahe drei Prozent und damit nur einen halben Prozentpunkt unter dem Marktniveau.

Energiewende beschert Gebäudetechnik-Sparte ein Umsatzplus

Als Lichtblick bezeichnete Nachbauer die Entwicklung im Bereich "Gebäudetechnik und Dienstleistungen". Begünstigt durch die Energiewende werde hier für 2024 ein Plus von knapp fünf Prozent auf 195 Milliarden Euro erwartet. Allein das Elektrohandwerk erwarte ein Umsatzplus von sieben Prozent, getrieben insbesondere von der Installation von Speicher- und Solaranlagen. Daneben werde im SHK-Bereich ein Plus von 2,5 Prozent erwartet. Im vergangenen Jahr hatte der gesamte Bereich seinen Umsatz um acht Prozent auf rund 186 Milliarden Euro gesteigert.

Bauhauptgewerbe leidet unter Wohnungsbau – Tiefbau besser

Im Bauhauptgewerbe wirkt sich die anhaltende Schwäche des Wohnungsbaus weiterhin negativ aus. "Je bedeutender das Geschäftsfeld Wohnungsbau ist, umso größer die Herausforderung", sagte Nachbauer mit Blick auf die Lage der Unternehmen. Entgegengesetzt verläuft dagegen die Nachfrage im gewerblichen Tiefbau, der primär von Infrastruktur-Großprojekten getragen wird. Insgesamt wird für das Bauhauptgewerbe 2024 mit einem Umsatzminus von nominal vier Prozent auf 138 Milliarden Euro gerechnet, nach einem Minus von knapp drei Prozent auf 144 Milliarden Euro im Jahr 2023.

Im Ausbau werden Sanierungen wichtiger

Im Ausbaubereich versuchen sich die Unternehmen, zu denen etwa Metallbauer, Tischler, Maler und Raumausstatter gehören, vermehrt auf Sanierungen auszurichten. Hier rechnet die BVB 2024 mit einem stagnierenden Umsatz in Höhe von knapp 110 Milliarden Euro.

Mit Blick auf die Beschäftigung erwartet die BVB einen leichten Rückgang von 0,5 Prozent auf 3,39 (Vorjahr: 3,41) Millionen Beschäftigte im Jahr 2024. Die BVB vertritt mit ihren Mitgliedsverbänden rund 370.000 Betriebe mit rund 3,4 Millionen Beschäftigten und steht nach eigenen Angaben für rund 80 Prozent der erbrachten Bauleistungen in Deutschland.