Was uns Jesus heute zu sagen hat

Die Ideen mit Leben füllen
„Denkt um!“ Ein zentraler Satz des jungen Juden Jesus aus Nazareth hat uns in den letzten Monaten bei den Vorbereitungen zu den Passionsspielen in Oberammergau beschäftigt. Er ist, wenn man genau hinschaut, das Leitmotiv im Handeln von Jesus. Er proklamierte mit diesem Satz vor rund 2000 Jahren ein neues Menschenbild. Mit dem uneingeschränkten Gebot der Nächstenliebe. Oder mit einem Satz wie „Liebt eure Feinde!“ forderte er etwas ganz Neues, noch nie zuvor Gehörtes. Dieser Ansatz war radikal und eine Aufforderung, die Gewaltspirale von Hass und Gegenhass, Gewalt und Gegengewalt zu durchbrechen. Mit dieser Forderung stieß er den Menschen vor den Kopf und überforderte sicher auch seine Anhänger und Jünger. Soll man einem römischen Soldaten wirklich die andere Wange hinhalten, wenn er einen schlägt, unterdrückt, verfolgt und foltert?
Auch heute sind wir von den Forderungen von Jesus meist überfordert, viele sind gläubig und getauft, wir nennen uns Christen, aber auch wenn einige vielleicht nicht regelmäßig in die Kirche gehen oder sich der Religion entfremdet haben oder einer anderen Religion angehören, basiert doch unser Rechts- und Wertesystem auf dem Christentum. Viele der Worte von Jesus sind uns aus der Bibel oder dem Religionsunterricht bekannt und sind doch manchmal etwas hohl und leer geworden.
Eigentlich geht es aber darum, diese Sätze zu füllen und etwas daraus zu lernen, da sie doch bis heute hochaktuell sind. Faszinierend an Jesus ist die Konsequenz, mit der er durchs Leben gegangen ist. Er hatte seine Ideen, wie das Zusammenleben unter den Menschen funktionieren könnte. Er trat für seine Vorstellungen und Ideale ein und tat das mit einer Vehemenz, die die Herrschenden provozierte und gegen ihn aufbrachte. Trotzdem ließ er sich nicht von seinen Ideen abbringen, wissentlich, dass es ihn das Leben kosten würde. Oft würde man sich selber wünschen, so für seine Ideale zu kämpfen und einzustehen, nicht wegzuschauen, wenn Unrecht passiert. Davon kann man nur lernen.